Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 677
 

Modernes Bild

Schafherde innerhalb einer Umzäunung in der 2. Kehre der Heidestraße

Dieses Foto verbindet Oberkochen mit seiner Geschichte, seiner Landschaft, seinem Alltag und der Welt. Unsere Heiden, die uns immer noch umgeben, wie hilferufend, sind genau genommen künstliche Landschaften, die ohne die Pflege durch Forst und Albverein schon längst nicht mehr bestünden.
Früher fraßen die Schafe unsere Heide-Flächen frei zwischen deren typischen Wacholderbutzen. Heute sieht man Schafe nur noch selten, – und die Stadt muss froh sein, wenn sie überhaupt noch einen Schäfer findet, der Teile unserer Heiden hie und da beweidet – wie man in jüngster Vergangenheit erkennen musste, auch mit zweifelhaftem Erfolg.

Der Schäfer, der „Hirte“, und seine Schafe gehören zu den ältesten christlichen Bildern mit großem Symbolgehalt – vor allem die musivischen Bilder von Ravenna sind weltbekannt – mit Christus als dem „guten Hirten“ und seinen Schafen, die die christliche Gemeinde darstellen.

Johannes 10/12 – „Ich bin der gute Hirte. Der Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ Mosaik aus dem Grabmal der Galla Placidia, Ravenna, um 450 n. Chr. (Quelle: Google Eingabe „Galla Placidia - Ravenna“
http://www.turismo.ra.it/upload/gallery/scopri_territorio/arte_Cultura/unesco/mausoleo_di_galla_placidia/mausoleo_di_galla_placidia_particolare_del_buon_pastore.jpg)

Die Schafe auf Foto 1 liegen bis auf wenige friedlich im Schatten der riesigen Bäume, die sie vor der fast tropischen Hitze der letzten Wochen schützen. – Ein Schäfer ist nicht zu sehen. Dabei gibt es derer sogar zwei! Der eine ist momentan wohl geschäftlich verhindert, der andere zieht sich in Form eines fast unsichtbaren elektrischen Zauns um die Fläche in der zweiten Spitzkehre der „Heidestraße“ und schützt fast 100 Schafe indem er sie auf unsichtbare Weise vor den Gefahren des Verkehrs um sie herum bewahrt.

Nur noch wenige Oberkochener wissen, dass Oberkochens Ahnen die Oberkochener „Heide“, auf der heute über 2500 Menschen leben, noch bewirtschafteten, und dass die Hochfläche über dem Ort nicht von ungefähr „Heide“ heißt, und, dass einst noch Schafe auf der Oberkochener „Heide“ weideten.

Fotos und Inhalt des kurzen Beitrags passen in unseren derzeitigen Alltag der Welt: Zäune und Mauern, auch geistige Mauern, wachsen leider zunehmend in unserer „modernen“ Zeit. Wir sollten uns unsere Gedanken darüber machen.

Dietrich Bantel

 
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