Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 675
 

1927 bis 2017 – Unser Kinderfest wird 90

Einleitung

Das halbe Kies aus der Heidenheimer Straße (vermtl. Jahr 1950, Bild von Dörrich)

Das Oberkoch’ner Kinderfest wird dieses Jahr 90 Jahre alt. Ein wichtiger Grund das Thema nochmals aufzugreifen. Wesentliches wurde dazu schon von Dietrich Bantel in den Berichten 238, 615, 618 und 625 geschrieben, aber ein Jubiläum verlangt nach weiterer Beachtung mit eingehender Recherche. Dieser Artikel verbindet also Fakten und Emotionen zu einem Gesamtpaket, das unsere Gedanken in eine ferne Vergangenheit zurückführt. Eine Auflistung alle Kinderfeste ab 1927 finden Sie in der Berichtsversion auf der WebSite des Heimatvereins.

Liste aller Kinderfeste ab 1927
(zum PDF-Download der Liste bitte hier klicken)
(zum Excel-Download der Liste bitte hier klicken)

Ebenso einen detaillierten Ablauf des Festes aus dem Jahr 1954.

zum Vergrößern und Download bitte auf den Text klicken!

Natürlich, und da bin ich mir voll bewusst, wird es wieder Diskussionen geben nach dem Motto: „Das war doch ganz anders“. Das mag mitunter durchaus stimmen, aber im Bereich der Fakten bemühe ich mich sehr genau zu sein. Dass die persönlichen Erinnerungen mancher MitbürgerInnen vielleicht „leicht gefärbt“ sind, ist ganz normal und wird immer so sein. Auch die Jahreszahlen unter den Bildern sind möglicherweise nicht zu 100 % korrekt. Wer sich durch den Bericht angesprochen fühlt und eigene Erinnerungen ergänzen möchte kann das gerne tun. Alle diesbezüglichen Eingänge werden zu einem Ergänzungsbericht zusammengefasst um das Thema dann abzuschließen.

 

Ein ganz großes Dankeschön

an alle, die sich erinnert und mit Wort und Bild dazu beigetragen haben, dass DAS alte Oberkoch’ner Kinderfest durch diesen Artikel heuer gebührend gewürdigt werden kann. Mein Dank geht besonders an:

Richard Burger, Paul Hug, Luitgard Hügle, Franz Holdenried, Wolfgang Jäger, Wilfried Preuß, Wolfgang Eber, Valeria Franz, Helmut Gold, Anton Gutheiß, Christoph Stumpf, Anna Asen, Irmgard Dörrich, Birgit Egle, Heidi Köhler, Ralf Mispelhorn, und Ingeborg Schlipf.

 

Unsere Lieder – waren derer drei:

Das Lied, das uns Jahrzehntelang begleitete war „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Das bis in die Gegenwart populäre geistliche Lied wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von dem evangelischen Theologen Paul Gerhardt (1607 – 1676) verfasst. Als „Sommergesang“ besingt es die Schönheiten der Natur und verweist zugleich auf den jenseitigen „Himmelsgarten“. Es gehört zu den populärsten Liedern des evangelischen Kirchengesangs. Außerhalb des Gottesdienstes wurde es seit dem 19. Jahrhundert auch als Natur- und Wanderlied verbreitet. Das erste Abschlusslied war „Im schönsten Wiesengrunde“. Dieses Heimatlied wurde Mitte des 19. Jahrhunderts vom württembergischen Hobbydichter Wilhelm Ganzhorn (1818 – 1880), auf eine ältere Volksliedweise verfasst. Über Schulliederbücher fand es rasch weite Verbreitung und etablierte sich als eines der prominentesten, im 19. Jahrhundert neu entstandenen „Volkslieder“. Ganzhorn war Gerichtsaktuar in Neuenbürg und Oberamtsrichter in Aalen, Neckarsulm und Cannstatt. Das spätere Schlusslied war „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Es ist eines der gegenwärtig bekanntesten und beliebtesten Volkslieder. Populär wurde das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Abendlied im frühen 20. Jahrhundert durch die Jugend- und Singbewegung und hat für uns alte Oberkoch’ner eine Erinnerung an den Waldrand am Zeppelinweg und den alten Rektor Hagmann. Sogar im „Tatort“ im Januar 2017 konnten wir es im Fernsehen sehen und hören. (Zum Download der Liedtexte bitte draufklicken.)

 

Chronologie

1927 – ein ganz wichtiges Jahr in Oberkochen, das erste Kinderfest wurde aus der Taufe gehoben und im Anschluss an das 50jährige Jubiläum des Sängerbundes gefeiert. Der Ort hatte damals ca. 1.500 Einwohner. Zu dieser Zeit waren sicher maßgeblich an der Gestaltung des Festes der damalige Bürgermeister Richard Frank, die Pfarrer Alfons Riek (kath.) und Stöckle (ev.) sowie der gesamte Gemeinderat beteiligt. Zwei Dinge wurden seinerzeit beschlossen: 1.) Das Kinderfest sollte möglichst immer im Anschluss an ein anderes Fest veranstaltet werden und 2.) war ein 2-Jahres-Rhythmus vorgesehen. Ab 1929 wurde dann aber doch jährlich gefeiert.

Kinderfest 1929 (Bild Archiv HV)

1948 – ein weiteres wichtiges Jahr, denn nun wurde das erste Kinderfest nach dem Krieg vom Lehrer Menzel organisiert, denn die Nazizeit, die Kriegszeit und die Folgen waren weitestgehend überwunden und es ging wieder aufwärts, wie man allerorten diese Zeit beschrieb. Es war wieder Zeit den Kindern ihr Fest zurückzugeben.

Vor dem Gasthaus „Hirsch“ (vermtl. 1948 Bild Wingert)

 

Vor dem alten Schwesternhaus (vermtl. 1948 Bild Wingert)

1956 – Gedanken zum Kinderfest 1959 von Pfarrer Gottfroh (bitte klicken) Ein Artikel von Pfarrer Gottfroh (ein passender Name für einen Pfarrer) im Amtsblatt zum Thema mit dem Titel „Gedanken zum Kinderfest“ brachte zum ersten Mal Unruhe und es begannen erste Diskussionen wie ein Kinderfest zeitgemäß veranstaltet werden sollte. Auf der Website können Sie diesen Artikel im Original nachlesen. Im Grunde ist der Grundtenor dieses damaligen Artikels auch heute noch, im Zeitalter der Digitalisierung 4.0, durchaus interessant – jedoch, es wird kein Weg mehr zu den alten Werten zurückführen.

1958 – schrieb Dr. Hans Schmid seine Gedanken zum Kinderfest nieder und die Diskussionen gingen weiter und führten letztendlich

In der Aalener Straße (vermtl. vor 1959, da es herkömmlich aussieht Bild von Schlipf)

1959 – zum ersten Kinderfest auf der Märchenwiese auf unserem Hausberg, dem Volkmarsberg.

Erster Omnibusverkehr zum Festplatz 1959

1966 – und die Diskussionen gingen weiter. Eine Kinderfestordnung musste her.

1967 – wurde diese beschlossen und beinhaltete folgende Punkte
1) gemeinsam mit Gemeinde, Schulen, Kirchen und Elternschaft 2) ein Fest der und für die Kinder 3) jährlich am 1ten Samstag im Juli 4) Mithilfe örtlicher Vereine aus technisch-wirtschaftlichen Gründen 5) Verbindung mit Vereinsfesten ist unzulässig 6) neuer Zyklus: 2 Jahre auf dem Berg und dann 1x im Tal 7) Festzug nur im Tal

1968 – das Jahr der Stadterhebung erforderte vollen Einsatz von Schülern, Eltern, Schulen und Freiwilligen um einen Mega-Umzug auf die Beine zu stellen. Besonders engagiert waren da wohl die Herren Bantel und Porzig (wie den Unterlagen zu entnehmen ist).

1978 – wurde letztmals ein Festzug gestaltet. Der Aufwand in den Schulen wurde zu groß.

1979 – wurde das Kinderfest aus vielerlei Gründen auf dem Volkmarsberg zu Grabe getragen. Aber alle, die zwischen 1959 und 1979 das Fest auf dem Berg erlebten, bewahren sich diesen Schatz in ihrem Herzen auf. Und wenn heute das Lied der Lieder ertönt: „Kein schöner Land in dieser Zeit“ dann werden wir heute im Alter vielleicht rührselig, weil es im Trend der Zeit liegt, sich mit Emotionen zu beschäftigen und die Fakten mal hinten anstehen zu lassen. Das ist keine schlechte Reaktion in Zeiten, in denen sich alles verändert und wir uns nach Dingen sehnen, die standhaft im „Wind of Change“ ausharren.

1985 – wurde nochmals, aus Anlass des 50ten durchgeführten Kinderfestes, ein Festzug gestaltet.

1990 – gab es immer noch Kletterbäume auf dem Hof der Dreißentalschule

Kletterbäume auf dem Hof der Dreißentalschule

1993 – starb die Tagwache für das Kinderfest und tönte von nun an nur noch für das Stadtfest. Das Fest wurde nun freitags durchgeführt und verlagerte sich ins Stadion wo es bis heute zu Hause ist.

1995 – den Unterlagen ist zu entnehmen dass in diesem Jahr „Das Lied“ starb. Das Herz ist nicht mehr ausgegangen um Freud‘ zu suchen. Der Zeitgeist macht mitunter vor nichts halt.

2000 – das Millennium führte nochmals zu einem Umzug mit dem Motto „Zukunftsvisionen“

2002 – im Alter von 73 Jahren, starb das klassische Kinderfest und verwandelte sich in ein Rest-Kinderfest, wie es Franz Uhl damals nannte, weil ab diesem Jahr nur noch Kinder aus den Kindergärten und den Grundschulen teilnahmen – eben auch dem sog. Zeitgeist geopfert.

 

Diskussionen im Laufe der Zeit

Besonders ab Mitte der 50er Jahre begannen die Gedanken und Diskussionen, wohl überwiegend von der Lehrerschaft aus, über die Art des Kinderfestes auch öffentlich nachzudenken. Denn im Gemeinderat wurde immer wieder beschlossen, dass das Fest auf „herkömmliche“ Art und Weise gefeiert werden sollte. Da das Fest früher immer montags gefeiert wurde, appellierte die Lehrerschaft immer an die Eltern dafür frei zunehmen. Des Weiteren war der gewohnte Festzug ein Problem. Die Lehrer sahen hier ein Problem seitens der Schule, die diesen Krafttakt auf Dauer nicht verkraften könne.1958 gab es im Gemeinderat eine längere und lebhafte Debatte dazu und der Elternbeirat sowie der Ortsschulrat beschäftigen sich mit dem Themen: „1) Soll das Fest in „herkömmlicher“ Weise gefeiert werden? 2) Soll es in „herkömmlicher“ Weise, aber nur 2jährig gefeiert werden? 3) Sollen wir von den bisherigen Formen abgehen und neue entwickeln? Dr. Hans Schmid formulierte das seinerzeit so: „Wir wollen ein Kinderfest aber kein Volksfest“. 1959 war es dann soweit. Das neue Kinderfest wurde auf der Märchenwiese auf dem Hausberg geboren. Dabei ging es auch darum einige alte Zöpfe (wie z. B. den Fackelzug, übermäßigen Rummel usw.) abzuschneiden und neue Dinge zu integrieren. Es war ein Risiko und es waren vermutlich nicht wenige, die ein Scheitern gerne gesehen hätten um das Fest wieder „herkömmlich“ im Tal feiern zu können. Aber Petrus hatte, soweit ich mich erinnern kann, immer dafür gesorgt, dass dem Fest auf dem Berg reichlich Sonne beschieden war. Der Regen hielt in Oberkochen wohl erst Einzug, als das Kinderfest in das Stadtfest integriert wurde. ☺

Der Ablauf war am 11. Juli 1959 wie folgt:

07:00 Uhr Tagwache durch die Musikkapelle mit Böllerschüssen
08:45 Uhr Abmarsch vom Schulhof mit Musik zu den Gottesdiensten
09:00 Uhr Kinder und Eltern nehmen am Gottesdienst teil
09:45 Uhr Geschenkverlosung auf dem Schulhof
13:00 Uhr Abmarsch der Schulen mit Musik von der Dreißentalschule aus auf den Berg (Übungshang). Nach Ankunft auf dem Platz um die Jugendschanze Choral: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mit Musik, Ansprache des Bürgermeisters, anschließend Spiele und Belustigungen
16:00 Uhr Ausgabe von Wurst und Wecken durch die Klassenlehrer
18:00 Uhr Signal zum Sammeln
18:30 Uhr Abmarsch zur Dreißentalschule mit Musik, dort Schlussworte durch Rektor Hagmann und Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“

In der Schwäpo vom darauffolgenden Montag lesen wir darauf hin, dass, wer etwas Neues wolle, etwas riskieren müsse, gegen Widerstände angehen und sich nicht von einer guten Idee abbringen lassen solle. Traditionen seien eben oft nur Phantasielosigkeit und Bequemlichkeit. Im Jahr darauf wurde tituliert: „Kinderfest als Bürgerfest“. In den jährlichen Vorberichten, die immer von der Lehrerschaft geschrieben wurden, wird oft an Papa appelliert, den Lehnstuhl zu verlassen, sich nicht hinter der Zeitung zu verstecken, die Zigarre auszulöschen und das Mittagsschläfchen sausen zu lassen, um mit den Kindern zusammen zu feiern. Auch das Gemeinsame (vom Kommen über das Spielen bis zum Gehen) musste wohl immer betont werden. Wohl wissend, dass diese Form des Festes nicht der Weisheit letzter Schluss war, aber es war eine bessere und geeignetere Form, die auch vom Oberschulamt mitgetragen wurde. Dazu eine persönliche Bemerkung, die meine Altersklasse angeht: „Wir empfinden das noch heute als Glück, dass wir das Fest auf dem Berg feiern konnten. Mit all den Vorbereitungen, dem Umzug, den Kletterbäumen, den Spielen

Zeichnung Kissenschlacht 1979

 

Zeichnung Boxen 1971

wie Stelzenlaufen, Sackhüpfen, Eierlauf, Fahrradrennen, Kissenschlacht und Boxen (auch Mädchen!) und dem Hohensteiner Kaspar im dunklen Tann – heute, völlig unmöglich. Die heutigen Mütter würden die Krise bekommen, die Lehrerschaft hätte aus versicherungstechnischen Gründen keine Traute mehr und den heutigen Kindern fehlt vermutlich die frühe Selbständigkeit, geschweige denn das noch einer auf einen Kletterbaum käme. Den mutigen Entscheidern von damals sei gedankt.“ Es wurde dann noch die Neuerung mit der sog „Schleife“ über den Bahnhofsplatz eingeführt, damit sich die Gruppen im Festzug auch selbst bestaunen konnten. Mitte der 60er Jahre kam es wiederum zu Diskussionen, die dazu führten, dass ein Gremium eine Kinderfestordnung erarbeiten sollte. 1968 wurde dann ein großer aufwendiger Umzug im Rahmen der Feierlichkeiten der Stadterhebung durchgeführt

Festzugaufstellung am 30. Juni 1968 (bitte klicken)

und damit waren die Schulen wohl über ihre Belastungsgrenze hinaus gegangen. 1970 wurde eine neue Runde eingeläutet. SR Bantel plädierte für Neuerungen und SR Metzger beharrte auf der bisherigen Form. 1971 gab es dann einen Bruch. Zum 18ten und letzten Mal wurden die Kinder und Eltern von Rektor Hagmann und „unserem Lied“ verabschiedet, wobei da schon viele am Rektor vorbei liefen und ihn nahezu alleine singen ließen – war wohl auch eine Abstimmung mit den Füßen. Lehrer Heller wies 1973 nochmals darauf hin, dass das Fest eben nicht nur ein Fest für die Kinder sei, sondern auch ein Familienfest, ein Bergfest, ein Stadtfest um das Erleben von Heimat zu vertiefen. 1975 ging es dann zum ersten Mal auf die Heide. 1976 wurde rund um das Rathaus gefeiert, 1978 nochmals in Verbindung mit einer Integration in ein „10 Jahre Stadt-Gedenken“ und 1979 wurde das Fest auf der Märchenwiese unseres Volkmarsberges zu Grabe getragen. Aus heutiger Sicht ist das sicher schade, aber es wäre auch nicht mehr machbar. Sind wir dankbar, dass wir das erleben durften und somit heute darüber noch Geschichten erzählen und Emotionen nachspüren können.

 

Verschiedene Bilder aus alten Zeiten

Dreißentalstraße (vermtl. Jahr ???, Bild von Asen)

 

Dreißentalschule Gärtnerei Mahler (vermtl. 1957, Bild von Egle)

 

Festzug Aalener Straße vor dem „Ochsen“ (vermtl. 1950 Bild von Holdenried)

 

Die berühmte Wildsau im Umzug (zwischen 1950 bis 1952 Bild von Holdenried)

 

vor dem Uhren-Maier in der xyz Straße (vermtl. 1952, Bild von Hügle)

 

mit Lehrer NN (vermtl. 1953 Bild von Hügle)

 

Aufstellung zu Festzug in der heutigen Straße zwischen Kreisel und Leitz (vermtl. ???, Bild von Krämling)

 

einfach herrlich anzuschauen (vermtl. ???, Bild von Krämling)

 

Festzug Heidenheimer Straße vorm „Grünen Baum“, heute Metzgerei Lerch (vermtl. ???, Bild von Krämling)

 

Der Filstalblitz 1968 (Bild von Mispelhorn)

 

Der „Gemeinderat Klasse 1b Gymmi“ mit Klassenlehrer Thiem (vermtl. 1963, Bild von Müller)

 

auf dem Weg zum Volkmarsberg – wie immer zu heiß (vermtl. 1961 oder 1962, Bild von Müller)

 

Die Jäger im grünen Wald des Volkmarsberges (vermtl. 1956, Bild von Preuß)

 

Spielstraße im Jägergässle, Zeichnung

 

Spielstraße im Jägergässle, Aufstellung

 

Spielstraße im Jägergässle, Aufstellung

 

Persönliche Erinnerungen einiger MitbürgerInnen

Richard Burger: „Kinderfest und „Berg“ gehören für mich zusammen. Alle anderen Kinderfeste waren nichts mehr. Allerdings verband mich mit dem „Berg“ eine Art Hassliebe. Grund: Es war immer (?) heiß, wir mussten immer laufen, während immer die anderen mit dem Zügle fahren durften. Die tollsten Dinge gab es immer auf den Kletterbäumen zu holen und waren für mich unerreichbar, weil ich als Unsportlicher nicht die geringste Chance hatte, an diese heißbegehrten Spielsachen zu kommen. Ich kaufte mir immer einen Flieger, den man mit einer Gummischleuder hochschoss und der daheim immer nach wenigen Minuten auf dem Hausdach seine letzte Ruhe fand. Ich liebte die kalte Rote mit Wecken, die von den Lehrern verteilt wurden – nach heutigen Hygienevorschriften völlig undenkbar. Wir haben aber alle überlebt und ich liebe kalte Rote mit Wecken auch heute noch. Vielleicht kommt meine Liebe zu allen „Roten“ als SPDler daher?“

Paul Hug: „Sensationell war immer, dass den Gruppa-Paule koiner, aber wirklich koiner, bei der Kissenschlacht vom Bock hauen konnte, denn er war immer schlauer, voraussehender, listiger...

Welche Schüler sind das bei der berühmten Kissenschlacht? (Bild Archiv Bantel)

Einmal haben wir vormittags gegen die Lehrer Fußball gespielt (6. Klasse, heute hieße es 10. Klasse), 4:2 verloren (der kath. Vikar war der Beste). Die Lehrer spendierten eine Kiste Bier im Ochsen bei der Anna. Wir schafften die Flaschen nur mit allergrößter Mühe – eine Folge davon war, dass „Chicko“ Dickenherr am nachmittäglichen Festzug leider nicht mitmachen konnte, da er sich im Bett ausruhen musste...“

Luitgard Hügle: „Das Kinderfest war ein ganz wichtiger Tag für uns Schüler und Schülerinnen Ende der 40iger und Anfang der 50iger Jahre. Da wurde beraten was man darstellen konnte und dann wurde entsprechend gearbeitet. Zur Verwendung kam vorwiegend Krepppapier, um daraus ein Kostüm als Blume oder als Vogel zu zaubern. Es war herrlich in diesen Kostümen, unter den Blicken der Zuschauer am Straßenrand, durch die geschmückten Straßen zu schreiten. Danach war das Fest dann auf dem Sportplatz, beim Segelfliegerhäusle. In der 7. Klasse fiel uns etwas Besonderes ein.

Heidenheimer Straße vorm Golda-Bauer (vermtl. 1952, Bild von Hügle)

Was wir nun genau darstellen sollten, daran erinnere ich mich nicht, aber meine Freundin und ich saßen, statt mit Ritterrüstung, schwarz gekleidet, auf dem Kopf einen Helm, jeweils auf einem Schimmel, Helga auf dem Wallach, ich auf einer Stute. Die schwarzen Helme hat uns wohl Helgas Stiefvater besorgt, der damals Hauptmann bei der Betriebsfeuerwehr der Firma Zeiss war. Die Pferde gehörten dem „Hirschwirt“ und Landwirt Hans Nagel. Er half uns aufsitzen und führte uns während des ganzen Umzuges. Das war natürlich etwas Außerordentliches – aber was es darstellen sollte, daran kann ich mich nicht erinnern, auch meine Freundin Helga nicht.“

Franz Holdenried: „In der 7.,8 Klasse (wohl 1950 herum) in der Volksschule nahmen wir uns für das Kinderfest dem Thema „Auf d’r schwäb’sche Eisebahna“ an und hämmerten, sägten und werkelten zusammen mit dem Lehrer Zweig im Bäuerles-Säg’werk die Aufbauten für ein Elektrokärrele, das von einem Mann vorne im Stehen gesteuert wurde.“

Wolfgang „Jagger“ Jäger: „Als Jg. 60 habe ich natürlich die Feste auf dem Volkmarsberg vor Augen. Der Festplatz „Schwörz“ ist bei mir nicht mehr in Erinnerung, obwohl der „Schwörz“ ja nach dem Berg kam, ich glaube das war dort auch nicht mehr so kultig, wie auf dem Berg. Anlässlich der Stadterhebung gab es ja ein besonderes Kinderfest. Wir gingen damals verkleidet als Jäger, einheitlich in Grün mit Holzgewehren, die uns der Brunnhuber auf Drängen meines Vaters anfertigen musste (umsonst natürlich). Im Umzugstross trugen wir dann eine ausgestopfte Wildsau mit – und es war sauheiß. Es war immer saumäßig heiß wenn wir anlässlich des Kinderfestes auf den Berg mussten / durften. Oben war dann alles vergessen. Das Gelände erstreckte sich vom „Holzenhans“ (jetzt Skihütte) bis hoch, oben wo der Lift endet. Da oben standen dann Holzklettermasten mit Spielsachen on the top. Für mich unerreichbar – sportlich für mich ein Alptraum. Hab es erst gar nicht versucht um mich nicht zu blamieren. Aber wenigstens gab es Bluna (das echte aus der geriffelten Flasche) und Grillwürste im Wecken. Das Fassbier wurde noch direkt vom Lastwagen herunter in Steinkrüge ausgeschenkt und auf den Fässern lagen riesige Eisklötze um den Gerstensaft zu kühlen.“

Wilfried Preuß: „Vor dem Fest wurde während des Unterrichts das „Zubehör“ für das Kinderfest angefertigt. Meist kleine Dinge zum Verkleiden und eine Tafel, die während des Festzuges getragen wurde. Vermutlich 1956 nahmen wir als Jäger teil. Der Tag des Festes begann damit, dass wir uns auf dem Schulhof der Dreißentalschule klassenweise versammelten und Wurst und Wecken bekamen. Es war eine herrliche Fleischwurst, die man gerne aß. Darauf freute ich mich jedes Mal sehr. Ich weiß noch, dass wir dann alle sehr aufgeregt waren. Irgendwann wurde gemeinsam losmarschiert auf den Volkmarsberg. Ich weiß noch, dass dieser Aufstieg sehr schweißtreibend war. Oben angekommen wurde dann

Begrüßung auf der Märchenwiese (Bild Archiv Müller)

„Geh aus mein Herz und suche Freud“ unter der Leitung von Rektor Hagmann gesungen. Oben angelangt, zog man mit Schulkameraden auf dem Festplatz umher und sah sich die Spiele an. Fasziniert hat mich immer das Klettern an den Stangen, an deren oberen Ende an einem Ring Geschenke angebunden waren. Ich konnte nur staunen, denn selber klettern konnte ich nicht. Sofern man sich es leisten konnte waren Bratwürste zu haben. Ich weiß, dass unsere Familie das nicht konnte – das eigene Haus war wichtiger. Bewundert habe ich auch die Blaskapelle, die sehr engagiert spielte und zwischendurch Bier trank. Sehr beeindruckt war ich dann auch beim Abstieg vom gemeinsamen Singen der letzten Strophen von „Kein schöner Land“ – wieder unter Leitung von Rektor Hagmann. Ich bekomme heute noch, wenn ich daran denke, feuchte Augen vor Rührung. Es war immer eine schöne Sache mit dem Kinderfest auf dem „Berg“. Den Niedergang des Kinderfestes auf dem „Berg“ habe ich zum Glück nicht mehr miterlebt, nur in einem Beitrag von Herrn Dietrich Bantel davon gelesen und das hat mich sehr traurig gestimmt.“

Wolfgang Eber:Es gab auf dem Kinderfest immer Kletterbäume, in drei oder 4 Höhen. In der ersten Klasse sollte man auf den kleinsten klettern. Schöne Preise winkten an der Krone. Ich kam aber nicht einen Meter hinauf. Im nächsten Jahr ging es höher, wieder dasselbe. Ich hatte nicht genug Kraft in Armen und Beinen, keine Chance. Ich war immer total frustriert.

Zeichnung Kletterbaum 1973

Für mich war immer unvergesslich, wie wir am Ende des Kinderfestes, schon nach dem runtergehen, am Waldrand über dem Haus von Zahnarzt Riede, von Direktor Hagmann angestimmt zum Tagesabschluss immer das Lied „Kein schöner Land“ sangen. Ich fühlte damals genau so, es drückte meine volle Überzeugung aus: Kein schöner Land als hier das unsere weit und breit (wobei ich gestehen muss, nicht viele andere Länder bis dahin gesehen zu haben). Einen anderen Bericht hab ich noch: Ein nach dem 17. Juni 1953 aus Jena Geflüchteter berichtete mir stolz, dass es auf dem ersten Kinderfest, an dem er teilnahm, einen Stand mit Thüringer Würsten und drei mit roten Würsten gab. Im zweiten Jahr wären es schon 2 und 2 gewesen, ab dem dritten Jahr wären es immer drei Stände mit Thüringern gewesen und nur einer mit der traditionellen Roten. Die Thüringer hatten sich voll durchgesetzt und für eine kulturell-kulinarische Bereicherung in der neuen Heimat gesorgt.“

Thüringer auf dem Berg – Grillende und Gegrillte (Bild Archiv Bantel)

Hier sei ein kurzes Gedicht zur Wurscht der Würschte aus dem Jahr 1934 aus Jena eingefügt:
Es soll in diesen Breitengraden
Die Wurst besonders gut geraten
So hier man bratet auf dem Rost
Worunter rot die Kohle glost.

Valeria Franz, geb. Burghard: „Nach dem Krieg war das erste Kinderfest 1948. Viele Jahre fand das Kinderfest auf dem Sportplatz beim alten Segelfliegerhäusle statt. Aufstellung war auf der Straße zwischen heutigem Kreisel und der Fa. Leitz. Danach ging es durch die Heidenheimer Straße über die Katzenbachstraße zum Festplatz. Das damalige Kinderfestlied war lange Jahre „Im schönsten Wiesengrunde“. Während der Kriegszeit von 1939 bis 1945 sowie in den beiden ersten Nachkriegsjahren 1946 / 1947 fand kein Kinderfest statt. Da waren die täglichen Probleme noch zu groß um sich mit dem Kinderfest zu beschäftigen. In meiner Kindheit war das Kinderfest für Kinder und Eltern immer etwas Besonders, denn es gab sonst nicht viel zu feiern und zu festen. Die Zeiten waren damals entbehrungsreich. Darunter haben wir aber nicht gelitten, denn die Zeiten waren einfach so. Es galt der alte Spruch: „Was man nicht kennt kann man nicht vermissen.“ Die heutige Jugend kann sich kein Bild davon machen wie die Zeiten damals waren – sie müssen es aber auch nicht. Allerdings gilt es daran zu denken, dass es für alle Annehmlichkeiten und Vielfalt, die wir heute genießen, keinen Anspruch darauf gibt.

v.l.n.r.: Johanna Sproll, Heidi Ziemons und Valeria Burghard (1948 Bild von Holdenried)

Zu diesem Bild eine kurze Erklärung wie das so war. Es gab 1948 nicht viele Materialien, aber es gab den Wunsch aller Beteiligten mit Kreativität und Einfallsreichtum etwas auf die Beine zu stellen. Da gab es noch nicht das Denken der späteren Jahre, dass der Unterricht beeinträchtigt wird, der Aufwand zu groß sei oder ähnliche Argumente der Lehrerschaft. Es wurde geschaut was haben wir und was machen wir daraus. In diesem Fall Seidenpapier und grün eingefärbte Korsettbänder – was hilft das? Daraus und aus geschneiderten Blusen sowie aus irgendwelchen Resten entstanden hübsche Kleidchen für den Umzug. Dazu traf man sich im Stadel vom Schmid-Jörgle. Diese Vorbereitungen waren Gemeinschaftsarbeit. Auch hier galt wie überall auf der Welt bis heute: „Wo nicht viel vorhanden ist, ist der gemeinschaftliche Wille entscheidend.“

Helmut „Murxle“ Gold: „Mein erstes Kinderfest war 1949. Es fand auf dem Sportplatz beim Segelfliegerhäusle statt. Die Bewirtschaftung fand auf der Streuobstwiese gegenüber statt. Heute befinden sich dort die Häuser der Familien Brandstetter, Kretschmer, Weller usw. Diese Wiesen gehörten dem „Grubwirt“. Als erstes Lied wurde „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“ und als Schlusslied „Im schönsten Wiesengrunde“ gesungen.“

Am Sportplatz im Langert (vermtl. 1954, Bild von Egle)

Anton Gutheiß: „Mein erstes Kinderfest fand auf der Wiese statt, auf dem heute die Spedition Maier (ehemals Bäuerle) in der Bahnhofstraße ihr zuhause hat. Später auf der Wiese beim Segelfliegerhäusle. Der Gemeindeverwaltung hat es wohl nicht gefallen, dass der „Grubwirt“ das alleinige Schankrecht beim Segelfliegerhäusle inne hatte und wohl mit aus diesem Grund das Kinderfest später verlegt.“

Christoph Stumpf: „Solange ich die Dreißentalschule besuchte (1958 – 1966), war das Kinderfest für mich immer der absolute Höhepunkt im Jahreskreis des Schullebens. Und ich bin mir sicher, dass es auch die allermeisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler so erlebt haben. Das Kinderfest hatte für uns eine enorme Anziehungskraft. Und wir alle, die ganze Schulfamilie einschließlich unserer Eltern fieberten dem Fest gleichsam jedes Jahr entgegen. Warum das so war, hat für mich rückblickend vor allem zwei Gründe: 1) Für alle Schüler und Lehrer der Dreißentalschule gab es nach den Osterferien nur ein schulübergreifendes Thema: „Kinderfest“. 2) Für die Bürger Oberkochens war es das Fest mit der größten Anziehungskraft, bei dem Alt und Jung sowie alle Schichten der Bürgerschaft zusammen fanden wie sonst bei keiner anderen Gelegenheit im Jahr. Und so habe ich das Kinderfest auf dem Volkmarsberg erlebt: „Los ging es in der Schule nach den Osterferien. Da ging es jedes Jahr erstmal um die wichtige Frage: Als was gehen wir (unsere Klasse) diesmal beim Umzug? Das war gar nicht so einfach, denn man wollte ja Beachtung finden und sich von den anderen abheben. Also musste es auf jeden Fall immer ein neues Motto sein und keinesfalls etwas, das sich andere Klassen auch ausgesucht hatten. Die gängigen Themen, wie z.B. Schneewittchen und die sieben Zwerge, Indianer, die alte Rittersleut‘ kamen daher kaum in Frage. Es musste schon etwas originelles sein! Außerdem sollte die Kostümierung und die erforderlichen Ausstattungsgegenstände samt „Bewaffnung“ möglichst mit vertretbarem Aufwand im Handarbeits- bzw. Werkunterricht selbst hergestellt werden können und – ganz wichtig – auch rechtzeitig fertig sein. Gar keine leichte Aufgabe für uns Kinder und die Lehrer. Aber die meisten von uns fanden das „super“ und waren mit Feuereifer bei der Sache. Das lag zum einen daran, dass wir von unseren Klassenlehrern in das „Projekt Kinderfest 19xx“, wie man es heute nennen würde, einbezogen wurden und eigene Ideen und Vorschläge willkommen waren. Natürlich war dabei jede Menge Gruppendynamik im Spiel, denn es ging ja nicht um den Schüler Wilfried oder Reinhold, die eine gute Note haben wollten, sondern um uns – die Klasse, die sich erfolgreich präsentieren sollte und wollte. Bis zum großen Tag des Kinderfestes wurde aber immer alles fertig – nicht zuletzt, weil Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Bekannte mitgeholfen hatten, wenn es irgendwo „klemmte“. Spannend blieb aber bis zuletzt die Frage. „Wie wird das Wetter?“ In meiner Erinnerung hatten wir immer nur schönes „Kinderfestwetter“ – so wie es sich nach all den Mühen gehört. Dann war er also endlich da, der große Tag – das Kinderfest. Der Ablauf des Kinderfesttages war damals nach meinem Empfinden fast schon „ritualisiert“. Der Kinderfesttag war damals ein Samstag und begann für uns Schüler vormittags um 9 Uhr mit einem Schülergottesdienst. Das war faktisch eine Pflichtübung, um die man nicht herum kam – außer vielleicht durch Finten. Wenn ich in dieser Kinderfest–Messe nicht gerade als Ministrant im Einsatz war, sehnte ich das Ende dieses Rituals in den Kinderbänken der St. Peter und Paul Kirche ungeduldig herbei.“

Wilfried Müller: „Ergänzen möchte ich noch, dass das Uhinger Bähnle eine große Rolle im Festzug spielte, besonders bei den Mädchen scheint das in Erinnerung geblieben zu sein.“

Die Prinzessinnen im Uhinger Bähnle (vermtl. 1961, Bild von Schlipf)

 

Die Bewirtschaftung

wurde immer von den örtlichen Vereinen organisiert. Dabei wurde darauf geachtet, dass es keine Ungerechtigkeiten gab. Mitunter wurden auch finanzklamme Vereine bevorzugt. Erinnerungen an das Kinderfest 1974 auf dem Volkmarsberg von Reinhold Bahmann:

Das Kinderfest 1974 fand an einem sporthistorischen Tag statt: Das erste Länderspiel der Fußballnationalmannschaft der Bundesrepublik und der DDR fand in Hamburg im Rahmen der WM 1974 in unserem Lande, am 22.Juni 1974 statt. Ich war damals beim 1. FCO geschäftsführender Vorsitzender und habe das Kinderfest mitverantwortlich organisiert. Es sollte ein Fest werden, an das man noch lange danach sich zu erinnern vermochte. Die Vorfreude war riesig, nach dem Spiel die Stimmung auf dem Tiefpunkt, hatte man doch gegen den ungeliebten Klassenfeind eine nie und nimmer für möglich gehaltene Niederlage (0:1) bezogen, gleichwohl war man qualifiziert und wurde später ja doch noch Champion (Dank sei dem Kaiser). Das Fest als solches warf seine Schatten lange voraus, es galt an alles zu denken denn – man war auf dem Hausberg, dem Volkmarsberg eingeladen. Mit meiner Meinung, dass auf dem „Berg“ die schönsten Kinderfeste stattfanden, bin ich bis heute nicht alleine. Dazu bot jener Samstag alles was einem das Herz höher schlagen lassen konnte. Ein perfektes Wetter, das zum Verweilen sogar in der Höhe regelrecht einlud. Nun aber eins nach dem andern: Beim FCO installierte man einen Festausschuss, der wohl im Frühjahr seine Arbeit aufnahm. Die Versorgung der sicherlich an die 2.000 Gäste musste sichergestellt, Tische, Bänke, Grillstationen und Theken aufgebaut werden. In Max Trittler hatten wir einen ebenso sach- wie fachkundigen Mann zur Seite, der vortreffliche Arbeit leistete, saß er doch an der „Quelle“, bei der Fa. Brunnhuber, die auch bereitwillig das benötigte Holz bereitstellte. Für den Abend der Fernsehübertragung hatten wir extra eine große Weinlaube gebaut um die zahlreichen Fans auch aufnehmen zu können. Ein kleiner Fernseher wurde mit einem Stromaggregat betrieben. Die Oggenhausener Königsbrauerei hatte, um den Oberkochener Markt zu gewinnen, ein süffiges Pilsbier gebraut, das allgemein hoch gelobt wurde. Vereinsmitglied und Sponsor Alfred Zimmermann hatte die beliebten Thüringer Rostbratwürste in großer Anzahl vorbereitet. Ich bekam den Kühlhallenschlüssel, um dann über das Tiefental mehrmals am Nachmittag mit dem vereinseigenen VW-Bus für frischen Nachschub zu sorgen. Traditionell wurde das Fest, nachdem der Fußmarsch auf den „Berg“ manche Schweißperle gekostet hatte (ein Bus-Shuttle war auch eingerichtet) mit dem Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ eröffnet. Kletterbäume mit allerlei Preisen wollten von kletterfesten Buben erklommen werden. Für Bürgermeister, den Rat und die Lehrerschaft war im Schatten der Fichten der Platz reserviert, der denn auch für viele bis in den Abend das Dasein mehr als erträglich werden ließ. Bier, Limonaden und Würste gingen bei diesen besten äußeren Bedingungen buchstäblich wie „warme Semmeln“ weg. Nach meiner Schätzung waren seitens des Vereins sicherlich 60 bis 70 Personen an diesem Tag bis in die späten Abendstunden im Einsatz. Als dann das Fußballspiel begann war die Stimmung auf dem Höhepunkt, es konnte ja nach Meinung der Experten nichts mehr schiefgehen… Weit gefehlt: die 90. Minute war angebrochen und lähmendes Entsetzen machte sich breit, es herrschte eine nicht zu glaubende Stille angesichts des sportlichen Desasters. Erst allmählich fand man sich angesichts der bereits erreichten Qualifikation wieder, aber der Abend war „im Eimer“; der Rest der Gäste machte sich, mir nichts Dir nichts, aus dem Staub und zog gefrustet gen Tal. Einige, deren Pegel nach dem Spiel schon ordentlich hoch war, wählten sogar die weichen Plätze neben den Wachholderbutzen als Nachtquartier, was ob der lauen Sommernacht problemlos möglich war. Am Sonntagmorgen kamen sie dann, verkatert und geläutert aus der Heide… Fazit: Ein Tag, den man nicht missen möchte. Ein friedliches Fest auf unserem Hausberg, der spätere Kinderfeste leider nicht mehr allzu oft zu sehen bekam. Ich erinnere mich noch heute gerne an diesen Tag und möchte ihn nicht missen! Ab 1979 fiel die Märchenwiese in einen Dornröschenschlaf, der vermutlich 1000 Jahre andauern wird.

Wie immer liebe Grüße vom Sonnenberg. Ich schaue hinüber zum Waldrand oberhalb der neuen Siedlung und höre wie der Wind ein Lied herüberweht: „Kein schöner Land in dieser Zeit“...

Melden Sie sich, wenn Sie noch etwas zu ergänzen haben, bevor die Erinnerungen verblassen und in Vergessenheit geraten. Denn, was aufgeschrieben wird – bleibt.

Ihr
Wilfried Billie Wichai Müller

Email: wichai@t-online.de, Tel.: 07364 - 92 11 10 und Mobil: 0171 2217 530

 

 
Übersicht

[Home]