Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 666
 

Abschließendes zum Lehrer Menzel

Nachdem das Thema immer noch diskutiert wird, habe ich alte Unterlagen durchforstet und bin fündig geworden. Daher abschließend einige Daten und ein Foto zur Erinnerung an einen Lehrer, der wohl, obgleich nur 10 Jahre in Oberkochen tätig, positive Spuren hinterlassen hat, an die sich noch manche heute gerne erinnern.

Josef Menzel wurde am 6. Januar 1914 in Westböhmen geboren. 1933 legte er das Abitur ab und 1934 die Prüfung für das Lehramt (das ging damals aber ratzfatz). Bis 1937 war er Lehrer im Kreis Teschten-Bodenbach. Bis 1939 hatte er seinen Militärdienst abzuleisten und wurde anschließend bis zum Ende des Kriegs in denselben geworfen. Zuletzt diente er als Hauptmann und Batteriechef einer Feldartillerieeinheit an der Ostfront. Verletzungsbedingt blieb ihm die Kriegsgefangenschaft erspart. So verschlug es ihn 1946 in den Kreis Aalen und er wurde der Volksschule Oberkochen zugewiesen, wo er die oberen Klassen übernahm. Er hat sich von Anfang an auch für die Belange der Heimatvertriebenen eingesetzt, denn die alte Heimat und ihre Menschen lagen ihm wohl sehr am Herzen. 1953 bewarb er sich für einen Sitz im Gemeinderat und wurde auf Anhieb mit einer erstaunlichen Anzahl von 1538 Stimmen gewählt (zweitbestes Ergebnis nach Sebastian Fischer). Er stand damals für Problemlösungen im guten nachbarschaftlichen Verhältnis, für den Ausbau der Schulen, für die Entwicklung eines Volksbildungswerkes, für die Verschmelzung der gesamten Bürgerschaft und für die Eliminierung des Wortes „Flüchtling“ in seiner neuen Gemeinde. Er verließ Oberkochen zum neuen Schuljahr 1956/1957 und trat auf eigenen Wunsch eine Stelle an der Mittelschule in Kirchheim/Teck an. Die Oberkochener Gemeinde würdigte ihn am Samstag, 15. September 1956 im Rahmen einer Feierstunde. Er wurde als markante Lehrerpersönlichkeit empfunden, die eine Lücke in Oberkochen hinterlässt und vielleicht aufgrund seines eigenen Schicksals dafür sorgte, dass „seine“ Oberklassen einen guten Start ins Leben hatten. Es wurde extra erwähnt, dass er wohl auch sehr viel Zeit außerhalb des Unterrichts in seinen Beruf und in die Unterstützung der Abschlussklässler zur richtigen Berufswahl investierte. Er verwaltete die Lehr- und Lernmittel und bereitete sich nebenher mit einer asketisch anmutenden Disziplin auf die Fachprüfungen als Mittelschullehrer vor. Die Feierstunde wurde von Gedichten und vom Flötenspiel der Schülerinnen sowie vom Lehrerstreichorchester umrahmt. Lehrer Josef Menzel verließ zwar die Schule 1956, blieb aber hier noch eine Zeitlang wohnen und kam seinen Aufgaben als Gemeinderat weiterhin nach. Das ist ein gutes Beispiel, wie aus einer Randbemerkung und anschließenden Gesprächen und Ergänzungen ein weiterer Artikel entstanden ist, der sich so einfach ergeben hat.

Es grüßt wie immer vom Sonnenberg Wilfried Billie Wichai Müller
wichai@t-online.de

 

Nachschlag für die Lehrer Menzel und Zweig

Auch die abschließende Betrachtung zu Lehrer Menzel vom 28.10.2016 förderte einen spannenden Sachverhalt zu Tage, der für Oberkochens Schulgeschichte eine nachhaltige Auswirkung hatte, und der einen weiteren in Oberkochen bekannten Schulmeister ins Gespräch brachte, nämlich den von Unterriffingen nach Oberkochen versetzten Lehrer Hans Zweig, einen rührigen Schulmeister an der Dreißentalschule, der einen großen Teil seiner Freizeit in die Musik einbrachte. Frau Susanne Grupp-Zweig vom Schreinergässle, seine Schwiegertochter, berichtet, dass er lange Jahre Dirigent vom „Gesangsverein“, sowie dem Katholischen Kirchenchor war, die Orgel spielte und für die Musik bei Bestattungen verantwortlich zeichnete. Einmal musste er während des Unterrichts zu einer Beerdigung. Obwohl er seine Schüler solange „ahschdendich“ zu sein geheißen hatte, waren sie halt doch ziemlich laut in der Hohlstunde, – weshalb er sie „ohbendich zammabutzt“ hat hinterher. Er soll auch eine bemerkenswerte Handschrift geschrieben haben. Bekannt war sein „5- oder 7-stimmiger Satz von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ der immer am 2. Weihnachtsfeiertag aufgeführt wurde. Zu den Noten sagte er „Nodda“. Zunächst wohnte er im Bronkl, später im Mahd. Nach den Gesangsproben verhockte man regelmäßig „en dr Kischt“, einem „hendadommiga“ Raum im „Hirsch“. – Ja, – im „Hirsch“, – in dem war halt ämml was los. Und jetzt wird’r aabrocha....

Um was es geht: Als die Schulleiterstelle der Dreißentalschule neu ausgeschrieben wurde, bewarben sich sowohl Lehrer Menzel als auch Lehrer Zweig um die Stelle. Schulleiter indes wurde für die nächsten Jahrzehnte Rektor Georg Hagmann – was für die beiden mitbewerbenden Lehrer Menzel und Zweig mit der Grund dafür war, dass sie Oberkochen verließen.

29.10.2016 DB

 

 
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