Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag«

 

Bericht 642
 

Ein Flüchtlingsmädel aus dem Sudetenland

Dieses Jahr jährt sich zum 70ten Mal das Ende des II. Weltkrieges. Aus diesem Grund werden die beiden nächsten Berichte dieses Thema zum Inhalt haben. Wir schauen uns das ganz normale Leben zweier junger Menschen an, Hilde aus dem Sudetenland und Georg vom Härtsfeld, zwei junge Menschen, die später die Eltern von mir und meinem Bruder Harald werden sollten. Vorher hatten sie aber eine eigene Kindheit und Jugend mit einem weltumfassenden Krieg zu leben, bevor beide in Oberkochen zusammenfanden. Mir ist erst während der Recherchen klar geworden, wie alt die beiden eigentlich bei Kriegsbeginn waren und dass sie keine Chance hatten diesem Inferno zu entgehen. Sie hatten aber letztendlich Glück, nicht dort sein zu müssen, wo der Tod unausweichlich war.

Am 15. Juni 2015 werden 70 Jahre vergangen sein, dass meine Mutter den Flüchtlingszug in Wasseralfingen verließ und mit beiden Füßen auf der Ostalb zu stehen kam. Nachfolgend will ich Euch die Lebensgeschichte meiner Mutter, stellvertretend für ähnliche Vertriebenenschicksale, erzählen. Früher wurde darüber nicht so viel erzählt, meistens nur Allgemeines. Als ich jung war hat mich das alles nicht interessiert und auf meine naiven teils aggressiven Vorwürfe zum 1000jährigen Reich kamen keine für mich befriedigenden Antworten. So klärte sich vieles erst einige Jahre vor ihrem Tod und beim Durchschauen ihrer persönlichen Hinterlassenschaft. Heute habe ich sicher eine andere Sicht auf die Zeit meiner damals mir noch unbekannten jungen Eltern als in den 60er Jahren. Heute sehe ich mehr die älteren Jahrgänge als die meiner Eltern in der Verantwortung für den Lauf der Dinge damals.

Der Begriff „Sudetenland“ war bei uns zuhause ein Wort, das mich von Kind auf begleitete, aber nicht wirklich interessierte. Die Treffen der Sudetendeutschen finden bis heute immer zu Pfingsten statt und unsere Mutter machte sich zu dieser Zeit immer auf den Weg, mit Sonderbus oder Sonderzug, von Aalen aus auf, um ihre vertriebenen Landsleute in einer Art „riesengroßem Klassentreffen“ in großen Hallen zu suchen, zu treffen und sich über alte und neue Zeiten zu unterhalten. Wir Kinder waren froh nicht mitfahren zu müssen und wenn wir doch mal mit mussten, schuf unser Vater für uns ein Rahmenprogramm wie zum Beispiel der Besuch eines Bundesligaspiels im Nürnberger Stadion oder der Besuch des Nürnberger Parteitagsgeländes, das jetzt aber doch nicht so spannend wie ein Fußballspiel war. Das Interesse wuchs erst in den letzten Jahren als ich verschiedene Dokumentationen und Spielfilme zu der Zeit von 1933 bis 1946 sah und ab 2006 für den Heimatverein zu schreiben begann. Mit meiner Mutti konnte ich zwar im hohen Alter noch einige Gespräche darüber führen. Diese blieben aber bis zum Schluss doch sehr durch ihre Sicht geprägt, die sich seit den Kriegstagen nicht wesentlich geändert hatte. Als sie dann am 14. Oktober 2013 starb fand ich in ihrem Nachlass ein Poesiealbum aus ihrer Kindheit, ein Freundschaftsbuch aus der Kriegszeit, einen Bericht über die letzten Kriegswochen, einige Briefe sowie alte Fotos und verschiedenste Dokumente. Nach dem Durchlesen war mir klar, dass ich das Gelesene zu einem Bericht zusammenfassen muss. Ich nahm mir einige Wochenende „frei“ und machte mich über die Unterlagen her, vergrub mich im Internet, erstellte an Hand von Dokumenten eine chronologische Biografie und begann eine virtuelle Reise durch Kindheit und Jugend meiner Mutti, die 1922 in Mährisch-Aussee begann und 1945 in Aalen-Wasseralfingen endete, bevor dann in

Oberkochen ein neues Leben begann. Und jetzt nehme ich Euch auf diese, nunmehr in Worte gefasste, Reise mit. Die Jahreszahlen sind korrekt, jedoch sind die Einschätzungen gewollt persönlich. Das Internet bietet für Interessierte alle Möglichkeiten sich zusätzlich mit einer Vielzahl von Darstellungen zu beschäftigen.

Die Neuordnung Europas begann 1918 nach dem I. Weltkrieg gemäß dem obersten Prinzip, das vom US Präsident Wilson ausgegeben wurde: „Dem Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Heere Ziele, große Worte, verpasste Chancen – wie oft in solchen radikalen Zeiten. Also wurde ein neuer Kunst-Staat gegründet, den es bis dahin nicht gab, die Tschechoslowakei. Die stark industrialisierten Gebiete, in den denen über 3 Millionen sog. Sudetendeutsche (diesen Begriff gibt es auch erst seit 1918) lebten, hatten keine Chance als eine österreichische Provinz diesen neuen Staat zu verlassen. Eine Lösung a la Schweiz wurde zwar auch kurz propagiert, aber schnell wieder fallen gelassen. Von Anfang an war politisch beabsichtigt, die Sudetendeutschen in irgendeiner Art und Weise, egal wie wir das Kind heute nennen mögen, dazu zu bringen die Tschechei früher oder später zu verlassen. Oft hörte ich zuhause den Begriff „Benes-Dekrete“ und begriff auch schon als Kind, das das etwas war was das Leben meiner Vorfahren in Mährisch-Aussee stark verändert hatte. 1918 startete überall der große Reset – alles wieder auf „Los“ zurück und das Spiel begann von neuem. Niemand stellte sich damals vor, dass es in Bälde einen II. Großen Krieg geben könnte. Die Spielregeln änderten sich aber und an manchen Orten änderten sie sich gravierend. Und so mussten sich meine Vorfahren arrangieren und so lebten und arbeiteten sie, bauen Häuser, gestalteten ihr Leben und brachten Kinder auf die Welt und versuchten, trotz aller Repressalien, ihre Kultur und Sprache zu erhalten. Es ist bis heute so geblieben, dass sich das Leben für Minderheiten aufgrund von Grenzverschiebungen oder durch Gründung neuer Staaten urplötzlich verändern kann und nichts ist mehr als es vorher war – auch wenn man gut nachbarlich über Jahrzehnte oder noch länger zusammenlebte.

 

Geschichte von Mährisch Aussee – aus jüdischen Quellen

Teilansicht Mährisch Aussee (Usov)
(zum PDF bitte auf das Bild klicken)

Mährisch-Aussee ist eine kleine Stadt in der tschechischen Republik, ca. 70 km nördlich von Brünn (heute Brno) gelegen und heißt heute Usov. Erste urkundliche Hinweise auf jüdisches Leben im Dorfe Mährisch-Aussee liegen seit Mitte des 16. Jahrhunderts vor; gegen Ende des Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien in einem kleinen, auf einem Hügel gelegenen Viertel, das sich im Laufe der Jahrhunderte weiter ausdehnte (um 1750 sollen hier etwas 45 zweistöckige Häuser gestanden haben). In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde das Viertel zerstört und die jüdische Gemeinde fast völlig vernichtet; sie erholte sich danach nur sehr zögerlich.

Seit ca. 1690 besaß die Gemeinde wieder eine eigene Synagoge. Das friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Juden, gestützt auch durch die Schutzherrschaft des Fürsten von Liechtenstein, wurde durch einen Vorfall im Jahre 1721 negativ beeinträchtigt; angeblich soll ein Jude den Kaplan des Ortes tätlich angegriffen haben; in der Folgezeit verschlechterte sich das Verhältnis durch weitere „Vorfälle“ und es kam zu Gewaltakten. Da die „Volkswut“ zur Demolierung der Synagoge geführt hatte, wurden nun gottesdienstliche Zusammenkünfte in Privathäusern abgehalten. Erst 1784 durfte die Judenschaft eine neue Synagoge errichten – und zwar am gleichen Standort. Zwischen 1890 und 1919 bildete die hiesige Judenschaft eine autonome politische Gemeinde. Nach 1850 wanderten jüdische Familien aus Mährisch-Aussee ab; Ende der 1920er Jahre lebten nur noch sehr wenige im Ort. Im Gefolge des Niedergangs der Gemeinde schlossen sich die verbliebenen Ausseer Juden der nahen Gemeinde von Mährisch-Schönberg an. Bis 1938 fanden noch Gottesdienste in der Synagoge statt; Ende des Jahres zerstörten einheimische Nationalsozialisten die Inneneinrichtung mitsamt des wertvollen Gemeindearchivs. Die NS-Zeit konnte nur ein einziger Bewohner von Mährisch-Aussee überleben. Heute erinnern noch mehr als 500 Grabmale des Friedhofs daran, dass in Mährisch-Aussee einst eine große jüdische Gemeinde bestanden hat; die ältesten Monumente stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Jüdischer Friedhof Mährisch Aussee (Usov)

 

Geschichte von Mährisch Aussee – aus nichtjüdischen Quellen

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1260 im Zuge der Überlassung der Burg an den Olmützer Kastellan Ägidius von Schwabenitz für treue Dienste. Im Jahre 1276 fiel die Burg wieder an die Markgrafen von Mähren zurück. Im Jahre 1408 erhielt Johann von Wlaschim die Burg als Pfand. Unter den Herren von Wlaschim erfolgte 1487 ein Umbau der Burg. Nachdem Ladislaus von Boskowitz 1513 den Besitz erworben hatte, ließ er die Burg zum Renaissanceschloss umgestalten. Während der Herrschaft des Albrecht von Boskowitz gehörten zu den 58 Bürgern der Stadt drei Juden. Die Anzahl der Juden stieg in den nachfolgenden Jahren kontinuierlich an. Mit dem Tode vom Johann Schembera Černohorský von Boskowitz fiel dessen Erbe 1597 an seinen Schwiegersohn Karl I. von Liechtenstein. Östlich des Ortes wurde bei Starzendorf Eisenerz gefördert und in Aussee arbeiteten Eisenhämmer. Während des Dreißigjährigen Krieges lag der Ort darnieder und die Hammerwerke erloschen. 1830 umfasste die jüdische Gemeinde 656 Menschen, das war etwa ein Viertel der Gesamteinwohnerzahl.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Mährisch Aussee ab 1850 mit den Ortsteilen Kilch, Schloßhäuseln und Waitzenfeld eine Stadtgemeinde im Bezirk Hohenstadt. Im Schloss, das den Liechtensteinern nur für gelegentliche Aufenthalte gedient hatte, wurde 1852 die Mährisch-Schlesische höhere Forstschule eingerichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor die Stadt an Bedeutung. Sie blieb ein Ackerbürgerstädtchen ohne Industrie. In dieser Zeit setzte auch eine Abwanderung der Juden ein.

1867 erfolgte die Verlegung der Forstschule auf die Burg Eulenberg. Im Jahre 1880 lebten im Mährisch Aussee 2151 Menschen. 1901 eröffneten die Liechtensteiner im Schloss ein Jagd- und Waldmuseum. Ein Jahr später wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen. 1930 hatte die Stadt 1493 Einwohner, davon waren 866 Deutsche und 20 Juden. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt 1938 dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Hohenstadt. 1939 lebten in Mährische Aussee 1420 Menschen. Während der Reichspogromnacht wurde die Synagoge in Úsov verwüstet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Liechtensteiner enteignet, gleichzeitig begann auch die Vertreibung der Deutschen. 1950 hatte die Stadt nur noch 933 Einwohner. Seit 1961 gehört Úsov zum Okres Šumperk.

Postkarte Mährisch Aussee (Usov)

 

Einwohnerzahlen von Mährisch-Aussee:

1880: 2151 EW
1930: 1493 EW (866 Deutsche, 20 Juden)
1939: 1420 EW
1950:   933 EW
2015: 1240 EW

Eltern, Hilde und Schwester

In der Zeit des Umbruchs nach dem I. Weltkrieg begannen meine Großeltern Johann Pawlat (geb. 1885) und Hedwig Pawlat (geb. Klug 1892) ihr Leben neu zu ordnen. Johann arbeitete wieder als Schuhmachermeister (offiziell stand in seinen Papieren, die leider verloren gingen, dass er „Schuhinstandsetzungs-Ingenieur“ war. Ich habe diese Papiere vor vielen Jahren noch gesehen und mich herrlich über diese Bezeichnung amüsiert) in Mährisch Aussee und seine Frau Hedwig führte ihm den Haushalt und gebar die beiden Töchter, meine spätere Tante Hedwig Pawlat am 3.Oktober 1920 und meine spätere Mutter Hildegard Pawlat am 27. März 1922. Im Haus Nr. 11 im Judenviertel, genauer im Haus neben der Synagoge (Mutti sprach immer „vom Tempel“) in Mährisch Aussee Kreis Hohenstadt.

Kommunion Hilde Anfang 30er Jahre

Die Kindheit war sicher schön im Kreise ihrer Familie und ihrer Freundinnen. Hilde besuchte vom 1. Sep 1928 bis zum 1. Sep 1933 die allgemeine Volksschule und vom 1. Sep 1933 bis 27. Juni 1936 die Bürgerschule (die erst 1919 gegründet wurde) und schloss als Klassenbeste ab. Natürlich wurden mein Bruder und ich unsere ganze Schulzeit über auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Leider konnten wir diese Leistung in unseren Klassen nicht wiederholen, da zumindest ich, in der Schulzeit doch deutlich andere Interessen hatte. Mein Bruder ist mit Abitur, Studium und einer Anstellung als Fernsehradakteur beim SWR einen recht erfolgreichen Weg gegangen.

Entlassungszeugnis Bürgerschule

 

Entlassungszeugnis Bürgerschule

 

Entlassungszeugnis Bürgerschule

Die Bürgerschule war die Hochschule des kleinen Mannes, die aus dem österreichischen Schulsystem stammt. Ihre Aufgabe war es, eine „über das Lehrziel der allgemeinen Volksschule hinausreichende Bildung, namentlich mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gewerbetreibenden und Landwirte zu gewähren.“ Der Unterricht erfolgte durch Fachlehrer für drei bis vier Fächergruppen.

Lehrbrief und Prüfungszeugnis

Von 1937 bis 1940 erlernte sie den Beruf der „Damenschneiderin“, den sie mit der Gesellenprüfung erfolgreich (wie auch sonst) abschloss. Inzwischen wurde das Sudetenland gemäß dem „Münchner Abkommen von 1938“ im Jahre 1939 als Reichsgau „Sudetenland“ dem Deutschen Reich zugeschlagen und alle Sudetendeutschen freuten sich und jubelten der Aktion „Heim ins Reich“ zu, die am 1. Oktober 1938 mit dem Einmarsch in das Sudetenland begann und am 9. November 1938 mit der Verwüstung der Synagoge in Mährisch-Aussee endete.

Einmarsch im Sudetenland

Ich verstehe allerdings nicht warum Mutti nie darüber gesprochen hat. Sie war damals 16 Jahre jung, wohnte direkt daneben und muss diesen Akt der Zerstörung gesehen und gehört haben. Ausgeblendet? Vergessen? Verdrängt? Wie auch immer. Danach wurde sie mit einem neuen Personalausweis ausgestattet und dann ging es ratzfatz, zwecks geistiger Neuausrichtung ebenfalls mit Ausweis dokumentiert, in den BDM „Bund Deutscher Mädel“, um nach Adolfs Richtlinien ein strammes Deutsches Mädel zu werden.

Hildes Geburtshaus links neben der Synagoge

 

Heute steht das Haus nicht mehr

 

Hildes Personalausweis 1942

 

Reichsarbeitsdienstausweis

 

Am 27. März 1941 erfolgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst. Diese wurde am 20.April 1941 durch die Vereidigung auf den Führer formell vollzogen. Entlassen wurde sie am 13. Dezember 1941 mit dem Dienstgrad AMD (Arbeitsmaid). Danach gab es, trotz der Kriegszeit, eine relativ lange Zeit, um der Beschäftigung als gelernte Schneiderin nachzugehen bis sie, mit Erreichen der Volljährigkeit, 1943 als Fernmelderin zu den flotten Fliegern der Luftwaffe eingezogen wurde. Die müssen damals auch schon einen Ruf gehabt haben, wie den Briefen zu entnehmen ist – forsch und zackig. Wie hieß es doch immer: „Herren der Luft, Männer der See, Soldaten des Heeres“. (Schorsch und ich waren Männer der See, Harald ungerne ein Soldat des Heeres). Nun begann der sprichwörtliche Ernst des Lebens. Ihr erster Einsatz führte sie nach Minsk (Weißrussland), wo sie auch

Quartier in Minsk

ihre erste Kriegsweihnacht feiern durfte. Minsk wurde 1941 von der Wehrmacht eingenommen, stand aber Ende 1943 schon kurz vor dem Fall. Ab Mai 1944 begann die Flucht vor den Russen aus Minsk u.a. über Kronstadt (Rumänien) nach Deblin (Polen). In ihrem Büchlein findet sich am 16. Juli 1944 ein Eintrag in Deblin, aber

Deblin
 
Standort Deblin 1944

auch hier musste die Flucht sofort weitergehen, da am 25. Juli der Russe einmarschierte. Der nächste Eintrag findet sich vom 20. Juli aus Kraußen (Polen). Und wieder geht es weiter, den Russen im Nacken. In den Unterlagen fand sich für den 1. September 1944 ein Fahrschein von Bekescsaba (Ungarn) über Mährisch-

Bekescsaba

Schönberg nach Stuttgart-Möhringen. Vermutlich hat sie bei dieser Gelegenheit ihre Familie zum letzten Mal zu Hause in Mähren besucht. Von Möhringen aus ist sie wohl zur Luftwaffe nach Fürth-Unterfürberg gekommen. Dieser Eintrag ist am 4. Oktober 1944 zu finden.

Fahrkarte Möhringen

Dort blieb sie wohl etwas länger, aber bis zum Kriegsende geschah doch noch einiges. In einem Brief, den sie 1964 von einer Kameradin erhielt steht geschrieben: „…auch ich weiß es noch genau, dass es der 10. Dezember 1944 war, als wir auf einem Transport im Etschtal den Fliegerangriff über uns ergehen lassen mussten. Ich hatte Todesangst, als ich mich auf den blanken Boden warf und mit dem Mantel zudeckte. Freilich denke ich auch gerne an schönen Stunden der Kameradschaft zurück. So sehr wir diesen Winter auch gefroren hatten, der Frühling in Verona war doch ein Erlebnis. Gerne möchte ich wieder einmal dorthin können.“ Am Palmsonntag 1945 findet sich ein Eintrag ihrer Freundin Liselotte Röhl, der in Verona geschrieben wurde: „Wie glücklich ist der Mensch, dass ihm all das Schlechte was ihm im Leben widerfuhr, zu vergessen sucht. Der schönen Zeiten dagegen gedenkt er oft und gern. So wirst auch Du, kleines Hildchen, gern unsere Italienzeit überdenken. Noch ist sie nicht abgeschlossen, möge sie uns noch viel so schönes bringen wie den blütenschweren Frühling, der uns nach aller winterlichen Kälte wie ein Wunder anmutet.“ Wir erinnern uns, dass Mutti oft von der schönen Zeit in Verona gesprochen hat und sie gerne mal dorthin gefahren wäre, aber sie hat es nie ernsthaft versucht oder sich nicht getraut. Genauso wenig wie sie jemals wieder einen Fuß nach Mährisch-Aussee gesetzt hat. Es ist festzustellen, dass auch in diesen harten Kriegs-Jahren der Humor, in einer ganz eigenen Form, nicht auf der Strecke blieb wie folgende Dokumente belegen.

gefälschtes Geburtstags Telex

 

Verona Quartier

Ich glaube, dass es sich besser in Erinnerungen lebt als die Veränderungen vor Ort anzuschauen und dass sie deshalb die alten erreichbaren Orte nicht mehr besucht hat. Diese unvergessliche Zeit in Verona endete am 23. April 1945 – der Tag an dem Hitler Reichsmarschall Göring, den Chef der Luftwaffe, aus allen Ämtern enthob und somit dafür sorgte, dass sich Hilde und ihr „3./Fernverb Betr“ von Verona aus auf die Flucht ins deutsche Kernland aufmachten. Hier enden die Freundschaftseinträge und es beginnt ein Aufschrieb der Flucht aus Verona mit der Überschrift

„Kleine Erinnerungen“:

     
Verona-Riva-Bozen   Toblach

24. April 1945: 20 Uhr Abfahrt aus Verona Richtung Riva
25. April 1945: Fahrt von Riva nach Bozen
26. bis 27. April 1945: Fahrt von Bozen nach Toblach. In Toblach längerer Aufenthalt.
Am 2. Mai Oskar kennengelernt, Granda Festa gefeiert.
Am 3. Mai um 17:30 Uhr mit der 90. Panzergrenadier-Division über die Berge ins Ungewisse. Mali Flieger ging mit mit dem Omnibus bis zur Grenze. Die erste Nacht fort von meiner Einheit. Die Nacht im Omnibus verbracht.
Am 4. Mai morgens ging es

Staller Sattel

früh weiter. Vom Antholzer See über den Staller-Sattel auf 2600 M Höhe wo in Bunkern übernachtet wurde.
Am 5. Mai hat mich Mali verlassen bzw. haben wir uns in zwei Gruppen getrennt. Abends haben wir in der Sennerhütte gelagert. Kleines Wochenendfest gefeiert. Übernachtet. Auf Stroh neben Kamin. Herrlich! Morgens die Berge, der Schnee, die Sonne – wunderbar, so hoch oben auf dem Berg. Auf der Alm da gibt’s ka Sünd‘.
Am 6. Mai ganz vornehm gefrühstückt, bei weiß gedecktem Tisch. Mittags ging es weiter. Gegen Abend in St Jakob (Tirol) angekommen. Unterwegs das letzte Mal Mali getroffen. In St Jakob im RAD (Reichsarbeitsdienst)-Lager übernachtet.
Am 7. Mai bleiben wir dort.
Am 8. Mai sind wir morgens um 5 Uhr losgegangen. Es ging aber nur 4 km zu Fuß, dann kamen wir mit einem Wagen bis

Huben

kurz vor Huben (Tirol). Die Mali wieder getroffen, dort habe ich sie dann das allerletzte Mal gesehen. Wir sind weiter Richtung Kals (Osttirol) und Mali Richtung Matrei. Von Huben aus ging es zu Fuß weiter. Wir kamen in ein kleines Nest wo wir am Backofen mit Wanzenbegleitung übernachtet haben. Hier haben wir die Nachrichten vom Kriegsende zum 8. Mai gehört, was wir gar nicht fassen konnten.
Am 9. Mai sind wir noch da geblieben und haben es uns gut gehen lassen. Heinz die Hose genäht.
Am 10. Mai (Christi Himmelfahrt) ging es morgens mit dem

Kals

Wagen weiter nach Kals. Unterwegs haben wir die ersten Engländer getroffen, die uns in Kals gleich empfangen haben. Rucksäcke und alles wurden untersucht. Abends haben wir bei Evakuierten ein kleines Fest gefeiert.
Am 11. Mai haben uns die Engländer mit Autos abgeholt und wieder nach Huben gebracht, wo wir auf einer Wiese gelagert haben. Von hier ging es mit 2 LKW’s nach Lienz an der Drau (Osttirol) ins Lager.“

Lienz

Hier enden alle Aufzeichnungen, es wurde danach nie mehr etwas geschrieben oder gesprochen, als wenn alles Erlebte in Lienz zurückgeblieben wäre, als sie in den Zug Richtung Aalen-Wasseralfingen stieg. Das ist mir bis heute befremdlich geblieben. Aber das war wohl die Art und Weise wie eine ganze Generation mit diesen 12 Jahren umgegangen ist. Überhaupt fällt auf, dass unsere Mutti erst 1943 in den Krieg geworfen wurde, als dieser letztendlich bereits verloren war. Ob ihr das klar war weiß ich nicht. Aber ich konnte bei dieser nachträglichen virtuellen Reise feststellen, dass sie im Grunde von Winter 1943 bis Frühling 1945, von Minsk bis Lienz ständig auf der Flucht war. Diese Flucht war letztendlich mit dem Eintreffen in Wasseralfingen am 15. Juni 1945 beendet und ein neues Leben auf der Ostalb begann. Der Aalener Bahnhof wurde am 17. April 1945 zerstört und die nächsten 2 Monate fuhr dort kein Zug mehr und so traf sie dann in Aalen ein, als der Bahnhof wieder funktionsfähig war.

Aalener Bahnhof

Hier sei ein kurzer Zeitungsabschnitt aus Aalen eingefügt, der die Zustände 1946 (im Zuge der stattfindenden Vertreibungen) schildert: „Der Bahnhof Wasseralfingen war die zentrale Ankunftsstation für Heimatvertriebene in Ostwürttemberg. Er eignete sich dafür wegen seiner weitläufigen Flächen und der Nähe zu einem Barackenlager. Außerdem war der Bahnhof in Aalen zerstört. Ab März 1946 kam alle zehn Tage ein Zug mit jeweils 1200 Flüchtlingen zum Beispiel aus Schlesien oder aus Ungarn. Innerhalb von zehn Tagen mussten dann die meisten auf die 65 Gemeinden des Altkreises Aalen verteilt werden. Allein im Jahr 1946 kamen zwischen 30 und 40.000 Vertriebene mit dem Zug in Wasseralfingen an. Unter ihnen waren zum Beispiel der spätere Staatssekretär Gustav Wabro, der Autor Peter Härtling und der später berühmt gewordene Dirigent Ernst Mosch.“

Auf der Ostalb angekommen wurde sie natürlich umgehend mit einem Flüchtlingsausweis beglückt, vom dem ich aber nicht weiß, wie lange der notwendig war. Ersichtlich ist jedenfalls, dass sie den ersten 1947 bekam und 1957 nochmals einen. Die Anerkennung als „Echte Deutsche“ schien wohl gedauert zu haben.


Flüchtlingsausweis 1947

Ein Leben, das 1922 in einem Land ohne Zukunft begann, dessen Jugendjahre im Krieg verloren gingen, das ein gutes Leben in Oberkochen ermöglichte und das am 14. Oktober 2013, nach kurzer 6-wöchiger Krankheit, im Alter von 91 Jahren ein Ende fand. Und wenn wir uns heute umschauen, stellen wir fest: Sudetenland – das gibt es auch heute überall dort wo Volksgruppen unterdrückt, vertrieben und ermordet werden. Leider haben sich die Glückwünsche aus den Kriegszeiten nicht realisieren lassen, aber 91 Jahre ist auch ein schönes Alter, wie man so zu sagen pflegt. Allerdings hat sie doch wohl mehr gelitten als sie zugab, dass sie die letzten 22 Jahre ohne ihren Schorsch leben musste. Aber sie hat es gelernt damit umzugehen und sich Aufgaben für diese Zeit zu geben: Das Haus (Belastung und Aufgabe zugleich), der Garten (dessen Pflege sie mit Nachbarschaftshilfe von Grund auf erlernen musste und wollte) und ihr Bekanntenkreis. Ich denke, dass sie in einer Mietswohnung nicht so alt geworden wäre oder wäre sie dann doch lieber auf Reisen gegangen? Vielleicht – vielleicht auch nicht – wir wissen es nicht.

Ihre Familie (Eltern und Schwester) wurde nach dem Krieg aufgrund des „Benes-Dekrets“ vertrieben und baute sich in Fulda eine neue Heimat auf. Bis heute haben es Tschechen und Deutsche nicht geschafft, sich darüber zu verständigen ob die Deportation nun eine Aussiedlung, Umsiedlung oder eine Vertreibung war. Die Betroffenen haben eine Heimat verloren – egal nach welcher Bezeichnung. Muttis Cousins Rudolf Pawlat und German Pawlat, die ebenfalls aus Mährisch-Aussee stammen, kamen ebenfalls nach Oberkochen (weil es hier Arbeit gab) und heirateten ins „Schwäbische“ ein. German heiratete Erna Schaupp, arbeitete bei Zeiss und lebte mit Mutter Magdalena Pawlat und Tochter Sigrid in der Aalener Str. 51. Rudolf Pawlat heiratete Zenta Schlipf, arbeitete im Kaltwalzwerk und lebte mit den Kindern Rudolf, Gabi und Eva-Maria in der Aalener Straße 25. Wie sich zwischenzeitlich herausstellte gab es auch dort einst einen Altar zu Fronleichnam und zwar just an der Stelle an der der Rudolph sen. immer auf dem Bänkle vor dem Haus saß und dem Treiben auf der Aalener Straße zusah.

 

Die Oberkochener Pawlats

Später haben sich die Sudetendeutschen jährlich immer zu Treffen in Würzburg, München oder Nürnberg zusammengefunden. Die Politiker konnten sich dort profilieren und die Vertriebenen konnten ihre Zusammengehörigkeit in einer Art „großes Klassentreffen“ pflegen. Im Jahr 1947 wurde das „1000jährige-Kapitel“ dann offiziell mit dem Nachweis der „Entnazifizierung“ erledigt.

Entnazifizierung

Unsere jungen Leute sollten bedenken, dass meine Generation, die nach dem Krieg geboren wurde, die erste ist, die in Europa nicht in einen der vielen kleineren und größere Kriege ziehen mussten. Dafür sei Dank allen, die daran mitgearbeitet haben, dass das so war und hoffentlich auch so bleiben kann, denn Frieden und Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer – dafür muss die Gesellschaft auch willens sein einzustehen. Mir bleibt jetzt nur noch eines zu tun: Einige Etappen im Leben meiner Mutti touristisch nachzuarbeiten:

Zum einen ein Besuch in ihrem Heimatort Mährisch-Aussee, das sich heute Usov nennt. Ich fand im Internet einen Stadtplan und habe dazu Aufzeichnungen wer von der Familie und den FreundenInnen wo gewohnt hat. Zum anderen würde ich auch gerne die Strecke von Verona nach Lienz absolvieren. Mal schauen ob ich es umsetzen kann und wer mich begleiten wird.

 

 

Das Sudetenland

Dieses Kapitel lädt ein zu einer Reise in ein Land, das es so, wie es sich in diesen Bildern zeigt, heute nicht mehr gibt. Denn die Menschen, die es einst bewohnten, mit ihrem Leben erfüllten, die es zu einer blühenden Industrie- und Kulturlandschaft gemacht haben, leben nicht mehr in seinen Städten und Dörfern; sie wurden von Haus und Hof vertrieben und in alle Welt zerstreut. So ist dieses Buch eine Reise in die Vergangenheit, in ein Land der Erinnerung, das zugleich ein Land beständiger Sehnsucht ist. Sudetenland – kaum ein Atlas vermag uns heute über dieses Land, über seine Lage und Ausdehnung und seine Sprachgrenzen genauen Aufschluss zu geben. Aus Straßenkarten und Reiseführern verschwinden die deutschen Namen seiner Städte, verschwinden die deutschen Landschaftsbezeichnungen, die Namen von Bergen und Flüssen, von Burgen und Schlössern – um den heutigen Verhältnissen im Lande Rechnung zu tragen, um dem Reisenden die Orientierung zu erleichtern, heißt es. Stolze, klangvolle Namen sind es, die in ihrer deutschen Schreibweise in Geschichte, Kulturgeschichte und in die Weltliteratur eingegangen sind. Wo wird man einst das Heinzendorf, den Geburtsort Gregor Mendels zu suchen haben? Wo das Oberplan Adalbert Stifters, wo die Goethestätten Karlsbad, Teplitz und Elbogen, wo das Marienbad seiner »Marienbader Elegie«? Und wo das Iglau, das dem ganzen südosteuropäischen Raum sein Bergrecht gegeben hat? Und wo die Städte einst blühender Industrien, deren deutsche Namen in der Welt für Güte und Qualität bürgten? Denken wir nur an Warnsdorf mit seinen Strumpfwirkereien, an die Gablonzer Schmuckwarenindustrie, an das »Böhmische Glas« aus dem nordböhmischen Glasland um Haida und Steinschönau, an Reichenberger Tuche, an die Graslitzer Blasinstrumente, an die Schönbacher Geigen. Wird man hinter einem Cheb das Eger Kaiser Barbarossas vermuten, das Eger, in dem sich auf tragische Weise das Schicksal des großen Friedländers erfüllte, jenes Eger, das Deutschland in Balthasar Neumann seinen größten Barockbaumeister schenkte? Oder wer vermutet etwa hinter einem Láznĕ Jesenik das Gräfenberg des großen »Wasserdoktors« Vinzenz Prießnitz? Oder sind es nicht gerade diese klangvollen Namen, die eine Gewähr dafür geben, dass die Geschichte dieses Land als ein deutsches Land in der Erinnerung bewahrt? Die Geschichte wird auch hier das letzte Wort sprechen. Doch bevor wir unsere Wanderung aufnehmen, kurz einiges zur Einführung:

Als Sudetenland bezeichnet man das geschlossene Siedlungsgebiet der Deutschen in Böhmen, Mähren und dem ehemaligen Österreichisch-Schlesien. Es erstreckt sich in unterschiedlicher Breite entlang der Landesgrenzen gegen (Preußisch-)Schlesien, Sachsen, Bayern und Österreich und umfasste 3338 Gemeinden. Außerdem gab es noch 59 deutsche Sprachinselgemeinden und weitere deutsche Minderheiten im tschechischen Sprachgebiet. Dieses Siedlungsgebiet entspricht etwa einem Drittel der Gesamtfläche von Böhmen und Mähren-Schlesien. Entsprechend groß war der deutsche Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Sudetendeutschen betrug rund 3,5 Millionen.

Die Deutschen waren einst als Bauern, Bergleute und Handwerker, gerufen von den Fürsten, in diese Länder gekommen und waren hier seit mehr als 700 Jahren ansässig. Sie gründeten Städte und brachten das deutsche Recht mit, das den Ländern der böhmischen Krone die Ordnung gab. Sie rodeten in den unzugänglichen Grenzwäldern und erschlossen blühendes Bauernland.

Das Sudetenland wurde nach dem Ersten Weltkrieg gegen den Willen seiner deutschen Bevölkerung dem aus der zerschlagenen Donaumonarchie neu geschaffenen Vielvölkerstaat der Tschechoslowakei zugeschlagen. Das von dem amerikanischen Präsidenten Wilson 1918 verkündete Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde den Sudetendeutschen versagt. In der Folgezeit wurde ihre Existenz durch eine systematische tschechische Nationalstaatspolitik hart bedrängt. Durch das Münchener Abkommen von 1938 wurden die sudetendeutschen Gebiete in das Deutsche Reich eingegliedert. England und Frankreich hätten an dieser Lösung bestimmt nicht mitgewirkt, hätte sie nicht dem Selbstbestimmungsrecht entsprochen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden rund 3 Millionen Sudetendeutsche von der damaligen tschechoslowakischen Regierung unter unmenschlichen Bedingungen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Rund 240.000 kamen dabei ums Leben. Der größte Teil der vertriebenen Sudetendeutschen (rd. 2 Mill.) wurde in Süd- und Westdeutschland aufgenommen. Weitere 800.000 kamen in die Sowjetzone, andere nach Österreich und in viele andere Länder in Europa und Übersee. Nur ein kleiner Teil, schätzungsweise 150.000 bis 180.000, lebt noch – anfangs unter misslichen Verhältnissen – in der alten Heimat.

Ich hoffe, dass Ihnen der erste von zwei Artikeln über die Jugend meiner Eltern gefallen hat und Sie einen kleinen Blick in eine längst vergessene Welt werfen konnten. Für mich war es wichtig einen Blick in diese Welt werfen zu können, um vieles heute besser verstehen zu können.

Und nicht vergessen. Wenn Sie etwas zu erzählen haben, melden Sie sich. Herzlichst Ihr Wilfried Billie Wichai Müller vom Sonnenberg, telefonisch Mobil 0171 2217 530, bzw. 07364 921110.

Hinweis zu verwendeten Nazi-Symbolen, die Bestandteil der Originaldokumente sind
„Verboten ist sowohl das Verbreiten der genannten Kennzeichen als auch das öffentliche Verwenden sowie das Verwenden in einer Versammlung (§ 86a Abs. 1 Nr. 1 StGB). Ebenso sind entsprechende Vorbereitungshandlungen, namentlich das Herstellen, das Vorrätighalten sowie das Ein- und Ausführen strafbar (§ 86a Abs. 1 Nr. 2 StGB). Ausgenommen hiervon sind Handlungen der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlicher Zwecke (§ 86a Abs. 3 i.V.m. § 86 Abs. 3 StGB).“

 

 
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