Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 614
 

Helmut und Erich Hahn – Virtousen mit Schere und Kamm

»I sag‘ nex‘ noa komm‘ I au en nex nei«, das ist der Wahlspruch von Erich Hahn. Aber jetzt ist er »net nur in äbbes neikomme, sondern au romkomma«. Und zwar bis nach Schtuag’rt ond driieber naus in’d Zeitung. Wer hätt‘ au des denkt. Auf der anderen Seite kein Wunder – stehen da doch 166 Jahre geballte Friseurkunst der alten Schule bereit, dem Wildwuchs auf dem Kopf Einhalt zu gebieten, sprich Fasson zu geben. So will der Heimatverein es nicht versäumen, quasi als Hommage, an die Kunst der beiden Brüder, die Reportagen der Stuttgarter Zeitung und der Aalener Nachrichten als genehmigten Nachdruck zu veröffentlichen.

Ich kann natürlich nicht verhehlen, dass mir als ehemaliger jugendlicher Beatles-Anhänger die Fasson-Kunst der Hahns in den Sechzigern nicht ausreichte. Hatte Erich doch immer das Bestreben, es meinem Vater recht zu machen, anstatt mir, obwohl es doch um meine Haare ging. Na ja, kein Wunder, beide sind und waren Härtsfelder und da hatte ich keine Chance meinen Willen in Zentimetern durchzusetzen. Heute, in reifen Jahren, trage ich meine Haare offen, mit extrem langen 6 mm und lasse das zu Hause von meiner Frau erledigen. Aber die Zeitschrift STERN verdankt den Hahns einen jahrzehntelangen Leser, denn das beste war die lange Bank mit den vielen Zeitschriften und wenn ich mit dem STERN beschäftigt war, ließ ich gerne andere Kunden vor, um die Zeitschrift erst fertigzulesen, bevor mich Erich nach meines Vaters Maßstab am Haupte beschnitt.

Der Autor Robin Szuttor und der Fotograf Gottfried Stoppel schufen eine wunderschöne Beschreibung des Friseursalons der Brüder Hahn in der Lerchenstraße, der immer auch ein wichtiger Nachrichtenumschlagplatz war und noch ist – bis die letzte Strähne fällt. Viel Spaß beim Lesen über ein Friseurgeschäft, das die Zeit, zur Freude ihrer Stammkunden, einfach vergessen hat.

PS: Die Reportagen des Autors Robin Szuttor in der Stuttgarter Zeitung sind wärmstens zu empfehlen und können im Internet nachgelesen werden.

Reportage aus der Stuttgarter Zeitung vom 5. Januar 2013 mit dem Titel »Schön wie Michael Stich«…

Die Taschenlampe mit dem eingebauten Radio war mal der neueste Schrei. Früher spielte es Hits von Freddy, Gus Backus, Chris Roberts. Begleitmelodien zu Faconschnitten und Föhnwellen. Heute kommt im Grunde gar keine Musik mehr raus, das Ding rauscht nur noch vor sich hin. Ein neues würde sich nicht lohnen, meint Erich Hahn, der alte Figaro. Mit dem zerzausten Pinsel aus den Sechzigern Schaum in den Nacken gestrichen, das Rasiermesser aus den Siebzigern, scharf wie eh und je, angelegt: auf dem Friseurstuhl sitzt Herr Schmidt, mit seinen 75 Jahren »auch ein ganz alter Denger«, wie er sagt. Er hat immer noch volles Haar, seine Frisur ist noch die gleiche wie nach der Geburt. Nur weiß ist Herr Schmidt geworden mit den Jahren. »Aber deswegen sind die Haare auch nicht schwerer zu schneiden«, sagt sein Friseur. Hahn musste sich nie umstellen: durchstufen, kräftig scheiteln, hinten ausrasieren. Schmidt wohnt zwei Straßen weiter, seit 57 Jahren ist er treuer Kunde – mit zwei, drei Ausnahmen, damals während der Bundeswehrzeit. Bis zur Rente stand der Metzger bei Tengelmann an der Fleischtheke. Am nächsten Tag bekommt er die Goldene Meisternadel verliehen: »Da muss man sich ja ein bisschen rausputzen.« Fertig. Der Handspiegel: »Recht so, Otto?« – »Prima!« – »So kannsch sprenga, morga.« Erich Hahn kehrt noch schnell die weißgrauen Haarfetzen zusammen, andere Farben fallen hier nicht mehr an. »Wart, i gäbb dir no a Kalenderle mit.« Der Salon Hahn liegt in einem ruhigen Wohngebiet der 8000-köpfigen Ostalbgemeinde Oberkochen. Seit einer Ewigkeit schneiden hier die Hahn-Brüder: der 84-jährige Erich und der zwei Jahre jüngere Helmut. Ihren Ruhestand haben sie irgendwie verpasst. Eigentlich wollten sie den Salon langsam auslaufen lassen, diese Phase zieht sich jetzt schon zwei Jahrzehnte hin. Die Kunden sterben ihnen weg. Die Schaufensterfotografien mit Frisuren, wie man sie früher schätzte, sind bläulich verblichen. Das Friseurschild, das auf dem Gehweg immer so schön in der Sonne blitzte, hing schon lang nicht mehr draußen. Bloß keine neuen Kunden mehr. Vor einem Jahr verirrte sich ein junger Mann in den Salon, trat dann aber – Gott sei Dank – gleich fluchtartig den Rückzug an. Hahns Stammkunden finden auch ohne das Schild her. Es werden immer weniger, er ist ständig auf Beerdigungen. »Jedes Jahr sterben uns 20, 30 weg.« Sie seien beide noch fit, sagt Erich Hahn. Ab und zu setzt er sich beim Schneiden auf einen Barhocker, die Bandscheibe macht ihm zu schaffen, in seinem Alter sei das schwer zu operieren. Die Feinmotorik funktioniert noch wunderbar, nur läuft die Schere nicht mehr ganz so flink in der Hand. Hier hat es keiner eilig.

Der Salon Hahn ist ein Tempel der Entschleunigung. Geöffnet ist mittwochs und donnerstags, manchmal auch freitagmorgens. Ein Schnitt kostet zwölf Euro, egal welcher. Den Preis aufschlagen lohne sich nicht mehr, meint Erich Hahn. Termine werden keine vergeben. Einer der Brüder ist meistens da. Wenn beide wegmüssen, hängen sie halt die »Heute geschlossen«-Tafel hin. Erich Hahn begann 1946 seine Friseurlehre in Aalen. Nach Feierabend frisierte er daheim bis in die Nacht Oberkochener Köpfe, sein Bruder guckte sich die Handgriffe ab, ging später zur Meisterschule nach Hamburg. Arbeit gab’s genug damals, »nach dem Krieg ist ja im Ort kein Friseur mehr übrig geblieben«. Mitte der Fünfziger eröffneten sie ihren Salon im Elternhaus. Der Vater war Heizer im Kaltwalzwerk, die Söhne dufteten nach »Tabac und Brisk«. Das Geschäft lief glänzend, auch wegen der Leute vom Zeiss-Werk. Die kamen einfach während der Arbeitszeit rüber. Einer nahm immer die zusammengekehrten Zotteln mit für seinen Rohbau – mit Haaren drin reißt der Beton nicht so schnell. Früher hatten sie zwei Wochen Betriebsferien, reisten mit der örtlichen Volksbank in die Normandie, nach Malta, Zypern und wer weiß wohin.

Früher waren der Mittwoch und der Samstag reine Rasiertage, jeder hatte sein mit Namen versehenes Seifenschälchen bei Hahn stehen. Der ockerbraune Laminatboden ist noch der erste. Um die Frisierstühle ist er halbkreisförmig bis auf den Grund durchgewetzt – die Lebensbahnen der beiden Brüder, könnte man pathetisch sagen. Zeitweise hatten sie fünf Angestellte, da herrschte ein Betrieb wie im Bienenstock, von wegen Entschleunigung. Die Herren gingen zu Erich, Helmut machte nebenan den Oberkochener Damen die Haare schön, ondulierte, zauberte ihnen Wasserwellen aufs Haupt, wickelte ihnen saure Dauerwellen in die Schnittlauchlocken, setzte sie unter die Schwarzkopf-Hauben, Typ »Rapid«, die heute noch tadellos funktionieren. Seit zehn Jahren ist der Damensalon zu. »Bei den Frauen muss man immer auf dem neuesten Stand bleiben, bei den Männern ist immer alles gleich geblieben«, sagt Helmut Hahn. Das Edelweiß aus dem Garten, das er »zur Zierde« in ein Väschen auf das Waschbecken gestellt hat, hätte bei den Damen sicher mehr Anklang gefunden. Ein Frisierstuhl aus den Anfangsjahren steht noch da. Das ausgeklügelte Wendepolster garantiert, dass sich der Kunde nicht auf den vorgewärmten Platz seines Vorsitzers niederlassen muss. Wo findet man heute noch solche Raffinessen? Auf dem museumsreifen Kindersitz stellt man sich unwillkürlich Jungs mit Matrosenanzügen, Mädchen mit Rüschenkleidchen und Lackschuhen vor. Ein Bekannter hat Hahn immer wieder gedrängt, die Sessel, an denen seitlich schon der Füllstoff rauslugt, doch mal richten zu lassen. – »Peter, i steck in den Lada nix mehr nei«. Im Salon Hahn fragt man Kunden nicht nach ihren Wünschen. Man fragt nicht einmal: »Wie immer?« Man fängt einfach an zu schneiden. »Wenn jemand eine neue Frisur will, dann sagt er’s schon.« Erich Hahn schneidet Herrn Maul mit der Effilierschere, Helmut Hahn legt Herrn Neuhäuser den Kreppkragen an. Alte Kunden. Auf der einen Seite unterhält man sich über eine Arztpraxis: »Isch die Schwarz no dranna, wo die Termine annimmt?« Auf der anderen Seite geht es um die Jagd: »Dem isch a ganzes Rudel Wildsäu onda naus.« Und manchmal, wenn mal nicht geredet wird, wenn das Radio ganz schweigt und nur das Klacken der Schere, das Schaben des Rasiermessers, das Klatschen von Kölnisch Wasser in die Handflächen zu hören ist, während draußen fette Flocken vom Himmel schneien, hat der Salon etwas von der Weltverlorenheit eines Zen-Klosters. Helmut Hahn drückt Herrn Neuhäusers Haare mit den Händen glatt wie eine Kapuze. Ein Spritzer Seborin-Haarwasser, der Klassiker. »Und sonsch geht’s gut?« – »Ja. Eich au?« – »Ja.« – »Sagsch an Gruß an dei Frau« – »Du au.« Am anderen Stuhl tritt Erich Hahn aufs Gummipedal und lässt den Gast zurück auf die Erde sinken. Den Umhang vorsichtig abnehmen, Haare aus dem Nacken pinseln. Der Handspiegel: »Gut?“ – »Wonderbar.« Hinter einem schweren Wollvorhang hängen dezent die Frisierumhänge in Lila, Schwarz, Orange. Die Tapete ist ein bräunlich rnamentales Designwunderwerk. Die robusten Kittel der Altmeister haben die gleiche Farbe – und stammen aus der gleichen Zeit. Sie hätten auch gut in ein DDR-Landmaschinenkombinat gepasst. Über dem großen Wandspiegel kann man Schwarz-Weiß-Bilder mit duften Schnitten von früher bewundern, aus Friseurzeitungen ausgeschnitten, zu Collagen verarbeitet und gerahmt. Ein Foto von Michael Stich, dem Tennisspieler, ist auch dabei: ein flotter Look mit Mittelscheitel – »so wollten früher viele aussehen«. Ein kleines Ölgemälde zeigt den Volkmarsberg über dem Kochertal mit seinen weiten Wäldern und Wacholderheiden. Hier arbeitete Erich Hahn jahrzehntelang als Hüttenwart. Früher war er Mitglied in dreißig Vereinen, als Friseur im Ort konnte man sich kaum entziehen. Jetzt konzentriert er sich auf den Albverein, die Naturfreunde und den Sängerbund. Donnerstags macht er immer um halb vier Feierabend. Bei der Probe des Altmeisterchors braucht man seine Stimme. Der Herrensalon wird zur Garage. Herr Gillmeier sitzt schon auf der Wartebank. »Gerhard, suchsch a bestimmte Zeitung?« – »Ja, oine mit nackte Fraua dren.«

Gillmeier kommt schon seit sechzig Jahren. Er war Modell bei Erichs ersten Schnittversuchen. Damals noch mit hellblonden Haaren, die er seit seiner Jungvolkzeit zurückgekämmt und hinten kurz trägt. Als der Krieg zu Ende ging, war Gillmeier zwölf. Er hat noch Hunger kennengelernt. Dass sein Enkel einmal in China studieren und er ihm regelmäßig E-Mails nach Hinterasien schreiben würde, hätte er sich auch nicht träumen lassen. Dass aus den Kindern keine Coiffeure werden, war den Hahn-Brüdern schon früh klar. Eine Tochter ist Lehrerin im Schwarzwald, die andere Erzieherin in Regensburg. Helmuts Sohn schafft als Ingenieur bei Kärcher. Es gibt schon Zukunftspläne: Aus dem Herrensalon soll mal eine Garage werden, der Damensalon zum Hausflur. Nächstes Jahr öffne er vielleicht nur noch einen Tag. Oder er höre ganz auf und bereite sich aufs Sterben vor, sagt Erich Hahn. Er arbeitet nicht wegen des Geldes. Für ihn ist es ein Vergnügen. Sein Salon ist Treffpunkt, so wie der Ochsen und das TSV-Vereinsheim unten im Dorf – nur ohne Viertele. »Im Salon bin ich lustig und fröhlich, daheim bei meiner Frau weniger«, sagt Erich Hahn. Muss man extra erklären, dass er Spaß macht? Herr Glatting ist 77, ein Donauschwabe in groß karierter Wollhose und burgunderfarbenen Lederstiefeletten. Seine Familie war, erzählt er, schon seit 1750 im Banat ansässig, bis sie dann vor dem Tyrannen Ceausescu floh. Dem Ausreiseantrag folgte die Verbannung in die rumänische Steppe. »Mit leerem Magen lernt man denken«, sagt Herr Glatting. Er hat Philosophie studiert und das Schneiderhandwerk gelernt. Und Akkordeon. Sein Repertoire umfasst Volkslieder, Operettenmelodien, alte Schlager, demnächst tritt er im Samariterstift auf. Helmut Hahn massiert ihm die Kopfhaut, glättet das Haar mit der großen Bürste. Der Handspiegel: »Danke, schon recht.« »Jetzt muss i bahna«, sagt Erich Hahn. Der Gehweg liegt voll Schnee. Danach macht er Mittag, seine Frau hat Bratwürste, Sauerkraut und Knöpfle gekocht. Dann legt er sich ein Stündchen hin. Mal sehen, ob am Nachmittag einer vorbeikommt. Wenn nicht, ist auch nicht schlimm.

Kurzbiographie des Fotografen Gottfried Stoppel
Er kommt aus dem Allgäu (das mit den grünen Wiesen, glücklichen Kühen und den Bergen) genauer gesagt aus Leutkirch (Bj. 1966). Nach der Ausbildung zum Chem.-Techn.-Assistenten kam das Fotovolontariat in Waiblingen und seitdem arbeitet er als Freier Fotograf. Anfangs als Sportfotograf, später für die unterschiedlichsten Printmedien und Magazine und seit 1998 auch für die Stuttgarter Zeitung. 2003 hat er den »Robert Bosch Preis« für eine Beilage zum Ehrenamt gewonnen und 2005 den »Konrad Adenauer Preis«.

Kurzbiographie des Autors Robin Szuttor
Geboren 1967 bei Schwäbisch Hall. Studium der Germanistik und der Geografie in Würzburg und Stuttgart. Volontär und Wirtschaftsredakteur bei der »Ostsee-Zeitung« in Rostock, danach Redakteur bei der »Bild-Zeitung«, Stuttgart. Seit 2002 bei der Stuttgarter Zeitung, zunächst in der Redaktion Waiblingen, seit September 2006 im Ressort Region, Schwerpunkt Reportage.

…und dann zogen die Aalener Nachrichten am 19. Januar mit folgendem Bericht nach.

Seit 1955 betreiben die Brüder ihren Friseursalon in Oberkochen – Retro-Charme inklusive (von Sandra Raspe, Foto Raspe)

Ans Aufhören denken Erich und Helmut Hahn noch lange nicht. In Oberkochen betreiben die beiden über 80-Jährigen immer noch ihren Friseursalon. Es ist Punkt neun Uhr und keine Frage: Zeit, den Salon zu öffnen! Schlendrian gibt es nicht im Hause Hahn. Im Erdgeschoss des Elternhauses der Geschwister gelegen, öffnet sich mit Betreten des Ladens eine andere Welt. Der Salon Hahn ist anders und versprüht einen ganz besonderen Charme, dem man sich kaum entziehen kann. Welch‘ herrliche Entschleunigung in der heutigen Zeit, mag wohl mancher da denken. Brauntöne, eine gemütliche Wartebank auf der schon so manches Schwätzchen gehalten wurde und urige Friseurstühle, die aus den 1960er Jahren stammen. An den Wänden sind Bilder der Heimat, angepinnte Grußkarten der Kundschaft und Werbebildchen, die einer Zeitreise gleichen. Mittendrin zwei sympathische Figaros, die das Uropa-Alter längst erreicht haben. Für das Mobiliar würden Sammler ohne Frage ein Vermögen ausgeben. Die sympathischen Hahns dagegen sind unbezahlbar, zwei echte Typen eben. »Bei uns funktioniert sogar noch alles«, lacht der 82-jährige Helmut und zeigt die Trockenhaube Marke Rapid, die einst im Damensalon treue Dienste tat. Retro pur! Seit beinahe 58 Jahren betreiben die beiden Friseurmeister Erich und Helmut Hahn ihren Laden in der Lerchenstraße. Ans Aufhören denkt hier niemand, obwohl die Brüder jenseits der achtzig sind. Ihren Absprung haben sie irgendwie verpasst, gestehen die Zwei und schneiden weiter fleißig Männerhaare. »Es gibt noch genügend Stammkunden, die immer wieder einen frischen Schnitt brauchen«, schmunzelt der 84-jährige Erich, der um ein Haar Polizist statt Friseur geworden wäre. »Ich war einen Zentimeter zu klein«, erzählt er. 1944 und 1946 fingen beide ihre Lehre bei Gregor Schnee in Aalen an, um dann Anfang der 1950er Jahre in Hamburg und Biberach ihren Meister zu machen. 1955 folgte dann die Eröffnung des gemeinsamen Salons für Damen und Herren. »Wir waren ja eine Zeit lang der einzige Laden in ganz Oberkochen. Und da kamen immer recht viele Leute vom Zeiss«, erinnern sich die Brüder an rappelvolle Tage, wo bis spät in die Abendstunden geschafft wurde. »Vor allem in den 70er und 80er hatten wir viel zu tun und sogar bis zu drei Angestellte«, sagt Erich Hahn. Helmut hat sich um die Damen gekümmert und sein Bruder war bei den Herren an der Schere. Obwohl vor zehn Jahren der Damensalon aufgegeben wurde, liegen noch Handtücher parat, als wenn es gleich wieder losgehen könnte. »Ich mach ja meiner Frau schließlich noch die Haare«, erklärt Helmut. Es ist die reinste Leidenschaft, die die Geschwister antreibt und das hält sie zweifelsfrei fit. Geöffnet ist zwar nur noch mittwochs, donnerstags und am Freitagvormittag, aber das planen die Kunden eben ein. Die sind allesamt 50 plus und teilweise schon seit Jahrzehnten und Generationen mit den Hahns verbunden. Die Ehefrauen Hahn haben sich inzwischen damit abgefunden, dass ihre Männer noch berufstätig sind. Auch in der Freizeit sind aktiv und liegen nicht auf der faulen Haut. Albverein, Naturfreunde, Sängerbund, Kolpingsfamilie oder Turnen beim TSV Oberkochen lässt die rüstigen Brüder nicht rosten. Wie lange sie noch weitermachen? »Ach, so lange es eben geht. In unserem Alter kann es ja schnell vorbei sein«, lachen Erich und Helmut Hahn und halten sich die Zukunft offen.

Wer die beiden allerdings erlebt, stellt nicht in Frage, dass die Brüder ihre Diamantenen-Meisterbriefe zum 60. noch in den eigenen Geschäftsräumen überreicht bekommen.

Kurzbiographie der Autorin Sandra Raspe
Geboren in Essen. Nach dem Abitur Tätigkeit als Buchhändlerin in Essen und Ellwangen. Ab 2010 als freie Mitarbeiterin bei den Aalener Nachrichten tätig.

Wilfried Müller

 
Übersicht

[Home]