Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 589
 

S’ Schreiberle

Zufälle gibt es immer wieder und die Welt ist ein Dorf. So könnte man die Begegnung von Bürgermeister Peter Traub mit einem »Oberkochener Urgewächs« in Eppelheim bei Heidelberg bezeichnen. Doch der Reihe nach.

Anlässlich des Festakts zum 20-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung von Carl Zeiss Ost und Carl Zeiss West war am 30. September auch Bürgermeister Peter Traub in Jena, um die Stadt Oberkochen dort zu vertreten.

Auf Einladung seines Bürgermeister-Kollegen Dieter Mörlein fuhr er am darauf folgenden Samstag ins kurpfälzische Eppelheim zur traditionellen »Eppelheimer Kerwe«, dem dortigen Kirchweihfest, das im Rahmen eines großen Stadtfestes, ähnlich unserem Stadtfest in Oberkochen, gefeiert wird.

Eppelheim ist die Partnerstadt der französischen Stadt Dammaris-les-Lys, die wiederum die Partnerstadt unserer italienischen Partnerstadt Montebelluna ist, so dass der gute und freundschaftliche Kontakt nach Eppelheim quasi über mehrere Ecken zustande gekommen ist. Die beiden Bürgermeister, Dieter Mörlein und Peter Traub, kennen sich daher schon seit vielen Jahren von gemeinsamen Besuchen in Montebelluna her.

Doch zurück zur »Kerwe«. Am Getränkestand des Eppelheimer Handballvereins machten die beiden Bürgermeister sowie weitere Gäste aus Frankreich und Italien Mittagsrast. Schnell sprach sich natürlich herum, dass offizielle Vertreter aus Dammaris-les-Lys, Montebelluna und Oberkochen vor Ort seien, und ein junger Mann vom Handballverein meinte dann: »Mei Vater isch au aus Oberkocha.«

Rasch herbeigeholt bestätigte dann der Vater, dass er tatsächlich aus Oberkochen stamme. »Mei Name isch Rudolf Fischer, und die Leit hend friaher »Schreiberle« zu mir g’sagt.«

Es war ein sehr herzliches Treffen und beide, Bürgermeister und »Schreiberle«, freuten sich sichtlich über die zufällige Bekanntschaft, zumal Rudolf Fischer und seine Familie gar nicht in Eppelheim, sondern im ca. 60 km entfernten Mosbach wohnen und just an diesem Wochenende zur »Kerwe« gefahren sind.

Rudolf Fischer erzählte, dass seine Familie früher im Turmweg gewohnt habe. Im Oktober 1959 wurde er zur Bundeswehr nach Mittenwald eingezogen und war dann als Heeresbergführer bis 1965 dort.

Danach war er viele Jahre als Sportartikelvertreter bei der Fa. DOLOMITE beschäftigt, die übrigens ihren Sitz zufällig in Montebelluna hat. Nur zur Erinnerung: viele Jahre später, nämlich 1992, wurde die Städtepartnerschaft zwischen Montebelluna und Oberkochen begründet.

Seit 1969 wohnt Rudolf Fischer mit seiner Frau Helga, die einige Jahre bei der damaligen Gemeinde Oberkochen beschäftigt war, in dem nordbadischen Fachwerkstädtchen Mosbach.

In einer E-Mail, die er vor wenigen Tagen an Bürgermeister Peter Traub schickte, erinnert er sich:

»Der Dreißentalschule habe ich Anfang der 1960er Jahre eine Druse mit Rauchtopasen geschenkt, die ich während meiner Heeresbergführerausbildung im Mont Blanc-Gebiet 1962 gefunden habe. Von meiner Nichte, Esther Abele, habe ich gehört, dass die Druse von einem Soldaten sei. Wer dieser Soldat war, ist in der Schule aber leider nicht mehr bekannt.

Der Hausname »Schreiberle« kommt aus früheren Zeiten. Meine Urgroßmutter väterlicherseits war eine geborene Schreiber. Früher war es üblich, dass ein Enkel nach der Großmutter benannt wurde, und so war mein Vater der »Schreiberle«. In Oberkochen gibt es ja einige Fischer, die nicht miteinander verwandt sind. Z.B. Fischer »Napoleon«, Fischer »Bebel«, Fischer »Woidle« usw. Wir Fischer’s (Schreiberle) waren eine sportliche Familie.«

Rudolf Fischer berichtete auch, dass er dank der Unterstützung des früheren Bürgermeister-Stellvertreters und jetzigen Ehrenbürgers Bruno Balle einen Steingarten mit Steinen aus Oberkochen angelegt habe, der in Mosbach bewundert werde. Und er schreibt weiter:

»Sollten Oberkochener mal nach Mosbach kommen, so ist jeder bei mir herzlich willkommen. Die Oberkochener Fahne wird dann selbstverständlich gehisst.«

Mit freundlicher Genehmigung von Helga und Rudolf Fischer werden nachstehend die Kontaktdaten der beiden veröffentlicht, und wer die Gelegenheit nutzen möchte, kann sich bei ihnen gerne per Post, telefonisch oder via Internet melden.

Helga und Rudolf Fischer
Hirschstraße 16
74821 Mosbach
Tel. 06261/2845
E-Mail: rudi-helga.fischer@t-online.de

Anmerkung DB zum Bericht von Bürgermeister Peter Traub: Rudolf Fischer »Schreiberle« aus Mosbach ist in Oberkochen wahrhaft kein Unbekannter. Auch in Oberkochen gibt es noch »Schreiberles«. - Zuletzt standen Rudolf Fischer und der HVO erst Anfang November 2010 in indirektem Kontakt im Zusammenhang mit einem Bericht über den Überfall auf den Häftlingstransport im Bahnhof Oberkochen kurz vor Kriegsende 1945. Rudolf Fischer beschrieb detailliert, wie er als 7-jähriger Junge den Angriff von seinem Elternhaus im oberen Turmweg aus, also knapp unterhalb der heutigen Sonnenbergschule (damals HJ-Heim) den Jabo-Angriff erlebt hat. Diesen Bericht gab er damals per Interview an Herrn Arno Huth/Mosbach, der uns 2010 als zuständiger Info-Kontaktmann zum KZ Neckarelz Unterlagen über die Oberkochener Toten und exakte Beschriebe von Zeitzeugen aus dem Todeszug hatte zukommen lassen, die wir in unserer Berichterstattung (HVO-Bericht 571 v. 24.11.2011 – Sonderbeilage) und in früheren Berichten) verwendeten. – Rudolf Schreibers Eltern (?) wurden 1986 durch ihre in Oberkochener Schwäbisch abgefasste Beschreibung des »Kaffeewunders« und dem »Schbaofergele« von 1945 literarisch unsterblich (Heimatbuch Seite 202). Sie wollten damals nicht genannt werden.

Eine zufällige Begegnung in der Kurpfalz: Bürgermeister Peter Traub (re.) und Rudolf Fischer (»Schreiberle«) treffen sich bei der »Eppelheimer Kerwe«

Dietrich Bantel

 
 
Übersicht

[Home]