Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 561

Schwarzer Kocher war Roter Kocher
Weißer Kocher

Teil 4

In unserem Bericht 555 vom 25.9.09. belegten wir anhand von einer im Jahr 1804 gedruckten Karte („Walch’sche Karte“) des Kurfürstentums Württemberg, dass der heute als „Schwarzer Kocher“ bezeichnete obere Kocherlauf (Oberkochener Ursprung) vor 200 Jahren als „Roter Kocher“, und der heutige „Weiße Kocher“ (Unterkochener Zufluss) als „Schwarzer Kocher“ bezeichnet sind.

Inzwischen teilte uns der Oberkochener Physiker und Genealoge Dr. Arthur Mez mit, dass sich in seinem Besitz eine ca. 100 Jahre ältere Karte aus dem Jahr 1705 befindet, in der die Kocherbezeichnungen so wie in der genannten Karte von 1804 bezeichnet sind: Der Kocher heißt ab seinem Oberkochener Ursprung „Rot Kocher“, sein Unterkochener Zufluss heißt „Schwarz Kocher“. Es handelt sich um die sogenannte „Majer’sche Karte“, eine große querformatige Karte mit ca. 1 Meter Länge. - Freundlicherweise konnten wir für unsere „Kocherdokumentation“ von dieser Karte die für uns interessanten Ausschnitte abfotografieren.

Die genaue Bezeichnung der Karte lautet:

DUCATUS WURTENBERGICI
PER M. IOHANNEM MAJER
PASTOREM WALDDORFENSEM

Unter einem in die Karte eingeblendeten Kompasskreis mit Nadel, die die magnetische Abweichung zeigt, ist die Jahreszahl 1705 vermerkt. Der entsprechende lateinische Text lautet:

DECLINATIO MAGNETIS
WALDDORFFI ANNO 1705 (?) 30
DIE 16. SEPTEMB:
(„DIE“ heißt „am Tag)“

Der Karte ist zu entnehmen, dass die Unterscheidung von rotem und schwarzem Kocher ab Unterkochen flussabwärts logischerweise entfällt. Der Fluss heißt ab Unterkochen nur noch „Kocher Fl“ (entweder lat. „Kocher Flumen“ oder dt. „Kocher Fluß“).

Hiermit ist nun endgültig und gründlich belegt, dass der längst verstorbene Oberkochener Kasimir Hug, der mir die Vertauschungsgeschichte „schwarz-rot“ schon vor 20 Jahren erzählte, recht hatte, selbst wenn hie und da auch andere Bezeichnungen auftauchen.

Dietrich Bantel

 
 
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