Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 551
 

17. Sonderausstellung
„Altes Geld aus Oberkochener Häusern“

Das Echo auf unseren Aufruf zu dieser Ausstellung war mit 45 Meldungen außergewöhnlich groß, so dass wir zum ersten Mal nicht alle Oberkochener die uns Exponate angeboten haben, berücksichtigen konnten, weil der Platz in unserem Museums-Raum 8 und in den Vitrinen nicht ausreichte. Dennoch herzlichen Dank an alle, die dabei waren und sind - auch an die auswärtigen Interessenten, die wir leider nicht den 22 Oberkochener Häusern zuschlagen konnten und wollten.

Unser Dank geht vor allem auch an zwei Helfer, die unserer Laienarbeit mit fachmännischem Rat, zeitaufwändiger Tat und selbst mit exklusiven Exponaten zur Seite standen: Herrn Jörg Graf Adelmann von Hohenstadt (Auktionshaus) und Herrn Dipl.-Ing. Peter Hackel, einem Heidenheimer Leihoberkochener, 30 Jahre Mitarbeiter bei der Firma Carl Zeiss, jetzt im Ruhestand, sein ganzes Leben lang Geld-Sammler und herausragender Experte.

Die Ausstellung zeichnet sich nicht nur durch ungewöhnliche Exponate, sondern auch durch die bestechende Art ihrer Präsentation aus: Die Rückwände der Vitrinen wurden mit speziell gefertigten Spiegeln ausgestattet. Das »alte Geld« wird in für uns ebenfalls speziell angefertigten Stehtablare aus Plexiglas eingelegt, so dass die Rückseite der Scheine in den Spiegeln betrachtet werden kann.

Die bis zu 100 Jahre alten Geldscheine sind ausgesprochen schön und liebevoll gestaltet und weisen als Repräsentanten des Reichs, der Länder und der Städte ein hohes technisch-graphisches Niveau auf. Das Papiergeld wurde damals wie echte Dokumente betrachtet - es waren bis zu 40 Beamte damit beschäftigt, jeden einzelnen Schein mit Hand zu unterschreiben.

Hiermit ergeht an alle Interessierten von nah und fern herzliche Einladung zur Eröffnung der Ausstellung am

                                                       Samstag, 27. Juni, 15.00 Uhr im Heimatmuseum im Schillerhaus

Zu sehen sind in unserer 17. Sonderausstellung bis zum Stadtfest 2010:

  1. Das älteste Geld Oberkochens: eine römische Silbermünze (Caesar) und zwei römische Bronzemünzen aus Jerash (Jordanien)
  2. Älteste deutsche Münze: 1 echter Silbertaler von 1823
  3. Geld der Deutschen Kaiserzeit von 1874 bis 1918 - Papier und Silber Gefangenenlager-Geldscheine 1. Weltkrieg
  4. Notgeld aus der Zeit des 1. Weltkriegs und der Zeit danach Wertbeständiges Notgeld, Ledergeld, Seiden- und Leinengeld, Schmuckgeld
  5. Geld der Vor-Inflation 1922 und der Inflation 1923 Städte-, Firmen- Fabriken- und Privatgeld, Ein echter 5-Billionenschein aus Singen
  6. Geld aus der Zeit zwischen 1923 und 1933, Weimarer Republik - Papier und Silber
  7. Geld des Dritten Reichs bis 1945 - KZ-Geld (Buchenwald)
  8. Geld der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Währungsreform 1948, Kopfgeld
  9. Nicht verausgabte BRD-Ersatzwährung für mögliche Krisen

Das Schwergewicht der Exponate liegt auf dem Papiergeld. Es sind aber auch Münzen, teilweise seltene Belege, aus den oben genannten Zeiten zu sehen.

Seit die Regierungen mittels Steuergeldern die Löcher in einem Fass ohne Boden mit Abermilliarden, ja Billionen, zu stopfen versuchen, sind die Erinnerungen vor allem an die Zeit um 1922 und mehr noch an die von 1923, als man, wie in der Ausstellung zu sehen ist, für 1 Billion Mark noch nicht einmal ein halbes Pfund Margarine erhielt, lebendiger denn je. Dasselbe gilt für Manfred Rommels Weisheit, derzufolge, wenn die Rede von Geld ist, zunächst geprüft werden müsse, ob es sich dabei um vorhandenes oder nichtvorhandenes Geld handelt. Und es gilt aktuell laut Rommel auch, dass man, wenn es sich bei dem in Frage stehenden Geld um nichtvorhandenes Geld, beispielsweise in Form von Schulden in Höhe von 5 Millionen handelt, 5 Millionen in den Beutel tun müsse, damit im Endeffekt nichts darinnen ist...

Dietrich Bantel

Älteste deutsche Münze aus Oberkochen ist älter

In unserer am 27. Juni mit interessierten 30 Gästen eröffneten 17. Sonderausstellung »Altes Geld« zeigen wir einen echten Silbertaler von 1823 als älteste deutsche Münze »aus Oberkochener Häusern«.

Kurz vor Redaktionsschluss teilte uns der Oberkochener Gebhard Schmid mit, dass seine Mutter Gertrud Schmid (Schocha-Gertrud) vor ca. 15 Jahren in ihrem Gartengrundstück auf der langgezogenen Kocherinsel auf Höhe Mannes (deshalb auch »Mannesinsel« genannt) eine genau 50 Jahre ältere Münze, nämlich eine 1/4-Kreuzer-Münze aus dem Jahr 1773, gefunden habe und sie seitdem wie einen kleinen Schatz in einem Schmuckschächtelchen aufbewahrt.

Das Wort »Kreuzer« hat bis in unsere Zeit hinein im übertragenen Sinn überlebt. Noch mein Großvater sagte, wenn er mir hin und wieder ein Fünfmarkstück zuschob: »Da Bua, hascht au'n Kreuzer«.

Wir haben das schöne Stück fürs Amtsblatt abfotografiert. Sie aber können das Original ab Sonntag, 5. Juli (10.00 Uhr - 12.00 Uhr) im Heimatmuseum in unserer Sonderausstellung »Altes Geld aus Oberkochener Häusern« bewundern;  wohin die Familie Schmid die Münze für 1 Jahr als Leihexponat gegeben hat.

Dietrich Bantel

 
 
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