Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 542
 

Weihnachten 1940

Trotz Rezession und aller gesellschaftlichen und politischen Ungereimtheiten in aller Welt feiern wir - laut Presse-, Rundfunk- und Fernsehberichten - auch in diesem Jahr 2008, dem 63. Friedensjahr nach dem Zweiten Weltkrieg, ein »ungebremstes« Weihnachtsfest. Die Jüngeren unter uns können und wollen sich nicht vorstellen, wie das »damals« war.

Im Besitz des Heimatvereins befindet sich ein Gedicht, das Ende 1940, im 2. Kriegsjahr also, von dem Oberkochener dichtenden Lehrer Leo Klotzbücher stammt, der aus vielerlei öffentlichen, schulischen und privaten Anlässen immer wieder seine neuesten Gedichte vortrug, und der noch lange nach seinem Tod vom einstigen Rektor Gunzenhauser (Tiersteinschule) anlässlich der traditionellen Kollegiumstreffen aller Oberkochener Schulen in liebevoller Weise mit dem typisch rollenden Klotzbücher-»r« zitiert wurde.

Am Schluss des Gedichts an die Oberkochener Soldaten an der Front ist von der »trauten Heimat« und von dem »Heimatdorf« die Rede, - von Oberkochen, das zu Beginn des 2. Weltkriegs gerade mal 2000 Einwohner hatte.

Im 1. Jahrgangsband des Amtsblatts »Bürger und Gemeinde«,1953, sind die 106 Oberkochener, die während der Jahre 1939 bis 1945 gefallen sind, einzeln benannt und abgebildet. 106 Tote. Wir finden sie auch im Heimatbuch auf den Seiten 206 bis 209 im Anschluss an den Bericht zum III. Reich in Oberkochen.

Die zahllosen Verletzten, die Schwerverletzten, und die Vermissten sind in dieser grausigen Zahl nicht enthalten.

Dagegen die 7 Oberkochener Bürger, die am 11. April 1945 kurz vor Kriegsende bei einem Tieffliegerangriff aufs Heimatdorf Oberkochen in der »trauten Heimat« ums Leben kamen.

Möge sich jeder Leser seine eigenen Gedanken zu diesem Gedicht von Leo Klotzbücher, der vielen Oberkochenern noch persönlich bekannt ist, machen. Denken wir gerade an Weihnachten nicht nur an unsere Vergangenheit, sondern vor allem auch an unsere Zukunft.

Dietrich Bantel

 
 
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