Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 531
 

Mühlenkundliches Schriftgutarchiv

Am Freitag, 7. März, hatte der Heimatverein hohen Besuch im Heimatmuseum im Schillerhaus: Dr. rer. nat. Hans-Peter Münzenmayer vom Regierungspräsidium / Landesdenkmalamt (Neuer Sitz: Esslingen, Dr. Münzenmayer ist seitens des RP zuständig für technische Baudenkmale) und Geograph, Wissenschafts- und Technikhistoriker Wolfgang Schnerr (Stuttgart) waren wie angekündigt gekommen, um den »Startschuss« für die Einrichtung eines »Mühlenkundlichen Schriftgutarchivs« im Archiv und Büro des Heimatvereins Oberkochen zu geben.

Im Büro des Heimatvereins im Schillerhaus. Von links: Wolfgang Schnerr, Bärbel Schurr, Otto Schaupp, Dr. Hans-Peter Münzenmayer

An der Sitzung nahmen außer den beiden genannten Fachleuten der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Dietrich Bantel, HVO-Vorstandsmitglied Bärbel Schurr und HVO-Ausschussmitglied Otto Schaupp teil, der sich bereits im Vorfeld bereit erklärt hatte, das »Mühlenkundliche Schriftgutarchiv« auch in der Aufbauphase zu betreuen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Stadt über das vormalige Wasserwirtschaftsamt, heute Landratsamt, an wichtige Originalunterlagen herankam, die von der Stadt in dankenswerter Weise sowohl für den Mühlenverein als auch für den Heimatverein kostenlos kopiert wurden.

Möglicherweise können im Lauf der Jahre auf digitalem Weg wesentlich bessere Zweitfertigungen von den Originalen dieser faszinierenden Unterlagen gefertigt werden.

Die beiden Fachleute aus Esslingen und Stuttgart hatten in einem großen Karton umfangreiches, von ihnen über einen langen Zeitraum hinweg gesammeltes Bücher- und Schriftenmaterial, das im wesentlichen von Herrn Dr. Münzenmayer stammt, mitgebracht. Unter den über 50 Büchern und Schriften, teilweise auch in Kopie oder in Form von Reprints gefertigten Dokumenten, befinden sich Werke, die bis aufs Jahr 1718 zurückgehen. Ein wichtiges Werk stammt aus dem 19. Jahrhundert, - die Mehrzahl der Schriften stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einige der von Dr. Münzenmayer gestifteten Werke zur historischen Mühlenliteratur

Diese wertvolle Sammlung wurde dem Heimatverein als Geschenk überlassen.

Erwähnenswert ist, dass der Heimatverein ein weiteres interessantes Werk in die Startschusssammlung einbringen kann: Es handelt sich um die Beschreibung der Hoppeltsmühle im Karthäusertal, in dem Herr Wolfgang Strakosch, der bei Hans Scheerer lange Jahre als Müller gearbeitet hat und die Scheerermühle in- und auswendig kennt, einen Beitrag zur Technik der Hoppeltsmühle geschrieben hat.

Ein weiterer Schwerpunkt zum »Startschuss« sind 11 Leitzordner, sämtliche zum Thema »Scheerermühlenareal«, aus dem Privatbesitz von Dietrich Bantel, der sich bei der Stadt seit dem Jahr 1980 dafür stark gemacht hatte, dass das gesamte Scheerer-Mühlenareal, bei dem es sich um die einzige über lange Zeiten gewachsene und praktisch unverändert in ihrem ursprünglichen Zusammenhang gebliebene Originalbausubstanz Oberkochens handelt, in städtischen Besitz gelangt.

Mühlen und Wirtschaftsgebäude stehen seit den Siebzigem, das Areal in seiner Gesamtheit seit den Neunzigern des letzten Jahrhunderts unter Ensemble-Denkmalschutz.

Am Schluss der interessanten, ja spannenden Gespräche, die wie im Flug und später dann im »Pflug« abliefen, wurde klar festgestellt, dass das Archiv, wenn es überörtliche Bedeutung erlangen wolle, einen enormen Einsatz sowohl von Arbeitskräften und Zeit, als auch von Geldmitteln erfordert, und, dass heute erst ein bescheidener Anfang gemacht wurde.

Die beiden Gäste regten an, dass der Heimatverein per Bus eine möglicherweise zweitägige Mühlen-Besichtigungs-Fahrt in den Schwarzwald durchführt, bei der nicht nur größere bekannte und unbekannte Mühlen, sondern auch kleine Hof- und Sägemühlen besucht werden sollen.

Titelblatt des Werks »Vollständige Mühlen-Baukunst« von Leonhardt Christoph Sturm, 1712

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Aufruf

Unser Mitglied Wilfried Müller (Bericht »Eisdiele Arnoldo«) hat sich bereit erklärt, im Rahmen unserer heimatkundlichen Berichtserie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag« einen Bericht über das alte »Schleicher-Kino« in der Dreißentalstraße zu verfassen.

Hierbei ist er auf die Hilfe aller Oberkochener angewiesen, die noch Erinnerungen an »DAS KINO« in Oberkochen haben.

Gesucht werden Bilder und persönliche Erlebnisse in diesem Zusammenhang. Bitte nehmen Sie mit Wilfried Müller Kontakt auf.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine außergewöhnliche Filmwerbung, die in meinem 1967 gedrehten Doppel-8-Film »Oberkochener Impressionen« festgehalten ist. - Da hängt an der Hausfront des Kinos eine riesige Werbung für den Film »Das älteste Gewerbe der Welt«.

Über diese Großwerbung ist in einer Ecke ein im Verhältnis kleines Werbeplakat geklebt mit dem Text: »Nur heute: "Martin Luther"«.

Dietrich Bantel

 
 
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