Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 522
 

Wildsauen im Vormarsch auf Oberkochen
Teil 2

Unser Bericht 482 v. 01.07.2005 beschäftigte sich schon vor zwei Jahren mit einer etwas unheimlichen einheimischen Gattung Tier, die in letzter Zeit immer unheimlicher bis tief in die Wohngebiete unserer Stadt vordringt.

Unser Foto 1 zeigt eine Wiese oberhalb der Katzenbachstraße, der sogenannten »Milchstraße«, zwischen dem Segelfliegerhäusle und dem Aussiedlerhof »Fischer - Pflugwirt«. Deutlich sind vom Gegenhang her die von den Sauen aufgewühlten Wiesenflächen dicht über der Wohnbebauung zu erkennen.

Die Sauen verlassen gerne nachts die Sicherheit des Waldes und kommen auf die Talhangwiesen heraus, in der Regel gegen Morgen, wenn die Anwohner eines seelenruhigen Schlafes huldigen.

Während der Mann, der Keiler, seine Runden meist alleine dreht, schart die Frau Mutter, die Bache, den Nachwuchs des Vorjahrs und die neuen Frischlinge um sich, und sucht mit diesen gute Futterplätze.

Von Landwirt Josef Balle war zu erfahren, dass das Wolfertstal besonders beliebt ist bei den Sauen, die Ende September trotz Elektrodrahteinzäunung und eigens errichtetem Hochsitz eine ganze Platte aus einem der beiden Maisfelder im Tal getilgt hätten und auf der Suche nach schmackhaften Wurzeln die Hangwiesen bis zur Weingartenkapelle hin zerwühlten.

Nicht viel anders sieht es im Tiefental aus.

Die Jäger, die für den Sauenschaden haften, können ihr Sauenliedlein singen. Fest steht, laut Landwirt Balle, dass die gutschwäbische niedrigste Intelligenz-Einstufung von Mitmenschen - »Du domme Sau« - in keiner Weise den wahren Sachverhalt treffe, indem Wildschweine gerade umgekehrt nämlich ziemlich schlau und gerissen und gar nicht leicht zu erlegen seien.

Er selbst wendet gegen die zunehmende Sauenplage erfolgreich das älteste aller Tiervertreibungsmittel an: Das surrealistische Monstrum, das oberhalb des Wasserhäusles der LW im Kirschentäle steht, ist keine Vogel- sondern eine Sauenscheuche.

Google - (Umwelt und Gesundheit) bestätigt: Wildschweine werden bis zu 200 kg schwer, sind extrem schlau und lassen sich kaum fangen. In den letzten Jahren haben sie sich in vielen Teilen Deutschlands enorm vermehrt und werden zur Plage für die Bauern.

Die Vermehrung begünstigen die milden Winter der letzten Jahre. Außerdem sind natürliche Feinde wie Luchs und Wolf, die früher die Zahl der Frischlinge begrenzten, ausgerottet.

Sogenannte Lockfütterungen, (»Kirrungen«) sollen helfen, die Tiere leichter zu erlegen. Sie werden mit immer mehr Futter angelegt und haben damit die Nahrungssituation der Schwarzkittel zusätzlich verbessert, sodass beim Anlegen von »Kirrungen« die Weisheit der Jäger gegen die Klugheit der Wildschweine abzuwägen ist.

Wildschweine verfügen über ein gutes Gedächtnis und sind lernfähig: Die Stelle, an der ein Familienmitglied erlegt wurde, meiden sie.

Dietrich Bantel

 
 
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