Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 520
 

Freier Rodstein

Vor 5 oder 6 Jahren hatte ich namens einiger Vereinsmitglieder den Wunsch an das Staatliche Forstamt herangetragen, ob es nicht möglich sei, die beiden stark eingewachsenen Oberkochener Aussichtsfelsen, den Rodstein und den Langertstein, so freizuhauen, dass sowohl der Blick von unten nach oben wie auch vor allem der von oben nach unten wieder möglich ist.

Blick von der Aalener-Straße auf den Rodstein

Dieser Wunsch wurde seinerzeit abschlägig beschieden mit der Begründung, dass hierzu keine forstwirtschaftliche Notwendigkeit bestehe. Ferner entstehe Erosionsgefahr für die steilen Hänge, wenn der Hochwald stark ausgelichtet wird, ausgelichtet könne nur werden, wenn unter den alten Bäumen genügend erosionsmindernder Jungwaldwuchs vorhanden ist, was zum damaligen Zeitpunkt nicht der Fall war.
Mittlerweile hat sich die Situation verändert.

Der außergewöhnlich trockene Sommer des Jahres 2003 hatte vor allem im Hochwald Rodhalde unter dem Rodstein spür- und sichtbare Schäden entstehen lassen, was vom Forst bereits Ende 2003 festgestellt wurde.

Bereits ein Jahr später, im Jahr 2004, schlugen viele Hochwaldbuchen nicht mehr aus.

Diese waldzerstörende Auflichtung setzte sich im Jahr 2005 fort, was dazu führte, dass durch vermehrten Lichteinfall - die positive Seite des Schadens - die Waldverjüngung von unten her kräftig einsetzte.

Allerdings war zusätzlich zum entstandenen Schaden zu diesem Zeitpunkt schon festgestellt worden, dass in einigen der toten Bäume bereits ein gefährlicher Schädling zu Gange war: der sogenannte Buchennutzholzbohrer. Bei Bäumen, die von diesem Schädling befallen sind, besteht die Gefahr des Pilzbefalls, was den Holzwert zusätzlich mindert.

Aus diesen verschiedenen Gründen, so Revierförster Reinhold Vogel am 10. September 2007, habe man sich aus forstwirtschaftlichen Gründen im letzten Jahr, also 2006, dazu entschlossen, am und unterhalb des Rodsteins kräftig auszuholzen, bevor das Holz kaputt wird.

So konnte am Rodstein ein weitverbreiteter Oberkochener Wunsch mit einem forstwirtschaftlichen Muss verbunden werden.

Die telefonische Rückkoppelung, die aus der Bevölkerung beim Forst, der anfänglich mit Skepsis bei der Bevölkerung gerechnet hatte, ankam - war günstig. Mehr noch: Es gab viele Stimmen, die sich einen noch kräftigeren Freischlag gewünscht hätten. Oberkochens Süden muss sich noch ein paar Jahre gedulden - er bekommt seinen freien optischen Zugang zum Rodstein, sobald der Jungwald entsprechend hoch gewachsen ist.

Revierförster Vogel betont, dass die Ausholz-Notwendigkeit beim ebenfalls freigehauenen Langertfelsen nicht ganz so groß wie beim Rodstein war - der Freischlag sei jedoch forstwirtschaftlich zu verantworten gewesen.

Rodstein und Rodsteinkreuz, Frühsommer 2007

Dietrich Bantel

Anlässlich der Einweihung des Heimatmuseums vor 10 Jahren überreichte Hermine Blume dem Vorsitienden ein kleines Gedicht, das seither im Treppenhaus des Museums hängt:

Von Rodsteins Höhn

Schon oft hab ich von Rodsteins Höhn
herab ins Kochertal gesehn.
Da kam mir mächtig in den Sinn,
dass ich ja hier geboren bin.
Ich hab nur einen Satz gesprochen:
»Ich liebe Dich, mein Oberkochen«.

 
 
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