Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 499
 

Oberkochens Einwohnerzahlen von 1618 bis 2005

Einen Tag vor der Stadterhebung im Jahr 1968 brachte der Süddeutsche Rundfunk eine damals nicht besonders beachtete, journalistisch aber sehr gut gemachte dreiteilige Sendung, insgesamt 25 Minuten dauernd, über die Gemarkungs- Besiedlungs- und Dorf-Geschichte Oberkochens im Teil 1. Teil 2 besteht aus einem Interview mit Prof. Dr. Dr. Kühn von der Geschäftsleitung der Firma Carl Zeiss, Teil 3 aus einem Interview mit Bürgermeister Gustav Bosch.

Hermann Schürle, früher Oberkochen, heute Aalen, den Oberkochenern über die »Filmfreunde« bestens bekannt, hat die heute durchaus historische Sendung damals auf Tonband aufgezeichnet, im März letzten Jahres tonlich überarbeitet und auf Audio-CD gebracht. Freundlicherweise schenkte er dem Heimatverein Oberkochen eine solche CD, die bislang zwei Mal öffentlich oder halböffentlich abgespielt wurde:
Das erste Mal bei der 19. OHV des Heimatvereins am 7. März 2006 und das zweite Mal anlässlich des Treffens der aktiven mit den ehemaligen Gemeinderäten am 18. Mai 2006. Beide Male herrschte atemlose Spannung und Stille solang die CD lief.

Der heutige Bericht beschränkt sich allein auf die Entwicklung der Bevölkerungszahl Oberkochens über fast vier Jahrhunderte hinweg.

Vor dem 30-jährigen Krieg, 1618, hatte Oberkochen ca. 500 Einwohner. Nach dem Krieg, 1648, waren durch Kriegseinwirkungen und Seuchen 100 von ihnen übrig geblieben. Es dauerte ca. 150 Jahre, bis das Dorf sich halbwegs von den Folgen des Kriegs erholt hatte, und um 1800 wieder die Einwohnerzahl von ungefähr 500 aufwies.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, 1850, steigt die Bevölkerungskurve spürbar steiler an. Die einsetzende Industrialisierung verwandelte das Dorf, das zuvor rein handwerklich und landwirtschaftlich ausgerichtet war, in eine landwirtschaftlich- industrielle Mischgemeinde. 1939, bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, hatte Oberkochen bereits 2011 Einwohner, und es hatte - wie auf einer US-Aufklärungs-Luftaufnahme vom 8. April 1945 im Heimatmuseum zu erkennen ist - einen außergewöhnlich hohen Anteil an Industrie. (Im Wesentlichen Holzbearbeitungswerkzeugindustrie)

Nach dem Krieg begann durch die Ansiedelung der Firma Carl Zeiss ein in ganz Deutschland beispielloses Einwohnerwachstum der Gemeinde Oberkochen. Im Jahr der Stadterhebung, 1968, hatte Oberkochen 8568 Einwohner.

Heute ist schon fast vergessen, dass die Gemeindeväter 1968, wie auf der CD dokumentiert ist, davon ausgingen, dass Oberkochen schon in wenigen Jahren die für die Stadt üblicherweise vorzuweisende Einwohnerzahl von 10.000 erreicht haben würde. Auch war von der Verlegung der alten Ortsmitte in eine damals vorgesehene neue Ortsmitte ums neue Rathaus die Rede - und einem Planetarium...

Allein das sogenannte »städtische Gepräge« und der unausrottbare irrtümliche Glaube an ein ständiges Wachstum hatten 1968 ausgereicht, das Dort vorzeitig zur Stadt zu erheben.

Die im Heimatmuseum in Raum 4 befindliche Bevölkerungszahlenkurve und auch die im Internet belegen, dass das rasante Wachstum der Stadt, das nach dem Krieg über 20 Jahre lang angehalten hatte (lange Jahre war Oberkochen die Stadt mit dem proportional größten Bevölkerungszuwachs in ganz Deutschland) in den Sechzigerjahren bereits einen »Knacks« abbekommen hat, was Bürgermeister Bosch in dem Interview von 1968 sogar ausdrücklich vermerkt. Bereits ab 1965 nämlich (8631 Einwohner) sank die Einwohnerzahl über 20 Jahre hinweg fast ständig bis unter 8000 Einwohner (1986: 7885 Einwohner), um dann bis 1993 wieder auf 8600 anzusteigen.

1993 kam es jedoch zu einem zweiten Einbruch. Mit kleineren Schwankungen fiel die Einwohnerzahl ab diesem Jahr bis Ende 2005 fast ständig zurück auf 8228 Einwohner - das sind weniger Einwohner, als Oberkochen 1962, also vor 44 Jahren hatte.

Schon in der früher üblichen linearen Darstellung einer Entwicklungskurve (Interpolation) wird - trotz aller Zwischenanstiege - eine aufs Ganze gesehen sinkende Tendenz der Einwohnerzahl Oberkochens ab der mittleren Sechzigerjahre deutlich erkennbar. Setzt man die Linie fort, führte sie auch in der Zukunft weiter nach unten.

Noch deutlicher wird die Darstellung der sinkenden Einwohnerzahl in der extrapolierenden Darstellung, die mit größerer Wahrscheinlichkeit als die interpolierende Darstellung auch gewisse Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung zulässt, da die näher liegenden Zeiträume beim Extrapolieren zunehmend genauer untersucht werden als die weiter zurück liegenden. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass gerade auch durch das moderne System der extrapolierenden Darstellung mit einer weiteren Abnahme der Einwohnerzahl Oberkochens zu rechnen ist. Vom Gegenteil lassen wir uns gerne überraschen.

Unter diesem Aspekt kommt unserem Jubiläums Bericht 500, der ein Dokument der beginnenden Sturm- und Drangzeit Oberkochens ist, eine heimatkundlich sehr markante Bedeutung zu:

Wir werden über das erste Fertighaus in Oberkochen aus dem Jahr 1950 berichten.

 

Einwohnerzahlen Oberkochen ab 1620  bitte klicken!

 

Dietrich Bantel

 
 
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