Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 496
 

Gutknechts Stoile

Die Leser unserer heimatkundlichen Serie werden sich daran erinnern, dass wir vor drei Jahren über den Gedenkstein »Scheerers Stoile« (BuG v. 2. Mai 2003 - Bericht 443) berichtet haben. Wenig später wurden wir daran erinnert, dass es auf unserer Gemarkung ein weiteres »Gedenk-Stoile« gibt. Im Gegensatz zum »Scheerers Stoile«, das kartographisch noch nicht aufgenommen ist, ist dieses etwa 20 Jahre jüngere »Stoile« offiziell in der amtlichen Karte des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg im Maßstab 1:50.000 aufgenommen. (Freizeitkarte des Schwäbischen Albvereins).

Mir war das Stoile bereits in den Achtzigerjahren aufgefallen, als wir uns auf dem Weg nach Ebnat auf der Suche nach einem angeblichen hallstattzeitlichen Grabhügel befanden, der sich noch auf Oberkochener Gemarkung befinden solle. Diesen haben wir bis heute nicht gefunden; und er ist - im Gegensatz zu dem Gedenkstein - auch nicht in einer Karte aufzufinden.

Der Gedenkstein hat die Inschrift:
Hier starb an einem Schlaganfall
Josef Gutknecht, Bahnarbeiter
von Oberkochen
am 16. Dezember 1917

Primus Schmied, dessen »Ehle« (Großvater) Josef Gutknecht war, konnte mit einigen Daten und vor allem den näheren Umständen des Todes weiterhelfen. Wertvolle Hilfe leistete Irma Zimmermann vom Katholischen Pfarramt.
Beiden Informanten herzlichen Dank.

Am 16. Dezember 1917 befand sich die Großfamilie Gutknecht auf einem Familienausflug. Dieser sollte sie über den damals noch tief im Boden versteckten Römerkeller ein Stück die alte Ebnater Steige hinauf, dann links abbiegend etwas steiler hinauf zum Härtsfeldrand und dann fast eben über das Bildstöckle Maria Eich, das man wie immer wenn man diese Strecke wanderte - wie anlässlich einer kleinen Wallfahrt - aufsuchen wollte, nach Ebnat zum Mittagessen bringen.

Den »Ehle« überkam dann oben auf der Ebene, (auf der Karte unweit der Höhenangabe 634 m - Waldabteilung »Sauteich«, Realwald) ein »menschliches Rühren«, weshalb er sich von der Gruppe absetzte und zurückblieb. Nach einiger Zeit kam es den Verwandten seltsam vor, dass der »Ehle« nicht nachkam.

Man rief nach ihm und machte sich, als keine Antwort kam, auf den Weg zurück, um nach ihm Ausschau zu halten. Schnell fand man ihn nur wenig abseits rechts des Weges tot im Wald liegend vor. Er war ohne jegliche Vorankündigung an einem Schlaganfall blitzartig verstorben. Die Aufregung war groß.

Josef Gutknecht, am 3. Dezember 1849 in Oberkochen geboren, war nur 68 Jahre alt geworden. (Im Heiratsregister steht »Zang«). Beerdigt wurde er am 19. Dezember 1917, vormittags 9 Uhr. Seine Eltern waren Leonhard Gutknecht und Magdalena geb. Deininger.
Josef Gutknecht war verheiratet mit Barbara, geb. Opferkuch aus Dewangen, die ihn um fast 15 Jahre überlebte. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Nachfahren des Josef Gutknecht leben heute noch in Oberkochen.

Der Schwäbische Albverein und der Heimatverein sind bemüht, weitere Kleindenkmale auf Oberkochener Gemarkung festzumachen - wir bitten um Ihre Mithilfe.
Die Albvereinsjugend unter der Leitung von Hans-Peter Wolf hat sich in dankenswerter Weise des »Scheerers Stolie« angenommen, und hat, wie in den Nachrichten des Schwäbischen Albvereins 4/2005) zu lesen war, auch dem Gedenkstein »Gutknechts Stolle« schon einen Besuch abgestattet. Sie wird auch dieses betreuen.

Zwei Gedenksteine - zwei Schicksale.
Viele Menschen sterben im Wald und auf der Flur - und niemand hat ihnen je einen Gedenkstein gesetzt. Heute sieht man in erschreckendem Maß vermehrt Kreuze und Gedenksteine entlang der Landstraßen, die daran erinnern, dass das Leben im wahrsten Wortsinn in Blitzesschnelle beendet sein kann.

Dietrich Bantel

 
 
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