Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 492
 

Hans Betzler jun. (geb. 1924)

In Bericht 491 haben wir vor 14 Tagen über Hans Betzler sen. (1887 - 1938), Metzger und Wirt zum »Grünen Baum« in Oberkochen berichtet. Sein Sohn Hans Betzler jun., geboren am 13. März 1924 in Stuttgart, hat im Herbst letzten Jahres, um seinen Vater zu würdigen, die im letzten Artikel nochmals beschriebene Hans Betzler Stiftung zur Förderung der heimatkundlichen Arbeit aus der Taufe gehoben.

Hans Betzler ging in Oberkochen in die kath. Volksschule (Fuchsbau) und erinnert sich an die Lehrer Herrn Kessler, Frl. Wolf und Herrn Mager. Ab 1934 ging er nach Aalen in die Oberrealschule, später Schubartgymnasium, wo er 1942 das Abitur ablegte.

Auf mehrere Anfragen hin hier die Antwort auf die Frage, wer nun Hans Betzler jr. ist, der auf dem Bild »im Kocherkanal badende Kinder« abgebildet ist. Hans Betzler ist der zweite Junge von rechts.

Wie damals üblich, blieb ihm nach dem Abitur nur der Weg zum Arbeitsdienst und anschließend direkt in die Wehrmacht. Der Krieg verschlug den jungen Schwaben hoch hinauf in den Norden. In der »Skibrigade Finnland« kämpfte er um den Atlantikzugang Murmansk / Russland. Nach seiner abenteuerlichen Heimkehr aus der Gefangenschaft stand er vor der Wahl: Metzgerlehre in der Familientradition oder Jurastudium.

Hans Betzler entschied sich für die Universität. 1950 legte er das erste Staatsexamen in Tübingen ab. Geprägt von seinem Mentor und »Pauker« Kurt Georg Kiesinger, der ihm im Staatsrecht die ersten Begriffe von Demokratie vermittelte, fiel ihm die Wahl zwischen Verwaltung und Jurisdiktion zugunsten der Verwaltung nicht schwer. Eines seiner Argumente für seinen späteren Beruf war: »Wenngleich beides schwierig ist, ist es leichter, jemandem zu sagen, er müsse Geld bezahlen, als ihn ins Gefängnis zu schicken«.

So begann er seine Laufbahn am 1. Oktober 1953 auf dem Finanzamt in Aalen, wo er durch sämtliche Abteilungen »geschleift« wurde. Bald danach kam er zum Finanzamt nach Heidenheim, wo er ständiger Vertreter des Vorstehers war. 1964 kam er zum Finanzamt nach Göppingen. Die Strafsachen holten ihn immer wieder ein, denn bereits in seiner ersten echten »Verwendung« am Finanzamt in Göppingen wurde er in der Steuerfahndung eingesetzt.

Bis zu seinem Wegzug von Oberkochen wohnte Hans Betzler im Haus Jägergässle 9, wo anlässlich des Neubaus im Jahr 1937 in 1.20 m Tiefe beim Aushub der Baugrube sechs alamannische Gräber erkannt wurden. Außer Sargresten und einem Messer wurden seinerzeit keine Funde geborgen - die Gräber wurden nicht untersucht. Oscar Paret vom LDA vermerkte bereits in seiner Situationsbeschreibung von 1937, dass Richtung Norden ein weiterer alamannischer Friedhofsteil vermutet werden kann - was sich 1980 bestätigte.

Im Jahr 1968 wurde er Vorsteher des Tuttlinger Finanzamts und schließlich und endlich wurde er Vorsteher des Finanzamts Balingen. Hier war er vom ersten Tag an voll gefordert und gerade das machte ihm Spaß. Hier konnte er organisieren, denn mit seinem Amtsantritt in Balingen fiel auch die Neugründung des Zollernalbkreises zusammen. Ziel der Finanzbehörde war, die Deckungsgleichheit des Finanzamtbezirks mit dem neuen Landkreis. Als Folge davon wuchs das Balinger Finanzamt mit dem Kreis.
Am Tag seines Ausscheidens Anfang April 1986 verwalteten hier bereits 286 Mitarbeiter die zig-tausend Fälle.

Für Betzler zählte vor allem der gute Kontakt zu seinen Finanzleuten, denn, wie er selbst festgestellt hatte: »Beste Organisation resultiert aus freiem Meinungsaustausch«.

Was er seinen Leuten zugestand, das nahm er auch für sich in Anspruch, wenn er sich mit Vorgesetzten in Präsidien oder Ministerien auseinandersetzte. Seine Kollegen - allesamt Finanzamt-Vorsteher, wählten ihn nicht allein deshalb zum Sprecher ihres »Oberschwabenkränzles«.

Auf die Frage, wie er denn seine vielfältigen Aufgaben samt seinen Freizeitbeschäftigungen unter einen Hut gebracht habe, kam die prompte Antwort: »Dr Tag isch lang«.

Die Liste seiner Freizeitbeschäftigungen las sich 1986 in einem Bericht anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand wie ein Volkshochschulprogramm - passionierter Wanderer und Skifahrer, Bergsteiger und Langläufer, Briefmarken- und Münzsammler, Hobbygärtner und Volksmusikliebhaber. Besonders verbunden fühlte er sich mit dem Musikverein Dotternhausen.

Dafür, wie gerne Betzler Kontakte mit Menschen knüpfte, steht die lange Liste seiner Ehrenämter und Mitgliedschaften. In Tuttlingen war er Vorsitzender des DRK Ortsvereins, in Oberkochen betätigte er sich lange Zeit als Sportfechter in Florett und Säbel (Honold), in Balingen spielte er noch zu Anfang seiner Dienstzeit in der Tennis-Gemeinschaft mit, in Dotternhausen ist er als passives Mitglied des dortigen Musikvereins geführt, in Ebingen ist er Mitglied es Rotary-Clubs.

So ist es ihm gelungen, in seiner freundlichen und interessierten Art Kontakte herzustellen, die ihm halfen, die »Barriere Finanzamt«, bei der die meisten Leute rot sehen, locker zu überwinden. Seine jüngste Vereinsmitgliedschaft ist übrigens die im Heimatverein Oberkochen.

Dem Bericht, der am 26. Juli 1986 im Zollern-Alb-Kurier Balingen erschien, ist zu entnehmen - Zitat: »Bilder, Fotografien, Zinn- und Bierkrüge, Wandbehänge, Erbstücke und unzählige exotische Kleinigkeiten, ja selbst die Möbel, wie Schreibtisch, Klavier und die große zeitlos elegante Schrankwand - alles in diesem Zimmer ist verbunden mit den Erinnerungen seines Besitzers an ein fürwahr abwechslungsreiches Leben....

Hans Betzler heiratete 1957 die 1932 geborene Gisela, geb. Kaufmann (Fellbach). Bürgermeister Bosch persönlich traute das Paar. Die Hochzeit fand im Kloster Neresheim statt. Leider verstarb Hans Betzlers Ehefrau schon 1995. Die Ehe war kinderlos geblieben.

An dieser Stelle sei Hans Betzler namens aller heimatkundlich interessierten Bürger unserer Stadt nochmals herzlich Dank gesagt für seine großherzige Stiftung, die der Förderung der Oberkochener heimatkundlichen Arbeit zugute kommen soll.

Herr Betzler möchte seine Oberkochener Freunde ermuntern, den Stiftungsfond zur Förderung der heimatkundlichen Arbeit weiter zu vergrößern. Dies kann geschehen durch Einzahlungen auf das Konto »Hans Betzler Stiftung« - Kto. bei der Kreissparkasse Oberkochen - Nr. 1000 141 865 - BLZ 614 500 50. Spendenquittungen werden selbstverständlich ausgestellt.

Dietrich Bantel

 
 
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