Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 489
 

Kocher, Brenz und Urbrenz
Oberkochen - Wasserspender der Region

Am Donnerstag letzter Woche hielt Dr. Hans-Joachim Bayer/Kohlberg, der vor 30 Jahren sein Abitur am Gymnasium Oberkochen geschrieben hat, im Rahmen der Vortragsreihe des Heimatvereins Oberkochen einen Vortrag zur geologischen Geschichte und Zukunft des Kocher-Brenz-Tals. Mit über 80 interessierten Zuhörern von diesseits und jenseits der Wasserscheide war das Fassungsvermögen des Saals im »Schillerhaus« fast überfordert.

Die Kocher-Brenz-Achse ist das einzige Tal, das genau in Nord-Süd-Richtung die Schwäbische Alb durchschneidet. Es ist vor ca. 40 Mill. Jahren entstanden, entlang einer Bruchlinie im tiefen Untergrund, im Kristallin. Zusammen mit der Alpenfaltung hatte sich im Süden ein Rücktief, die heutige Po-Ebene, und im Norden ein Vortief herausgebildet, das vom Molassemeer gefüllt wurde. Gleichzeitig wurde das noch weiter nördliche plateauartige Schichtenpaket gekippt, »gepultet«. Daraus ist unser süddeutsches Schichtstufenland entstanden. Die von der Alb kommenden Flüsse, so auch die Brenz, mündeten in das Molassemeer.

Die Urbrenz entsprang damals viel weiter im Norden. Bei Schwäbisch Hall, Rems, Lein, Roth u. a. waren ihre Nebenflüsse. Die Jagst entwässerte zunächst über das heutige Ries nach Süden. Durch den Meteoriteneinschlag vor 14,8 Mill. Jahren wurde ihr durch Auswurfmassen der Weg versperrt, und sie wurde ebenfalls der Urbrenz tributär. Im Quartär, namentlich in den Zwischeneiszeiten, entwickelte sich in Deutschland eine Entwässerung zur Nordsee hin. Im Süden war das Molassemeer verschwunden; die Donau brachte das Flusswasser zum Schwarzen Meer. Wegen des viel kürzeren Weges zum Meer entwickelten die nordwärts ziehenden Flüsse eine stärkere Erosionskraft. Sie dehnten ihr Einzugsgebiet immer weitet nach Süden aus. So wurde auch die Brenz immer weiter nach Süden abgedrängt.

Die Faltung und Hebung der Alpen dauert an, Triest rückt uns jährlich um einige cm näher; genauso geht die Kippung der Schichtstufenscholle weiter. Urbrenzschotter finden wir (bei Zahnberg, Ochsenberg) in 620 m Höhe ü. NN. Die Brenz fließt heute 200 m tiefer. Zur Zeit der Ablagerung lag das Ablagerungsgebiet (samt Brenz) tiefer. Anhebung und gleichzeitiges Eingraben der Brenz schufen die heutige Situation.

Bereits in der Kreidezeit begann die Verkarstung des Kalkgebirges. Kalk ist an und für sich wasserunlöslich und wasserundurchlässig. Durch Einwirkung von Kohlenstoffdioxid aus der Luft entsteht aber Calciumhydrogencarbonat, das wasserlöslich ist. So kommt es zu Spalten und Höhlen im Kalk, durch die das Wasser fließen kann. Durch die Verwitterung wird aus Kalk Lehm, der vom Wasser leicht fortgespült werden kann. Die Lehmschichten können (bei Ebnat) 40 m, ja bis 80 m Mächtigkeit erreichen.

Durch Verkarstung und Verbiegung der Schichten sind in unserem Gebiet zahlreiche »Wannen« entstanden. Die größte ist die Ebnater Karstwanne, die keine oberflächliche Entwässerung hat.

Regenwasser versickert im Untergrund und kommt im »Pfeffer-Ursprung« in Königsbronn zum Vorschein; das Wasser fließt also unterirdisch an Oberkochen vorbei! - Andere Wannen befinden sich in Unterkochen und Königsbronn. Oberkochen liegt dagegen auf einer Barre dazwischen. Von der Oberkochener Gemarkung befindet sich der Nordteil am Rande der Unterkochener Wanne und wird dorthin entwässert, der Westteil nach Essingen und der Südteil noch (zumindest teilweise) zur Brenz in Königsbronn. Bedenken wir noch, dass im Kochertal nördlich des Ortes ein Wasserschutzgebiet der Stadt Aalen liegt, dann können wir mit Fug und Recht behaupten, dass ein Großteil des Niederschlags, der in unserem Gebiet fällt, angrenzenden Gemeinden zu Gute kommt!

Aber traut dem Kocher nicht! Im Laufe der letzten 40 Jahre hat er seinen Quellaustritt ca. 8 m Richtung Königsbronn verlegt; das Tiefental entwässert oberflächlich zum Kocher, in der Tiefe noch zur Brenz. Der Wasserabfluss kann sogar von Schicht zu Schicht wechseln. So ließ sich nachweisen, dass bereits Tiefenwasser bis aus der Gegend von Bartholomä in den Kocher gelangt. Der Kampf um die Wasserscheide geht weiter, in ca. 15000 J. hat er vielleicht den Brenztopf erreicht, möglicherweise noch etwas früher wird er den Pfeffer-Zufluss von der Ebnater Wanne anzapfen. In den Lehmschichten verborgene (nachgewiesene!) Kalkpfeiler werden dann herauspräpariert werden und die Ebnater Wanne dem Steinernen Meer an der Wentalgaststätte vergleichbar machen!

Herzlicher Applaus dankte Dr. Bayer für seine Ausführungen.
Dr. Bayer ist als Geologe in der Privatwirtschaft tätig und beschäftigt sich vor allem mit Geräten zur unterirdischen Aufklärung geologischer Strukturen und Anomalien.

Horst Riegel

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