Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 452
 

Archäologische Denkmalpflege

Am Samstag, 8.11. fand in Esslingen die 23. Tagung der ehrenamtlich Beauftragten für Archäologische Denkmalpflege im Regierungsbezirk Stuttgart statt, zu denen der Vorsitzende des HVO Oberkochen seit 1984 zählt.

Seit März dieses Jahres befindet sich das Landesdenkmalamt (LDA) nicht mehr auf 4 verschiedenen Häuser verteilt in Stuttgart, sondern in der alten Reichsstadt Esslingen im umgebauten und um einen Neubau erweiterten ehemaligen Schelztorgymnasium in der Berliner Straße 12. Die spannend zu lesende Dokumentation der Baugeschichte dieser Schule endet mit folgender Bemerkung:

».... Wechsel an der Führungsspitze der Stadt Esslingen. Der neue Oberbürgermeister, (Dr. Jürgen Zieger, der einstige Stadtbaumeister der Stadt Oberkochen) ergriff die Gunst der Stunde, aktivierte Fördermittel aus dem Sanierungsgebiet »Weststadt« und eröffnete damit dem Landesdenkmalamt das Angebot, sich in Esslingen anzusiedeln ... «.

Zur Tagung
1) Bürgermeister Wallbrecht
, Leiter des Baudezernats der Stadt Esslingen, ging in seinem Begrüßungswort auf Geschichte und Gegenwart der Stadt ein. Esslingen, 90000 Einwohner, 60000 Arbeitsplätze. Esslingen stagniert bevölkerungsmäßig wie Oberkochen seit Jahrzehnten, und hat keine Ausdehnungsmöglichkeiten mehr. Es gibt nur noch ein »inneres Wachstum«.

2) Dr. J. Biel, Leiter der Archäologischen Abteilung des LDA, berichtete sehr kritisch über den Stand der Strukturreforrn der Landesbehörden und ihre Auswirkungen auf die Archäologische Denkmalpflege. Das bislang unabhängige LDA wird dem Regierungspräsidium unterstellt. Da die innere Struktur des LDA zwar in etwa beibehalten wird, nun aber in 6 Bereiche aufgesplittert ist, muss es nun praktisch mit »2 Köpfen« arbeiten. Einschneidende Sparmaßnahmen für 2004 wurden angekündigt.

3) Dr. Ingo Stork, LDA Hauptkonservator und Leiter des Referats vor und frühgeschichtlichen Archäologie im Reg. Bez. Stuttgart, (Alamannengrabung Oberkochen, 1981) und Dr. Susanne Arnold, Abt. archäologische Denkmalpflege BW, Mittelalter, (Ausgrabung Bilzhaus Oberkochen, 1989 2003) gaben Berichte zur Entwicklung der archäologischen Denkmalpflege im Reg. Bezirk Stuttgart zum Jahr für den Zeitraum seit der letztjährigen Tagung. Dr. Stork wies auf das in diesem Jahr neuentdeckte und mit ca. 700 Gräbern hochgerechnete merowingische Gräberfeld in Unterkochen hin, das die Besiedlungsgeschichte des oberen Kochertals und speziell das Entstehen des Siedlungsbereichs »Kochen« in neuem Licht zeigt. Frau Dr. Arnold bedauerte die organisatorischen Änderungen im Bereich »Mittelalter« die einem Abgesang für diese Abteilung gleichkamen.

4) Dr. Dieter Krausse, Oberkonservator und Leiter des Referats Großgrabungen/zentrale Dienste, berichtete über »Fürstensitze« des 7. bis 5. vorchristl. Jahrhunderts. In unserer Gegend ist in diesem Zusammenhang vor allem der lpf erneut ins Rampenlicht getreten. Ihm wird eine möglicherweise gleiche Bedeutung wie der Heuneburg zugedacht.

5) Chr. Peek, Restauratorin und B. Nowack Beck, Diplomrestauratorin, berichteten über neue Ergebnisse archäologischer Textilforschung in Süddeutschland mit Gewicht auf Präparierung, Konservierung und Auswertung. Im Heimatmuseum Oberkochen befindet sich in der Alamannenvitrine ein bemerkenswertes seltenes Fundstück (Hüftgehänge Frauengrab) an dem ein Stoffrest nachgewiesen werden konnte.

6) Dr. I. Stork, berichtete zur geplanten Gasleitung »SEL Trasse«, die z. Zt. auch durch den Reg. Bezirk Stuttgart führend geplant wird. Sobald die Trasse festliegt, werden die ehrenamtlich Beauftragten verständigt - ihnen kommt bei der Beobachtung der in diesem Zusammenhang aufgeschlossenen Bodenbereiche große Verantwortung zu, da bei fahrlässigem Arbeiten mit einer möglichen Zerstörung von Hunderten von archäologischen Befunden zu rechnen ist.

7) E. Stauß, Grabungstechniker, berichtete über den zum Teil katastrophalen Zustand von konservierten und beschilderten archäologischen Denkmälern. Fazit: Die Euphorie nach Aufdeckung und Konservierung von archäologischen Denkmälern weicht häufig erstaunlich schnell einer Gleichgültigkeit wenn es um die langfristige Pflege derselben geht, die mit Folgekosten verbunden ist. Leider muss immer häufiger Vandalismus gegenüber den Denkmälern festgestellt werden. Auch hier sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter besonders gefordert. Ich erinnere an den Diebstahl der neuen Info Tafeln zum »Römerkeller«.

8) Vor dem Mittagessen fand ein Rundgang durch die neuen Räume des LDA in der neuen Dienststelle Esslingen statt. Das besondere Interesse galt dem an das alte Schelztorgymnasium angebauten »Glasturm«, der sich klimatisch in der Hitze des vergangenen Sommers hervorragend bewährte. In ihm befinden sich u.a. Werkstätten und Kühlräume.

9) Am Nachmittag wurde die derzeit im historischen Alten Rathaus in Esslingen gezeigte Ausstellung »Entdeckungen« besichtigt.

Anmerkung zur Betreuung der Archäologischen Bodendenkmäler und Ausgrabungs- und Streufunde in Oberkochen:

Römerkeller
Archäologisches Bodendenkmal (Ausgrabung 1971).

Die laufende Betreuung findet durch Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1976 durch das Gymnasium Oberkochen (heute Ernst Abbe Gymnasium) im Zusammenwirken mit der Stadt Oberkochen und dem Heimatverein statt.

Bilzhaus
Archäologisches Bodendenkmal (Ausgrabung von 1989 bis 2003).
Die laufende Betreuung findet durch den Heimatverein Oberkochen im Zusammenwirken mit der Stadt Oberkochen statt. Auch die Oberkochener Baufirma Wingert unterstützt die Arbeiten in der Bilz seit vielen Jahren.

Funde der Ausgrabung »Bilzhaus« befinden sich im Heimatmuseum und werden vom Heimatverein betreut.

Funde v.d. Alamannengrabung 1981
Seit 1994 in dem damals noch im Aufbau befindlichen Heimatmuseum. Unterbringung in speziell gesicherten Vitrinen und Betreuung Leihgaben des LDA durch den Heimatverein Oberkochen.

Funde v.d. der Ausgrabung »Römerkeller« (1971)
Von 1971 - 1994 im Gymnasium Oberkochen - seit 1994 im Heimatmuseum in speziell gesicherten Tischvitrinen. Betreuung durch den Heimatverein Oberkochen.

Verschiedene Streufunde aus den 5 letzten Jahrzehnten
befinden sich im Heimatmuseum und werden vom Heimatverein Oberkochen betreut.

Dietrich Bantel

 
 
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