Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 444
 

Neue Sinnspruchtafeln am Findling vor dem Römerkeller

In den letzten Tagen hat unser Mitglied Franz Holdenried die neuen Sinnspruchtafeln am Findling vor dem Römerkeller angebracht. Die Erstausführungen dieser Tafeln waren einige Zeit nach der Ausgrabung des Römerkellers im Jahr 1971 von Bürgermeister Gustav Bosch an diesem Findling angebracht worden.

Jahrzehnte später war eine der beiden seinerzeit bei der Oberkochener Firma Egerter/Aluminiumguss gefertigten Alu-Täfelchen abgeschraubt und gestohlen worden, an der anderen hatte der Zahn der Zeit genagt. Franz Holdenried hat nun beide Täfelchen liebevoll neu gestaltet, in Bronze gegossen und nach menschlichem Ermessen »narrensicher« befestigt eingedenk der Tatsache, dass Kinder und Narren auf der einen Seite zwar angeblich die Wahrheit sprechen, andererseits aber nicht nur seit heute, aber heute mehr denn je, auch in der Lage sind, die schönsten Kleinigkeiten der Welt und auch Dinge von großem Wert sinnlos zu zerstören.

Der Römerkeller wurde nach Angaben des Landesdenkmalamts Stuttgart etwa 150 nach Christus erbaut und spätestens 265 nach Christus im Zuge der alemannischen Landnahme überrannt und u.a. wahrscheinlich durch Feuer zerstört. Über ihn wurde im Amtsblatt mehrfach berichtet. Auch im Heimatbuch ist über den Römerkeller, Rest einer römischen »villa rustica«, nachzulesen. Im Gegensatz zu Ellwangen, das, hätte es damals schon bestanden, jenseits des Limes im nicht römischen »Barbarenland« lag, lag Oberkochen noch innerhalb der nahegelegenen Grenze des römischen Weltreichs.

Bürgermeister Bosch hatte sich damals von Gym. Prof. Albert Seckler vom Gymnasium Oberkochen zwei passende Sinnsprüche auswählen lassen, die einen hintergründigen Stellenwert des »Römerkellers« in Oberkochen zu dokumentieren.

Der Text soll daran erinnern, dass der Fahrende durch ihn darauf hingewiesen wurde, dass er sich in unmittelbarer Nähe der Grenze des »Römischen Weltreichs« und damit der »pax romanae«, des Römischen Friedens, den dieses Weltreich zu garantieren für sich beanspruchte, befindet. Mit anderen Worten suggeriert der Sinnspruch, dass die römischen Herren, wenn der Fahrende die nahe Grenze (etwa bei Buch oder bei Dalkingen) überschreite, nicht mehr für das Wohlergehen und das Leben des Fahrenden gerade stehen würden.

Der Text gemahnt nicht in erster Linie an die Vergänglichkeit der Dinge und des Menschen, sondern er erinnert daran, dass sich alles in einem ständigen Fluss befindet, dass sich alles ohne Unterbrechung verändert. Es trifft also nicht zu, dass sich die Dinge erst heute so schnell ändern die Römer stellten schon vor 2000 Jahren fest, dass alles, wohin auch immer man schaut, sich bald ändern wird.

Wenn man genau übersetzt, kann man einen noch tieferen philosophischen Hintergrund aus diesem Sinnspruch heraus übersetzen. Die genaue Übersetzung, die meist übersehen wird, lautet nämlich nicht, dass sich alles bald ändern wird, sondern dass alles bald geändert wird. Das bedeutet auch in Beziehung auf uns selbst, dass wir uns nicht in erster Linie selbst ändern, sondern dass auch wir geändert werden durch Lehre, durch Vorbild und durch Einflüsse aller Art, heute in erster Linie durch die Medien.

Dieser passive Veränderungsprozess läuft heute in der Regel so ab, dass Jugendliche, aber auch Erwachsene, gar nicht mehr bemerken, wie sie verändert und manipuliert werden. Dass auch diese tiefe Erkenntnis schon vor 2000 Jahren bekannt war überrascht vor allem denjenigen, der sich nicht viel oder gar nicht mit der Geschichte befasst.

Dennoch hoffen wir, dass das neue Erscheinungsbild des Findlings vor dem Römerkeller möglichst lange unverändert bleibt.

Dietrich Bantel

 
 
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