Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 434
 

Flug ins Neue Jahr
Flieger-Truppe Münsingen

Am 22. April des Jahres 2002 fand ich, per Post in einem Umschlag zugestellt, das heute abgedruckte Foto (12,2 cm auf 18,6 cm), einen sogenannten »Bild vom Bild« Abzug in meinem Briefkasten vor. Auf dem Umschlag war kein Absender vermerkt, dagegen befindet sich auf der Rückseite des Fotos ein handgeschriebenes und unterschriebenes Gedicht, das folgendermaßen lautet:

Die Rote kann geflogen auf einem Fass Benzin,
da meinten die Franzosen, es wär der Zeppelin.

Otto Muckenhaupt

Otto Muckenhaupt ist vor Jahren verstorben und seine Frau hatte mir das Kuvert nicht in den Kasten gesteckt - sie wusste auch nichts von dem Foto, bestätigte aber eine Aussage der ebenfalls befragten Frau Trudi Fischer, derzurfolge das Gedicht sich auf jene bezieht.

Frau Fischer erzählte, dass sie in jungen Jahren blond war. Später hätte sich das Haar so deutlich ins Rötliche verfärbt, dass man ihr das oben erwähnte Gedicht auf dem Schulweg »nachgeschrieen« habe. Dass das Gedicht von Otto Muckenhaupt stammt, wollte sie, zumal es persönliche Gründe dafür gibt, nicht ausschließen. Aber auch ihren eigenen Vater, Josef Fischer, genannt »PX«, komme als Verfasser durchaus in Frage.

Wenn wir das Foto genau studieren, erkennt man den Namen des Flugzeugs, beziehungsweise der Flugzeugattrappe, die sich im Atelier des im Foto genannten Fotographen Krieg befindet. Das Flugzeug heißt: »Rumpler Taube« und trägt die Nummer 1145. Ferner erkennen wir unter den beiden hinten im Flugzeug sitzenden Personen ein Schild mit der Aufschrift »Flieger Truppe Münsingen«.

Insgesamt befinden sich fünf Personen in dem Flugzeug - Soldaten ans dem ersten Weltkrieg - so dass das Foto in die Mitte des zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts datiert werden kann. Frau Fischer entsinnt sich an dieses oder ein ähnliches Foto, auf dem drei oder fünf Personen in der Flugzeugattrappe sitzen. Den vordersten Soldaten, der ein Lenkrad in der Hand hält, ordnete sie als Bruder Hans ihres Vaters ein.

Der Heimatverein wünscht, dass die Leser unserer Berichte mindestens so gut ins Neue Jahr geflogen sind, wie die fünf Hauptdarsteller in unserem Foto und natürlich, dass Leser, die irgend etwas zu dem Foto sagen können, uns das wissen lassen. (Tel. 7377).

Dietrich Bantel

 
 
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