Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 433
 

Weihnachtswunsch erfüllt

Dass Bürgermeister und Gemeinderat trotz äußerst angespannter Kassenlage im Haushaltsplan für das Jahr 2003 214.000,-- Euro für den Erwerb des Mühlengesamtareals der Unteren Mühle (Scheerermühle) eingestellt haben (BuG vom 6. 12. 2002), ist aus vielerlei Sichten ein großes Licht an dem seit sieben Jahren doch so düsteren Mühlenhimmel.

Der Heimatverein und sein Vorsitzender haben sich seit 1995 nachhaltig für den Erhalt des Gesamtanwesens »Scheerermühle« eingesetzt und auch dafür, dass zusätzlich zum eigentlichen Mühlengebäude, das testamentarisch zunächst aus dem Zusammenhang herausgerissen als Einzelgebäude auf die Stadt geschrieben war, das gesamte Mühlen Anwesen unter Schutz gestellt und von der Stadt erworben wird. Das Anwesen »Scheerermühle« ist die einzige Alt Oberkochener größere zusammenhängende gewachsene Bausubstanz mit einer traditionsreichen Geschichte.

Eine Mühle am Ort der heutigen Scheerermühle wurde laut Unterlagen der Württenbergischen Gebäudebrandversicherung von 1942 zwar erst im Jahr 1877 anstelle eines Vorgängerbaus erbaut. Einer Königsbronner Urkunde zufolge ist eine Mühle an dieser Stelle jedoch bereits im Jahr 1358 belegt, wenige Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung Oberkochens im Jahr 1337. Das heißt, dass die Geschichte der sogenannten »unteren Mühle« in die Mitte des 14. Jahrhunderts, die Zeit der hohen Gotik, zurückweist.

Heute soll jedoch nicht über die Geschichte der Mühle berichtet, sondern nur unsere Freude zum Ausdruck gebracht werden darüber, dass nach sieben Jahren eine fast endlos erscheinende Zeit, in der vor allem die äußeren Anlagen der Mühle beträchtlichen Schaden genommen haben, zu Ende geht, denn immerhin ist die Oberkochener Mühle ein geborenes, wenngleich sicherlich auch kostenintensives Museumsstück, das sich in mannigfaltiger Weise öffentlich nutzen lässt.

Die Stallung gegenüber der Mühle wurde entsprechend den Unterlagen der o. g. Gebäudebrandversicherung im Jahr 1876 erbaut. In diesem Gebäude beeindrucken vor allem die neuromanischen Gewölbe. Die gewaltige Scheuer ist, wie kürzlich berichtet, ein Zeugnis heimischer Zimmermannskunst - sie wurde nach dem 2. Weltkrieg von der Zimmerei Willibald Mannes anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Nicht von ungefähr sei der Vergleich mit der Markthalle von Dives sur Mer an dieser Stelle wiederholt.

Im Amtsblatt wurde bereits angekündigt, dass sich der Gemeinderat im kommenden Jahr intensive Gedanken zur Nutzung des Areals machen wird.

Unser Wunsch, den wir mit dem kleinen Linolschnitt von der »Scheerermühle« verbinden, ist, dass auf Weihnachten auch viele andere Wünsche anderer Bürger und Vereine, die, wie der Mühlenwunsch des Heimatvereins nicht nur im materiellen, sondern auch im ideellen Bereich eines öffentlichen Interesses liegen, in Erfüllung gehen.

Dietrich Bantel

 
 
Übersicht

[Home]