Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 420
 

Goldene Verdienstmedaille WK 1
Josef Gold (1885 - 1968)

In Bericht 253 in BuG vom 27.10.1995 berichtete der HVO über Josef Paul Fischer (PX), dem am 29.12.1917 (nicht 1916) in Stuttgart von König Wilhelm II die Württembergische Goldene Militär-Verdienst-Medaille überreicht worden war.

Vor wenigen Tagen stiftete Dieter Gold dem Heimatverein das 1959 erschienene »Ehrenbuch der Württembergischen Goldenen Militär-Verdienst-Medaille«. Diesem Buch ist auf Seite 36 zu entnehmen, dass Josef Paul Fischer (1891-1975), Brunnenhalde 4, nicht der einzige Oberkochener Träger dieser hervorragenden Auszeichnung gewesen ist. Außer ihm erhielten diese Medaille noch: Josef Gold, Landwirt, Heidenheimer Straße 42, am 22.9.1918, und Franz Grupp, Bauer (Goldabauer), Heidenheimer Straße 36, am 5.10.1916.

Heute wird in Kürze sowohl über das Buch als auch über Josef Gold berichtet. Nach einer historischen Betrachtung über die Entwicklung der Militär-Verdienstmedaillen (Silber und Gold), die bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht, ist auf Seite 12 des genannten Buchs zu lesen, dass im Ersten Weltkrieg sage und schreibe 201412 Unteroffiziere und Mannschaften die Silberne Militär-Verdienst-Medaille, dagegen aber nur 4234 Offiziere, meist Oberleutnants und Leutnants, Unteroffiziere und Mannschaften die Goldene Militär-Verdienst-Medaille erhalten haben.

Auf Seite 13 steht: »Für die Verleihung der Goldenen Militär-Verdienst-Medaillen waren die Verleihungsgrundsätze nicht immer gleichmäßig; teilweise wurde der Besitz des Eisernen Kreuzes 1. Klasse vorausgesetzt. Später wurde die Goldene anstelle des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, oder EK 1 und dann, nach weiterer Tat, die Goldene verliehen. Auf jeden Fall ist die Württembergische Goldene Militär-Verdienst-Medaille vermutlich die einzige württembergische Kriegsauszeichnung, die nur für hervorragende und im Besonderen nachzuweisende Verdienste, an der Front vor dem Feinde, verliehen wurde.

Sie war anfänglich 17,5 gr schwer mit einem Goldgehalt von 986, nach 1914 wurde sie mit 16 gr 585, nach Juli 1915 mit 13 gr 585, ab September 1915 bis Kriegsende 13 gr schwer und 333 Feingold ausgegeben.«

Josef Gold war der Großvater von Dieter Gold, verheiratet mit Katharina geb. Geißinger (Bäckerei). Unser Foto (Abb. 1) stammt aus den Fünfzigerjahren und zeigt Josef Gold in seiner Funktion als Waldschütz bei der Realgenossenschaft. Das Ehepaar Gold hatte 3 Söhne: Josef, der älteste, ist im 2. WK in Russland vermisst, Willibald, der mittlere, war Dieter Golds Vater, Karl Gold, der jüngste, gründete die bekannte Werkzeugfabrik, heute am Ortsausgang Richtung Aalen.

Zahlreiche Erinnerungsstücke an den Großvater schmücken das Wohnzimmer von Dieter Gold, unter anderem ein wunderschöner sogenannter »Reservekrug«, der aus der Ulmer Garnisonszeit des Großvaters stammt. In schöner Schrift steht darauf:

Wir dienten an der Donau Strand
2 Jahre treu dem Vaterland
Der Kompanie den letzten Gruß
Treu kehr ich wieder wenn ich muß.

Gefr. Tambour Gold.

Dann folgen sämtliche Namen des Regiments. Die unterste Zeile lautet:
Erinnerung an 7. Comp. Grn. Regt. König Karls Württ. No. 123, Ulm 1905 - 1907.

Josef Gold musste wiederkommen wie sein Militärpass ausweist mit Datum vom 11. Oktober 1905 zum Grenadier Regiment König Karl (5. Württ.) Nr. 123, 7. Kompanie. Außerdem ist dem Pass der gesamte militärische Werdegang, samt allen Beförderungen bis zur Entlassung am 13.11.1918 festgehalten.

Außer der Goldenen Militär-Verdienst-Medaille mit Ehrensold (ab 1.8.1939 RM 20,- pro Monat) hatte Josef Gold das EK II und die Dienst Auszeichnung III. Sowohl den Militärpass seines Großvaters als auch dessen Soldbuch, in welchem u. a. die Heimaturlaube vermerkt sind, übereignete Dieter Gold zusammen mit anderen Dokumenten dem Heimatverein.

Aufschlussreich ist auch eine Urkunde des Tambourmeisters Josef Gold, die wohl alle im Regiment 126 am Ende des Kriegs erhalten haben mit eingearbeitetem individuellem Foto (Abb. 2).

Der reich illustrierte Urkundentext lautet:
1914 Kriegs Chronik 1918 Josef Anton Gold
Sergeant im 8. Württbg. Inf. Rgt. No 126 8. Kp. Wttb. Gold u. Silber M. V. Mcl, Eis. Kr. 2, D.A. 3 Er diente aktiv im 5. wttb. Gren. Rgt. No. 123 von 1905 07. Während d. Weltkriege verließ er die Hei-mat am 6. 8. 1914 u. nahm ruhmvollen Anteil an folgd. Kämpfen a. d. Westfr. 1914 b. Eton i. Cheppy-wald 1914 1915 i. d. Argonnen, Höhe 265, Fille morte, 1917 i, Flandern, im Artois, 191711918 in frz. Flandern, 1918 große Schlacht in Frankreich, Dchbr. Monchy, Cambrai, b. Bapaume, zw. Arras Albert v. Armentiers. frz. Flandern, v. Monchy, Bapaume. Am 24. Nov. 1918 Inf. Demobilmachg. aus dem Heere entlassen.
Zum steten Gedenken für alle Zeiten.

Dieser Tage hatte Oberkochen anlässlich der »Sportlichen Begegnung« und anlässlich einer Kunstausstellung »Diver Maler im Rathaus« zahlreiche Gäste aus unserer französischen Partnerstadt Dives sur Mer in der Normandie in Freundschaft und herzlicher Atmosphäre. Es mag widersprüchlich klingen: Die Kriege mit Frankreich wurden nicht umsonst geführt - wir haben aus ihnen gelernt, ohne die Vergangenheit zu vergessen.

Dietrich Bantel

 
 
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