Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 415
 

Oberkochen, das Oberstdorf der Schwäbischen Alb
Skihochburg in den Zwanziger und Dreißiger Jahren (1)

Im Anschluss an die 15. OHV des Heimatvereins am 19. März berichteten unsere beiden Mitglieder und Skiveteranen Clemens Grupp (92) und Willibald Grupp (86) über die Anfänge des nordischen Skilaufs in Oberkochen. Die Programm-Ankündigung hatte genügt, zwischen 40 und 50 Gäste ins »Schillerhaus« zu locken. Und wahrhaft: Sie kamen alle auf ihre Kosten. Der Vorsitzende führte in das spannende Thema ein, indem er einige ausgewählte Zitate aus alten Zeitungsartikeln und Protokollen vorlas, z. B.

Kocherzeitung vom 1. Januar 1924, Oberkochen (Schneesport) (Vorstand: Buchhalter Maier, Förderer: Fabrikant Fritz Leitz).
»...In aller Stille wurde hier ein Kurs für Schneeschuhfahrer abgehalten, an dem sich 25 Fahrer beteiligten. Innerhalb 8 Tagen gelang es, die Fahrer soweit auszubilden, dass alle den Stemmbogen durch 12 Stöcke hindurch und ein Teil der Fahrer bereits Telemark und Christiania fahren können. Das Herz eines jeden Sportfreunds muss höher schlagen, wenn er die Fahrer - alle in schöner Haltung - an unseren Halden in kühnen Schwüngen üben sieht; auch die liebe Schuljugend huldigt auf Fassdauben dem schönsten und gesündesten Sport... Allen Schneeschuhfahrern möchten wir zurufen: Auf nach Oberkochen, das man füglich unser »Schwäbisches Oberstdorf« nennen darf. Hier findet ihr Übungsplätze, wie sie schöner weder im Schwarzwald noch im Allgäu anzutreffen sind....«

Bereits am 15. 3. 1925 nennen die Protokolle als Sieger in den Gauwettkämpfen:
Schülerlauf Klasse 1: Clemens Grupp 1. Preis
Schülerlauf Klasse 3: Willibald Grupp 1. Preis
Sprunglauf: Anton Grupp 6. Preis

In einer Kocherzeitung von 1927 (leider ohne Datum) steht:
» ... Beim Sprunglauf in Aalen hat unser Clemens Grupp mit zwei weitesten gestandenen 18 Meter Sprüngen und einem leider gestürzten 19 Meter Sprung die Bestnote des Tages 18,291 - die beste Leistung in allen Klassen vollführt - trotzdem wir hier in Oberkochen keine Gelegenheit zum Springen auf einer größeren Schanze haben. Die im vergangenen Jahr angelegte Sprungschanze, die sogenannten Dreißental kann bekanntlich wegen er dort nachträglich gebauten Schießbahn nicht mehr benutzt werden«.

In der Kocherzeitung vom 20. Januar (?) 1929 steht:
»Ostgauläufe des S.S.B. in Heidenheim - Sprungschanzenweihe.
Gaubester: Grupp Anton Oberkochen, Note 18, 788. Weitest gestandener Sprung 22,5 Meter: Clemens Grupp, Oberkochen
Bestzeit des Damenlaufs: Rosa Grupp, Oberkochen«.
Gaulauf 1931 in Oberkochen:
» ... Ein sehr großes Interesse wurde dem Sprunglauf entgegengebracht, es waren etwa 1200 Schaulustige, die auf die kühnen Springer beim heutigen Eröffnungsspringen der neuerstellten »Hans-Maier-Schanze« am Hirtenrain Schi Heilrufe ausbrachten ... «
»Bei der Preisverleihung, die im »Hirsch« stattfand, konnte Herr Krimmel vom Schwäbischen Schneelaufbund Herrn Clemens Grupp, Oberkochen, das Abzeichen des Gau-Besten an die Brust heften ... «

Stuttgarter Neues Tagblatt vom 16. Januar 1932:
» ... So gehört Oberkochen und seine Umgebung zu einem der bedeutendsten Schigebiete der ganzen Alb. Sonnige Höhen und schattige Mulden bis ins Frühjahr hinein«.

Alle deutschen Zeitungen berichten vom Sonntag, 26. Februar 1933
Karl Lense Oberkochen Deutscher Schi-Meister im 50 km Lauf..
»...Bei schärfster Konkurrenz konnte Karl Lense Oberkochen, wie schon berichtet, durch zähe Energie sich vor die führenden Bayern schaffen. Ohne jegliche Beschwerde absolvierte er die 50 Kilometer lange Strecke in 3 Stunden und 45,31 Minuten und war bei seiner Ankunft am Ziel so frisch, dass er, wie er erklärte, den Lauf hätte nochmals machen können ... «

    

Dietrich Bantel

 
 
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