Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 407
 

Waldnutzungen im Wandel der Geschichte

Am 15. November hielt Jörg Mente, leitender Forstdirektor des Staatlichen Forstamts Oberkochen im Rahmen der heimatkundlichen Vorträge des Heimatvereins Oberkochen im Schillerhaus einen Vortrag zum Thema »Nutzungsänderungen unserer Wälder in der Geschichte«. Herr Mente verstand es, die zahlreich erschienenen Zuhörer in didaktisch höchst anschaulicher Weise, mit großem Fachwissen, Herz und Humor für die Sache des Waldes und eine sinnvolle Nutzung seines Reichtums unter dem Leitgedanken der »Nachhaltigkeit« zu begeistern.

Mit Spannung verfolgten die Zuhörer die Ausführungen zur totalen Übernutzung der Wälder im 30-jährigen Krieg. Dann wurde die Zeit der hochherrschaftlichen Jagden lebendig. Wildbestand und Jagd war einzig und allein Sache der absolutistischen Herrscher. Zitat Mente: »Die überhöhten Wildbestände, einschließlich der Jäger, waren eine Landplage«. Dies wird leicht einsichtig, wenn man erfährt, dass eine einzige Jagd, die nur zur Belustigung der »Herren« diente, umgerechnet zwischen 2,5 und 5 Millionen Mark kostete, die letztlich vom Volk aufzubringen waren.

Nicht übersehen werden darf der hohe »Ernährungswert« des Waldes für Mensch, aber auch für Tiere (Waldweide, Schweinemast, Laubstreu...).

Der Holzverbrauch für das Bauwesen, den Schiffsbau, die Gebrauchsartikel des Alltags und für so vieles mehr steigerte sich zusehends.

Eisenverhüttung, Salinen, Glasbrennerei und Köhlerei verursachten überdies einen ständig wachsenden und heute nicht mehr vorstellbaren Holzverbrauch. Um das Holzgewicht und somit die Transportkosten zu minimieren und gleichzeitig den Brennwert des Holzes in Form von Holzkohle zu steigern, verbreitete sich in Gegenden, wo es keine Steinkohle gab, rasch vor allem das Köhlereiwesen. Dieses wurde erst mit dem Aufkommen der Eisenbahn, und damit der Möglichkeit die wertvollere Steinkohle herbeizuschaffen, wieder rückläufig.

Gmünd um 1840: Der »Wald« um Schwäbisch Gmünd bestand aus wenigen dünnstämmigen Laubbäumen und Buschwerk (Aus: Das Königreich Württemberg, 1841 von Ph. Adam)

So kam es, dass es um 1860 fast nur noch verkrüppelte Bäume und kein Stammholz mehr gab. Holznot (Holzdiebstahl) und Hunger (Wilderei) waren mit die Hauptgründe für eine entsprechende Kriminalität in einer verarmten Bevölkerung und, zusammen mit der Landnot, Grund für viele Menschen, auszuwandern. Nach zögerlichen Anfängen einer geregelten Waldbewirtschaftung im 18. Jahrhundert kann man erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts von zukunftsorientiertem Waldbau und einer geregelten Waldnutzung sprechen.

Sollte die Erwärmung der Erdatmosphäre weiter fortschreiten, so ist absehbar, dass Nadelhölzer künftig immer mehr zurückgedrängt werden, - im wärmeren Großraum Stuttgart früher als bei uns auf der rauen Ostalb.
Als Dank für seinen hervorragenden Vortrag übergab der Vorsitzende des Heimatvereins FD Mente ein gerahmtes Großfoto, das eine der letzten Wildkatzen Württembergs zeigt, die vor 120 Jahren im Hagental bei Oberkochen von Waldschütz Josef Ebert erlegt wurde. Sie ist fast einen Meter groß und befindet sich heute im Rosensteinmuseum in Stuttgart.

Dietrich Bantel

 
 
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