Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

Bericht 397
 

Das Schillerhaus - und wie es zu seinem Namen kam

Als evangelische Schule im Jahr 1860 erbaut, durchlebte das Gebäude »Aalener Straße 19« das heutige Schillerhaus, eine bunte Geschichte. Die wichtigsten Etappen gehen aus der Bronzetafel, die links des Haupteingangs montiert ist, hervor.

1860 als ev. Schule erbaut. Im Untergeschoss befand sich ein Schulraum, in welchem alle Klassen unterrichtet wurden. An der Stelle des heutigen Haupteingangs befand sich früher die Remise (Leichenwagen). Im Obergeschoss war die Lehrerwohnung 8 Räume zuletzt von der Lehrerfamilie Gottlob Braun bewohnt. Das Gebäude Aalener Straße 19, heute Schillerhaus, diente bis 1936 als ev. Schule.

1860 als ev. Schule erbaut. Im Untergeschoss befand sich ein Schulraum, in welchem alle Klassen unterrichtet wurden. An der Stelle des heutigen Haupteingangs befand sich früher die Remise (Leichenwagen). Im Obergeschoss war die Lehrerwohnung - 8 Räume - zuletzt von der Lehrerfamilie Gottlob Braun bewohnt. Das Gebäude Aalener Straße 19, heute Schillerhaus, diente bis 1936 als ev. Schule.

Danach waren verschiedene öffentliche Einrichtungen untergebracht.
1957 - 1958 Außenstelle des Schubart Gymnasiums Aalen.
1959 - 1967 Ortsbücherei bis zum Neubau des Rathauses.
1970 - 1976 Fa. Beier
1979 - 1989 Jugendhaus

Im Jahre 1989 wurde das Gebäude durch einen Gemeinderatsbeschluss den heutigen Zwecken zugeführt:
Untergeschoss: öffentliche Räume für div. Veranstaltungen
Obergeschoss: Heimatverein - Heimatmuseum
1993 Übergabe Schlüssel an Heimatverein - Bühne wurde hinterher weitgehend in Eigenleistung hergerichtet.
1997 Eröffnung Heimatmuseum

Das Stichwort »Heimatmuseum ab 1993« ist ein bisschen dick aufgetragen, denn, wer die Geschichte verfolgt hat, weiß, dass in diesem Jahr erst der Beschluss fiel, dass der Heimatverein eines Tages in diesem Gebäude, das zwischen 1989 und 1993 leer gestanden hatte, sein bei der Vereinsgründung im Jahre 1987 u. a. genanntes Vorhaben »Heimatmuseum« verwirklichen kann. Auf Grund intensiver Vorplanung war es dann, nach großen finanziellen und zeitlichen Opfern von Mitgliedern und wohlwollenden Nichtmitgliedern möglich, das Museum bereits im Jahr 1997, nicht 1993, anlässlich der 650 Jahre Oberkochen Feier, zu öffnen. Seither hat sich viel verändert und die Museumsexponate wurden in ständiger Arbeit erweitert.

Ganz langsam erfreut sich das Museum auch des Besuchs von auswärtigen Interessenten.

Vor allem diese Gäste weisen immer wieder darauf hin, dass man das Schillerhaus nicht finde. So ist der Heimatverein bei der Stadt vorstellig geworden, mit dem Wunsch, dass man sowohl das Schillerhaus als solches als auch das Heimatmuseum durch Beschriftung kenntlich machen wolle, wie das auch andernorts üblich ist.

Dies ist mittlerweile in unaufdringlicher aber meisterhafter Weise durch die Firma Schönherr geschehen.
Der Ausleger für das Schild »Heimatmuseum« stammt vom »Hirsch«; er war dort nicht mehr in Benützung.

Mit der Anbringung des Namens Schillerhaus am Gebäude »Aalener Straße 19« ist für viele Besucher natürlich noch lange nicht geklärt, weshalb das Schillerhaus so benannt wurde, denn der entsprechende Gemeinderats-Beschluss liegt zwar erst acht Jahre zurück, aber zumindest die Vorgeschichte ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Deshalb soll an dieser Stelle ein sinngemäß leicht veränderter Brief veröffentlicht werden, den der Vorsitzende des HVO am 13. Mai 1998 an den Leiter der Landesstelle für Museumsbetreuung Baden Württemberg in Stuttgart, Herrn Dr. Axel Burkarth, geschrieben hat. Dr. Burkarth hatte exakt die gleiche Frage an ihn gerichtet.

Hier den Brief:
Wie das »Schillerhaus« zu seinem Namen kam
Weshalb »Schillerhaus«? - eine kurze Frage - Stoff für eine abendfüllende Antwort. Ich will's kurz machen.

In den 80er-Jahren wurde in Oberkochen durch Gemeinderatsbeschluss die »Schillerstraße« in »Heinz-Küppenbender-Straße« umgetauft - eine posthume Würdigung einer führenden Carl-Zeiss-Persönlichkeit. Das hatten bis zur Ernennung der alten Evangelischen Schule im Gebäude Aalener Straße 19 zum »Schillerhaus« im Jahre 1993 viele Oberkochener nicht »verwunden«. Der Schwabe Schiller weg, ein Zeissler dafür da.

Als die alte Evangelische Schule, die den verschiedensten Zwecken, zuletzt als Jugendhaus gedient hatte, ebenfalls durch Gemeinderats Beschluss, 1989 in ein zweifach genutztes öffentliches Gebäude (UG: Raum zur Nutzung durch Vereine für Vorträge, Versammlungen, etc... mit Cafeteria, OG und Bühne Heimatverein/Heimatmuseum) umgewidmet wurde, tauchte irgendwann die Namensfrage für dieses Gebäude auf.

Die CDU stellte im Gemeinderat den Antrag - zwecks Wiederbeschaffung von Schiller - das Gebäude »Schillerhaus« zu benennen. Die Freien waren geteilt, die SPD neigte eher dazu, das Gebäude weiterhin als »Haus der Begegnung« zu bezeichnen, ein Arbeitstitel, der sich zwischen 1989 und 1993 eingebürgert hatte. (BuG vom 23.04.1993, Seite 362, Sitzungsbericht)

Von den Gegnern der Bezeichnung »Schillerhaus« wurde ins Feld geführt, dass Schiller und Oberkochen nun schon gar nichts miteinander zu tun haben, der Name infolgedessen in den luftleeren Raum gesetzt sei. Bei einer Straßenbenennung tauche dieses Problem weniger auf.

Die Befürworter sagten, dass es nicht darauf ankäme, ob Schiller nun in Oberkochen gewesen sei oder nicht, sondern darum, dass man dem schwäbischen Dichter die Referenz erweise, nachdem er durch die Straßenumbenennung in Oberkochen ausgemerzt sei. Ein erfrischendes Argument, das für »Schillerhaus« durch die Presse ging - in der offiziellen Berichterstattung im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« vom 23.04.93 wurde es leider nicht abgedruckt - war das Statement eines Alt-Oberkochener CDU-Gemeinderats und Metzgers. Ich zitiere aus der Schwäbischen Post vom 21.04.1993: »etwas später wetzte Martin Gold das Messer«. Die entsprechende Argumentation von Martin Gold ist in der Zeitung festgehalten: »In der Bierwurst ist kein Bier und in der Königin-Pastete ist auch keine Königin drin« ...folglich braucht im Schillerhaus auch nicht der Schiller drin gewesen zu sein...

Jedenfalls beschloss der Gemeinderat am 19.04.1993 mit acht Ja-Stimmen gegen sechs Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen, in einer Kampfabstimmung, das Gebäude »Schillerhaus« zu benennen. Die Schlagzeile in der »Schwäbischen Post« vom 21.04.1993 lautete: »CDU drückt Schiller durch«.

Wir haben nach Abklingen des »Streits« im Jahr 1997 im Raum 7 des Heimatmuseums »Vom Dorf zur Stadt« ein einst von Horst Eichentopf für die Evangelische Kirchengemeinde hergestelltes und zwischenzeitlich ausrangiertes Modell der Jenaer »Schillerkirche« aufgestellt, das dem HVO auf meine Bitte hin von der Evangelischen Kirche, die zu DDR-Zeiten Kontakte nach dorthin unterhalten hatte, gestiftet worden war; es hatte vor und nach der Wiedervereinigung als Oberkochener Spendenkasse zur Unterstützung der Restaurierung der Schiller-Kirche im Jenaer Vorort Wenigenjena gedient, in der Schiller im Jahr 1790 geheiratet hat. Daneben haben wir einen Original-Stahlstich von Schiller aufgehängt. So können wir denjenigen, die's interessiert, also auch Ihnen, nun nachträglich doch noch eine Begründung für den Namen »Schillerhaus« liefern, auf die damals niemand gekommen ist:

Schiller hängt mit Jena, Jena hängt mit Carl Zeiss, und Carl Zeiss hängt mit Oberkochen zusammen, - also hängt Schiller auch mit Oberkochen zusammen...
(mathematisch ausgedrückt: a = b, b = c, also a = c)

Der Alltag ist mit den Jahren über diese Geschichte hinweggelaufen, und nur noch wenige denken sich in Oberkochen etwas beim Namen »Schillerhaus« -
Soweit der Brief an Herrn Dr. Burkarth.

Am Beispiel »Schillerhaus« wird einsichtig, wie sehr alles Gewohnheitssache ist. Tatsächlich denken sich auch die einstigen »Gegner« nichts mehr dabei, wenn sie heute vom »Schillerhaus« sprechen.

Dietrich Bantel

 
 
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