Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 377
 

Mineralien aus aller Welt
4. Sonderausstellung im Heimatmuseum

Die 4. Sonderausstellung des Heimatvereins im Raum 8 des Heimatmuseums kam auf Vorschlag unseres aktiven Ausschussmitgliedes StD a. D. Horst Riegel unter dem Thema »Mineralien aus aller Welt« zustande. Wir sind unserem bewährten Motto » ... aus Oberkochener Häusern« treu geblieben und haben auf unsere Aufrufe im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« hin ein lebhaftes Echo erfahren, das es uns ermöglichte, aus den Angeboten von 11 Oberkochener Sammlern und Sammlungen (Paul und Lydia Abele, Günther Schreiber, Theo Stig, Sepp Rosenberger, Wolfgang Kühnert, Konrad Weber, Harald Wollner, Jürgen Kempf, Christina Schneider, Dietrich Bantel, Gymnasium Oberkochen, auszuwählen.

Herr Riegel und vor allem Herr Abele, die den Raum 1 des Museums (Geologie unseres Raumes) eingerichtet haben, brachten ihr enormes Wissen erneut in eine Aktion des Heimatvereins ein. Dafür sei ihnen an dieser Stelle herzlich Dank gesagt.

Herr Riegel war so freundlich, zu diesem Thema einen Artikel für unsere heimatkundliche Berichterstattung zu schreiben. Auch hierfür herzlichen Dank.

Dietrich Bantel

Sonderausstellung »Mineralien«

Zweckfreie Schönheit
Mit Mineralien hatte ich zwar immer wieder einmal zu tun, aber stets nur sporadisch und am Rande meiner sonstigen Tätigkeiten, so z. B. beim Aufbau einer kleinen Mineraliensammlung am Gymnasium Oberkochen. Diese Sammlung war der Chemiesammlung zugeordnet, und die gab ich ab, sobald das Wachstum des Progymnasiums zur Vollanstalt der Schule einen zweiten Fachkollegen bescherte. Aber der Aufbau dieser Sammlung vor über dreißig Jahren hatte mir viel Freude gemacht und mich zum Staunen gebracht über die Vielfalt der Formen und die Schönheit der einzelnen Exponate.

Alles das wurde bei der Vorbereitung und der Einrichtung der Sonderausstellung »Mineralien aus Oberkochener Häusern« wieder erweckt. Dank der Bereitschaft einer ganzen Reihe Oberkochener Bürger, sich für ein Jahr von ihren Sammlungsexemplaren zu trennen, und diese für die Sonderausstellung zur Verfügung zu stellen, kam ein sehr schöner Überblick über die Zauberwelt Mineralien zustande. Wenn an irgendeiner Stelle noch Beispiele fehlten, dann ergänzte sie Paul Abele aus seiner besonders reichhaltigen Privatsammlung. Er brachte seine große Fachkompetenz mit in den Aufbau dieser Ausstellung ein, ohne ihn wäre ich bei der Beurteilung von Wert und Bedeutung der einzelnen Fundstücke ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Die Sonderausstellung wurde nicht nach systematischen Gesichtspunkten geordnet. Die Exponate, die uns ein Sponsor zur Verfügung gestellt hat, wurden möglichst beieinander gelassen, damit sie nach einem Jahr auch wieder in die richtige Vitrine zurückfinden! So können wir Sandrosen an drei verschiedenen Stellen finden.

Mineralien finden sich meist verborgen im Gestein. Amethyste und andere Quarzkristalle befinden sich oft in Drusen, in den Hohlräumen von Gesteinskugeln. Auf manchen Mineralienbörsen werden diese Drusen noch ungeöffnet angeboten, dem Käufer wird aber versprochen, beim Öffnen behilflich sein zu wollen. So weiß dieser dann bald nach dem Kauf, ob er einen Volltreffer oder eine Niete erworben hat!

Achatkugeln entstehen in ähnlicher Weise. Sie stammen meist aus Brasilien. Die Kugeln werden in dünne Scheiben geschnitten; diese sind dann transparent und enthüllen eine wunderbare Farbenpracht. Wir haben zwölf solcher Scheiben in einer Türvitrine ausgestellt. Die Abbildung zeigt sie nur in Schwarzweiß.

Aus Solnhofen kommen die Schieferplatten mit Dendriten. Wer Dendriten zum ersten Male sieht, wird sie für fossile, farnartige Pflanzen halten. Und doch sind sie rein mineralischen Ursprungs. Es handelt sich um Abscheidungen von Mangandioxid oder Eisenoxiden. Lösungen sind in feine Gesteinsspalten eingedrungen, und aus ihnen haben sich dann die Mineralien abgeschieden. Wenn Sie Tinte mit einem Löschblatt aufsaugen, erhalten Sie ähnliche Figuren (aus dieser Beobachtung hat sich zum einen die Papierchromatographie als chemische Analyse und Trennmethode entwickelt zum anderen die Klecksfiguren des Rotschach Texts in der Psychologie!).

Während meines Biologiestudiums in den fünfziger Jahren wurde »Schönheit« stets als »Mittel zum Zweck« angesehen, das bei der Werbung und Balz eingesetzt wurde. Das galt sowohl für das Federrad des Pfaus wie für das Geweih des Hirsches, aber auch für die verschiedensten Methoden, den Menschen attraktiver erscheinen zu lassen. - Nur der Baseler Zoologe Prof. Adolf Portmann war anderer Ansicht. Er wies auf die Schönheit von Lebewesen aus dem Dunkel der Tiefsee hin, die erst offenbar wurden, wenn man diese Tiere an die Oberfläche, ans Licht brachte. Er sprach von einer Art zweckfreier Schönheit. Und das gilt wohl im gleichen Maße für unsere Mineralien!

Überzeugen Sie sich davon!

Horst Riegel

 
 
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