Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 350
 

Die Ostalb im Relief

Unser Mitglied Reiner Mailänder, der in Bayreuth das Studium der Ökogelogie absolvierte, und zur Zeit in Bern an seiner Promotion arbeitet, sagte dem Heimatverein vor 2 ½ Jahren noch vor Eröffnung des Museums zu, dass er speziell für das Oberkochener Heimatmuseum in einem von ihm entwickelten Verfahren eine Reliefkarte unserer näheren Umgebung mit Oberkochen im Zentrum fertigt.

Hierbei zeichnet er auf der Grundlage der topographischen Karten des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg im Maßstab 1 : 50000 die Höhenlinien Tusche-Rapidograph auf Transparentpapier, wobei er nach jeder Höhenlinienlage vor dem Zeichnen der nächsten das Blatt um ein Geringes Richtung Südosten verschiebt. So entsteht im Endeffekt am Albtrauf eine Linien Verdichtung, gegen die Donau zu eine Entdichtung in der Anordnung der Höhenlinien. (Überhöhung 1 : 2,5). Abschließend versieht Reiner Mailänder die Traufseiten mit einer graphitierten Schummerung, wodurch die plastische Wirkung beträchtlich gesteigert wird. Das Landesvermessungsamt hat ausdrücklich bestätigt, dass es sich bei diesem Verfahren um eine eigenständige schöpferische Leistung von Herrn Mailänder handelt, die mit anderen Reliefkarten nicht vergleichbar ist.

Die Fertigung der DIN-A4-Einzelblätter stellt eine unbeschreiblich langwierige Arbeit ohne technische Hilfe dar - pro Einzel-Karte kann eine durchschnittliche Arbeitszeit von ca. 2 1/2 Tagen angesetzt werden.
Die ca. 90 cm auf 90 cm große Karte (ohne Legende), die aus 12 einzelnen DIN-A4-Blättern besteht, ist mittlerweile (Ende 1998) fertig und wurde von der Firma Scheurle/Siebdruck - Unterrombach Mitte 1999 zu einem Blatt zusammengefügt und zunächst 1 mal als Provisorium gedruckt, das probeweise im Heimatmuseum aufgehängt wurde, um Erfahrungen für die endgültige Gestaltung der Legende zu sammeln.

Die insgesamt 40 Punkte, 20 Ortsnamen und 20 Landschaftsbezeichnungen, sollen durch Wahldruck der entsprechenden Tasten in der Legende in der Karte rot und blau aufleuchten.

Der kurze Text in der Legende der Karte, aus der wir heute einen Ausschnitt veröffentlichen, lautet:

Oberkochen und die Ostalb im Relief
Das Panorama zeigt die Ostalb und ihr nördliches Vorland. Da die Schichten nach Südosten einfallen, erreichen sie im Trauf (nördlicher Steilabfall) ihre höchste Lage. Der Trauf wird bei uns von Weißjurakalken gebildet und durch ständige Erosion herauspräpariert, weil die darunter liegenden Braun- und Schwarzjuralagen weniger widerstandsfähig sind.

Die Flüsse im Albvorland streben zum Rhein und haben ein größeres Gefälle als die Flüsse auf der Albhochfläche, die der Donau zuströmen. Dieses größere Gefälle führt zu stärkerer Abtragungskraft, und so fressen sich die rheinischen Flüsse immer mehr in die Alb hinein, so auch der Kocher. Er folgt dabei dem Verlauf des älteren Brenztales, das zur Donau entwässert. Deshalb liegen der Kocherursprung und damit Oberkochen in einem Durchbruchstal der Alb. Diese Lage hatte große Auswirkungen auf die geschichtliche Entwicklung, besonders auf die Besiedelung und den Verkehr.

Das Landesvermessungsamt teilt uns in seinem Schreiben vom 6. 8. 99 mit, dass es auf ein Nutzungsentgelt verzichtet, wenn die Karte nur für heimatkundliche Zwecke verwendet wird. Der Genehmigungsvermerk lautet: Höhenlinien hochgezeichnet aus der Topographischen Karte 1 : 50000 des Landesvermessungsamts Baden-Württemberg Az.: 2851.3 A/ 65.

Die »Elektrifizierung« der Karte haben Coni Weber, der für das Heimatmuseum bereits das wunderschöne Modell vom Hochofen und der Schlackenwäsche beim Kocherursprung gefertigt hat, und sein Sohn Norman übernommen.

Wir freuen uns sehr, unseren Lesern heute diese im Entstehen begriffene hervorragende Bereicherung des Oberkochener Heimatmuseums vorstellen zu können. Unser Dank gilt in erster Linie Reiner Mailänder, Coni und Norman Weber, und der Druckerei Scheurle, die wiederum, wie schon bei der Museumsdidaktik, hervorragende Arbeit geleistet hat.

Bausteine fürs Heimatmuseum:
Ein auf DIA-A3 verkleinerter brillanter Sonderdruck der Reliefkarte kann für DM 5.- über Tel. 7377 (Bantel) und Tel. 7131 (Gold) und an der Kasse des Heimatmuseums bezogen werden. Der Reinerlös wird zum weiteren Ausbau des Heimatmuseums verwendet.

Reiner Mailänder hat zu der Reliefkarte einen Begleittext den wir Interessenten auf Wunsch gerne zugänglich machen.

Auch hierfür gilt ihm unser besonderer Dank, vor allem auch deshalb, weil er es durch seine selbstlosen Gesamt-Arbeit ermöglicht hat, dass der Heimatverein das kleine Jubiläum für seinen 350. Beitrag in seiner seit 1988 laufenden heimatkundlichen Berichterstattung im Rahmen der Serie »Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag« mit einem so herausragenden Beitrag feiern kann.

Dietrich Bantel

 
 
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