Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 342
 

Der Leitz-Stollen (4) - Bildbericht

Abschließend wie angekündigt ein Bildbericht zum Leitz-Stollen.

Die Fotos entstanden 1994 im Auftrag des Baubüros (Kießling) der Firma Carl Zeiss im Zusammenhang mit der Versiegelung des Leitzstollens. Dem Fotografen Karl-Uwe Furtwängler assistierten damals 2 weitere Mitarbeiter der Firma, Josef Kieweg und Andreas Feuerstake. Über das Büro von Prof. Ramming erhielten wir einen Satz dieser damals entstandenen 20 Aufnahmen. Herr Kieweg, der die Anregung gegeben hatte, den Stollen vor der Schließung zu fotografieren, war so freundlich, uns exakte Beschriebe der Fotos zu geben, aus denen wir einen mehrseitigen Bericht für das Archiv des Heimatmuseums gefertigt haben. Hier nur eine knappe Zusammenfassung.

Die 6 Fotos sind durchnummeriert auf der Grundlage des von Herrn Wiedemann (verst.) und von Herrn Gottfried Martin am 25. 10. 1978 gemeinsam erstellten Plans, in den die Standorte beim Fotografieren (1 - 6) eingezeichnet sind.

Dieses Foto zeigt den heutigen Stollen-Eingangsbereich vom Stolleninneren nach außen. Durch die Öffnung in der Stahlwand ist der »Mauerbau« erkennbar. Das Gestein in diesem Zubringerteil ist nach über einem halben Jahrhundert stark angewittert - größere von der Decke gefallene Felsbrocken sind erkennbar. Der vermauerte Eingang zu dem an mehreren Stellen einsturzgefährdeten Stollen befindet sich im Bereich Ecke Bau 14 und Bau 28.

Am Ende des in den Berg führenden Gangs befindet sich ein Versturz oder eine Verfüllung, - möglicherweise ein eingestürzter Luftschacht. Dahinter wären in einiger Entfernung links abbiegend die »Märchenhöhlen« zu denken. Vor dem Versturz liegt der Fertigungsstollen 4, (Zylinderstraße) in dessen Mitte der Luftschutzstollen liegt, nach links ab.

Wir befinden uns in dem ursprünglich als Fertigungsstollen 4 (Zylinderstraße) geplanten parallel zum Hang verlaufenden Stollenteil, der sich an dieser Stelle zwischen Rohbau und Fertigstellung befindet. Hier wurde ganz offensichtlich gearbeitet, bis dann 1945 die Arbeiten eingestellt wurden, weil kein Material mehr geliefert wurde. Die Vorgehensweise beim Ausbetonieren ist ablesbar. Zunächst wurde soviel Felsmaterial abgebaut, dass vorgefertigte metallene Leergerüstbogen (Stahl) und dahinter die Schalbretter angebracht werden konnten. Der Beton muss sukzessive unter Pressluft-Druck in die Leerräume zwischen Verschalung und Fels gespritzt worden sein.

Standort jenseits des Eingangs im Stollenrohbau (herabgebrochenes Gestein) mit Blick zurück in den fertigbetonierten Stollenteil im Bereich des Luftschutzstollens in Richtung Luftschutzstollen. Die geöffnete Gasschutztür zum Luftschutzstollen ist links in dem fertiggestellten Stollenteil erkennbar. Die Person auf dem Foto ist unser Informant Josef Kieweg.

Der 2 m breite, 5 m tiefe und 3 m hohe gewölbte Luftschutzstollen zum Vergleich: die Stuttgarter Luftschutzstollen waren lediglich gut 2 m hoch, nicht gewölbt und nur mit Holz verkleidet.

Dieser fertiggestellte Raum ist auch bergseits mit einer Betonwand abgeschlossen. In dem Raum befindet sich noch heute eine halb hochgeklappte Liege.
Auf der Gasschutz-Zugangstür zum Luftschutzstollen befand sich ein Schild, das auf Foto 3 in Augehöhe der Person erkennbar ist.

Gasschutztür 0080 L
Mannesmann - Stahlblechbau
Aktiengesellschaft
BERLIN C 2
Kenn Nr. R L 3 36/64 Vertrieb gemäß
§ 8 Luftschutzgesetz genehmigt

Herr Kieweg montierte das Schild anlässlich der Aktion ab und übergab es dem Heimatverein.

Standort am Ende von Fertigungsgang 4 (Zylinderstraße). Blick in die Rohbau-Verlängerung des zweiten Zugangsstollens, der senkrecht zum Fertigungsgang 4 (Zylinderstraße) in den Berg führt und nach wenigen Metern im Fels endet. Hier liegen ein Büroschrank, Leitungsrohre und Kabel auf dem Boden, teils in klaren Sickerwässern. In der anderen Richtung, also in Richtung des zweiten Zugangs von der Firma Leitz her, ist dieser Stollen nach ca. 4 m nachträglich verfüllt. Dies deckt sich mit anderen Angaben, denen zufolge der 2. Zugang bald nach Kriegsende wegen Einsturzgefahr aus Sicherheitsgründen verfüllt wurde.

Frage 1:
Wenn es in Oberkochen jemanden gibt, oder wenn jemand bekannt ist, der 1944/45 Einblick in den Bau der unterirdischen Fertigungsanlage hatte, so bitte ich dringend, dass er sich mit mir (Tel.7377) in Verbindung setzt.

Frage 2:
Gibt es Oberkochener, die uns Name und Anschrift von Kriegsgefangenen vermitteln können, die am Stollenbau beteiligt waren? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, da die am Stollenbau beteiligten Gefangenen in einem abgeschlossenen Barackenlager (Nr.3) untergebracht waren und scharf bewacht waren.

Dietrich Bantel

 
 
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