Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 327
 

Überfall auf die Kreissparkasse am 4. Juli 1975

Einige Jahre nach dem Überfall notierte ich für meine »Oberkochener Geschichten und Anekdoten«:

»Um die Mitte der Siebziger Jahre wurde unter anderen Oberkochenern der »Pflugwirt« Rudolf Fischer Zeuge eines bis heute nicht aufgeklärten Überfalls auf die »fürstliche« Zweigstelle der Kreissparkasse Aalen in Oberkochen. Die Bankräuber zwangen alle anwesenden Kunden, darunter auch den »Pflugwirt«, mit vorgehaltener Pistole, sich im Schalterraum der Bank mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen. Als die Räuber sich mit dem erbeuteten Geld dem Ausgang näherten, soll der »Pflugwirt« einen der beiden gefragt haben: „Siea, Herr Bankräuber, därfen mir jetzt wieder aufschtanden?” Hinterher bemerkte er: „Mannt, wenn der gwußt hätt, daß i zwoitausend Mark em Sack g'heet hao!” –

Auch der 15jährige Reinhold Betzler lag am Boden: »Ich dachte nur noch eines, hoffentlich schießt er nicht«

Bekannt wurde seinerzeit lediglich, daß die Räuber mit einem grauen Mercedes im irrsinnigem Tempo durchs Wolfertstal Richtung Essingen geflüchtet sein sollen.

Im Amtsblatt »Bürger und Gemeinde« vom 11. Juli 1975 erschien im »Resümee der Woche« ein kurzer Hinweis unter Freitag, 4. Juli 1975: »Gegen 11.45 Uhr überfielen zwei bewaffnete Bankräuber die Kreissparkasse in der Heidenheimer Straße und erbeuteten DM 136.000,- .«

Am 12. August 1998, nach über 23 Jahren, meldeten die Polizeiberichte der lokalen Berichterstattung:

Überfall verjährt.
Oberkochen (avz) - Die Hauptverdächtigen im Entführungsfall Schlecker haben während der Vernehmungen durch Beamte der Sonderkommission »Tresor in Tübingen« 16 weitere Straftaten eingeräumt, darunter einen Raubüberfall auf die Kreissparkasse Oberkochen am 4. Juli 1975. Sie hatten damals rund 136.000 Mark erbeutet. Die Tat ist verjährt.

Aus diesem Anlaß habe ich nun die »Aalener Volkszeitung« und die »Schwäbische Post« gebeten, dem Heimatverein die seinerzeitigen Original Berichte vom Samstag, 5. Juli 1975, zur Verfügung zu stellen.

Hier die Schlagzeilen zu dem Banküberfall vor 23 Jahren und eine knappe Zusammenfassung:
11.47 Uhr mittags, als die meisten beim Essen saßen: Banküberfall in Oberkochen am hellichten Tag. Täter entkamen mit einer Beute von 111.000 DM. Es handelte sich um 2 Männer mit Maschinenpistolen, beide mit angeklebtem Kinnbart und Perücke.

Im Schalterraum herrschte zum Zeitpunkt des Überfalls reger Geschäftsbetrieb. Einer der beiden Männer befahl allen Anwesenden, sich hinzulegen. Kaspar Fürst, der Leiter der Zweigstelle, befand sich in seinem Raum nebenan und versuchte, nachdem er bemerkt hatte, was ablief, sich nach außen bemerkbar zu machen, indem er Fenster einschlug und Zeichen gab. Der Überfall war das Werk »weniger Sekunden«.

Pflugwirt Rudolf Fischer rannte den beiden hinterher und erkannte noch die Nummer des Fluchtautos.

Das Fluchtauto, in das später lt. Zeugenaussage noch 2 weitere Männer zugestiegen sind, war ein in der Nacht vor dem Überfall in Schwäbisch Gmünd gestohlener Mercedes 250 E mit Waiblinger Kennzeichen, das sich als gefälscht erwies. Das Fahrzeug wurde bereits um 13.20 Uhr am Aalbäumle mit noch warmem Motor gefunden.

Das Fluchtauto, ein in der Nacht vor dem Überfall in Schwäbisch Gmünd gestohlener Mercedes 150 E, wurde bereits kurze Zeit nach dem Bankraub am Aalbäumle gefunden: nur ein Ortskundiger konnte den Weg zwischen Oberkochen und dem Aalbäumie fahren.

Aus Zeugenaussagen wurde geschlossen, daß die Täter möglicherweise ein zweites Auto, einen weißen Opel mit rotem Dach, zu ihrer weiteren Flucht benutzten. Die Beute wurde später mit 136.000 DM angegeben.

Bereits kurz nach dem Überfall war bei der Polizei Großalarm ausgelöst. Bei der Fahndung waren auch Hubschrauber im Einsatz.

In einer Pressekonferenz am Abend wurde eine Beschreibung der 4 Täter gegeben, von denen einer ortskundig gewesen sein soll.
Zur Ergreifung der Täter wurde eine Prämie von DM 5.000,- ausgesetzt.

Dietrich Bantel
Fotos: Barthel (3), Heckmann (1)

 
 
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