Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 312
 

Lageplan des Rüstungsbetriebs Fritz Leitz aus dem Jahr 1942

Im Mittelpunkt unseres letzten Berichts (BuG v. 6.2.1998 - Bericht Nr. 311) stand der Rüstungsbetrieb Fritz Leitz. Fritz Leitz, späterer Wehrwirtschaftsführer, war 1938 aus der Firma Gebrüder Leitz ausgeschieden und hatte eine eigene Firma gegründet (Fritz Leitz Maschinen- und Apparatebau). In der bis Kriegsende mit ca. 1000 Mitarbeitern unter anderem Flugzeugteile und Aggregate hergestellt wurden.

In unserem Bericht erwähnten wir eine bis zum Kriegsende in Bau befindliche, aber nur teilweise fertiggestellte, in den Fels geschlagene unterirdische Fertigungsanlage, die nach unseren bisherigen Informationen, welche in einem Fall auch bestätigt wurden, wahrscheinlich von russischen Kriegsgefangenen gebaut wurde.

Dieser Information widersprachen jedoch eine Reihe von Oberkochenern. Sie sagten aus, daß es sich bei den Gefangenen nicht um Russen, sondern um Franzosen gehandelt habe. Parallel hierzu haben wir uns bemüht, über die Firma Carl Zeiss alte Unterlagen zur Firma Leitz aufzuspüren. Herr Professor Dr. Ramming konnte mit einem Aktenfaszikel über die Firma Leitz aufwarten, der von 1939 bis 1964 reicht. Allerdings sind darin nicht die für uns wichtigen Unterlagen aus den Jahren 1944 und 1945 enthalten. Eine dieser Akten jedoch enthält einen Plan zum Firmengelände Fritz Leitz, der uns freundlicherweise abgelichtet wurde. Dieser Plan scheint die Erinnerung der genannten Personen zunächst zu bestätigen.

Der Plan, der am 30.7.1942 erstellt wurde, und den wir heute veröffentlichen, zeigt auf dem Gelände der späteren CZ-Werksfeuerwehr und Teilen des großen Parkplatzes (heute großer blauer Quertrakt parallel zur Wacholdersteige - Bau VII - IMT - Industrie-Meß-Technik) insgesamt 5 Baracken, von denen 3 (2 kleinere und eine große) ausdrücklich als »Gefangenen-Lager für Franzosen« bezeichnet sind. Hieraus konnte durchaus geschlossen werden, daß diese französischen Gefangenen auch diejenigen waren, die vermutlich ab 1943/44 (?) bis Kriegsende den »Leitzstollen« in den Fels geschlagen haben. Es muß aber nicht notwendigerweise so gewesen sein. Da der Plan schon 1942 erstellt wurde, kann nicht ausgeschlossen werden, daß für die Schwerstarbeiten, die zum Bau der aus dem massiven Fels in den Berg getriebenen unterirdischen Fertigungsanlage weitere und andere Gefangene herangezogen wurden. Um Klarheit in dieser Frage zu bekommen, benötigen wir dringend klare Aussagen von Oberkochenern, die sich an die letzten Kriegsjahre bei Fritz Leitz genau erinnern.

Im Archiv des Heimatvereins befindet sich ein Bild mit Franzosen, die als ehemalige Kriegsgefangene Oberkochen in den 70er-Jahren (?) einen Besuch abstatteten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Oberkochener noch Kontakte zu ehemaligen französischen Kriegsgefangenen haben (oder einen solchen herstellen können die möglicherweise bei Fritz Leitz gearbeitet haben, und die uns interessante Einzelheiten zu ihrer Zeit in Oberkochen berichten könnten.

Bitte helfen Sie uns mit, Fakten zu Papier zu bringen, ehe sie in Vergessenheit geraten und niemand mehr direkt und aus eigener Anschauung berichten kann.

Aktuelles zum Stollen: Herr Kissling (ehem. Bauchef CZ) hat mir 1986 im Rahmen meiner diesbezüglichen Nachforschungen den Originalplan zu dem Fertigungsstollen abgelichtet. Herr Architekt Kenntner hat ihn mir in einen damals aktuellen Stadtplan eingearbeitet. (Heimatbuch Seite 195). Mir lag seinerzeit auch der dazugehörende Originalschriftverkehr vor, aus dem hervorgeht, daß die Fa. Fritz Leitz mit negativem Erfolg bis in die letzten Tage des 2. WK versucht hat, von oberster Reichsstelle Zement für den Weiterbau der Anlage zu bekommen. Zur Zeit sind wir bemüht, diese Unterlagen erneut einzusehen, vorausgesetzt, sie sind noch vorhanden. Herr Prokoph wußte mit Sicherheit zu sagen, daß beim Bau der rückwärtig stufig angelegten Parkplätze im Fels der Stollen (im Gegensatz zu anderslautenden Informationen) nicht angeschnitten wurde. Ein Eingang, der 1986 noch mit einer Stahltür verschlossen innerhalb des Baus XIV (Feinteilerei) lag, sei jedoch mittlerweile zubetoniert worden.

Dietrich Bantel

 
 
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