Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 291
 

Osterbräuche - Teil 2

Der Gründonnerstag leitet seinen Namen davon ab, daß von der Kirche an diesem Tag die Büßer, die Greinenden, wieder aufgenommen werden. Daher wird der Tag auch als Antlaßtag bezeichnet. Mit der Farbe Grün hat es also gar nichts zu tun, auch wenn der Volksglaube besonders bei den traditionellen Speisen des Tages auf grüne Nahrungsmittel Wert legt.

Eier, die am Gründonnerstag gelegt werden, nennt man Antlaßei (antlas = mittelhochdeutsch für Entlassung). Sie faulen angeblich nie und werden zur Blitz- und Dämonenabwehr unter der Türschwelle vergraben oder unter den Deckenbalken gelegt. Wenn man zusammen ein Antlaßei verzehrt, verliert man sich nie aus den Augen und verläuft sich nie. Wenn Zimmerleute und Maurer ein Antlaßei auf nüchternen Magen essen, wird ihnen nicht schwindlig. Wer es roh austrinkt, bleibt vor einem Leistenbruch bewahrt.

Archäologische Funde
Das Ei als Symbol des Lebens wird an Ostern zum Sinnbild der Auferstehung. Schon bei den Ägyptern fanden Archäologen bemalte Eier als Grabbeigaben. Das Ei ist hier ein Symbol für die erhoffte Lebenserneuerung und eine Wegzehrung auf der Reise ins Totenreich. Ebenso fand man bei Ausgrabungen farbige Eier aus hellenistischer Zeit. Bei den Römern wurden die Eier ebenfalls gefärbt, allerdings aus pragmatischen Gründen. Die verschiedenen Farben deuteten auf das Legedatum hin und danach richtete man sich im Verbrauch.

Geschenkeier
Ostern ist, wie Weihnachten, ein Tag, an dem Freude bereitet werden soll. Die Pateneltern schenken ihrem Patenkind ein verziertes Osterei, das Mädchen färbt für den Liebsten Eier rot.

Im 20. Jahrhundert wurde das Osterei als Geschenk immer mehr durch industriell gefertigte Süßwaren in Eierform verdrängt.

Geweihte Eier
Am Ostersonntag trug man die während der Fastenzeit besonders entbehrten Nahrungsmittel als Zeichen der Hoffnung und des Neuanfangs zur Kirche. Neben den obligatorischen Ostereiern werden noch Osterbrote, Osterschinken, Salz und Meerrettich geweiht. Die Schärfe des Meerrettichs soll alles üble aus dem Körper vertreiben. Die Eierschalen werden oft angeschlagen, damit das Weihwasser auch ganz sicher in die Eier vordringen kann. Nach Genuß der Eier und des Brotes werden die Eierschalen und Brotkrümel verbrannt, da Geweihtes nicht weggeworfen werden darf.

Karfreitagseier
Auch dem am Karfreitag gelegten Ei kommt besondere Beachtung zu. Es gilt als heilkräftig. Man soll sie essen, um einen Knaben zu gebären und Ertrunkene lassen sich mit einem Karfreitagsei finden.

Zinseier
Das Essen von Eiern war im Mittelalter während der Fastenzeit verboten. Da die Hühner aber zu dieser Jahreszeit ohnehin ihre Legepause haben, ist die Strafe nicht allzu groß. Zu Ostern dann war eine Zinsabgabe von 100 Eiern pro Hof an die Herrschaft zu entrichten. Zur besseren Kontrolle für den Grundherren hatte jeder Hof seine Eier in einer anderen Farbe einzufärben. So hatte das Eierfärben zu Anfang eigentlich einen rein nützlichen Hintergrund. Die Farben erhielt man aus der Natur. Zwiebelschalen färben das Ei braun, grüne Farbe erhält man aus einem Sud aus Gras und Korntrieben, Gelb durch Brennesselwurzeln und Rot durch die Labkrautwurzel.

Vom Spitzarschen
Die Ostereier wurden auch zur Grundlage für unzählige Osterspiele. Veranstaltet wurden sie oft vom Grundherren, der die Zinseier hierfür zur Verfügung stellte - und somit seinen Leuten wieder zurückgab! Sehr beliebt war der Eierlauf. Es bildeten sich zwei Parteien. Von der einen Partei gab es einen Läufer, von der anderen einen Sammler. Während der Sammler eine bestimmte Anzahl von Eiern zusammensuchte, mußte der Läufer eine bestimmte Strecke zurücklegen. Die Siegermannschaft erhielt zum Schluß alle Eier. Besonders für die Aalener ist das »Spitzarschen« zum Schicksal geworden, ist es doch der Spitzname der Aalener Bevölkerung. Beim »Spitzarschen« schlagen zwei Gegner ihre Eier gegeneinander - Spitz auf Spitz und Arsch auf Arsch. Wessen Ei heil bleibt, bekommt beide. Nach dem gleichen Prinzip verlaufen auch das Eierrollen und das Eierwerfen. Erstaunlich ist, daß diese Eierspiele typisch für Süddeutschland sind und im Norden so gut wie nie auftauchen.

Heidrun Heckmann

Ostereier-Zeichenwettbewerb
Zu dem vom Heimatverein ausgeschriebenen Wettbewerb »Ostereier-Zeichnen« sind uns 5 Arbeiten zugesandt worden.
Den ersten Preis erhielt Evelyn Wolf, 6 Jahre alt. Den zweiten Preis erhielten Andrea Woher, 6 Jahre alt, und Anne Hahn, 7 Jahre alt. Dritte Preise erhielten Veronika Distl, 6 Jahre alt, und Philipp Hahn, 5 Jahre alt.

 
 
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