Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 272
 

Schwämme -
Zum Raum 1 des Heimatmuseums

Schwämme sind die einfachsten tierischen Vielzeller. Sie besitzen nur wenige Zelltypen, die einen Organismus aufbauen, der sich von Mikroorganismen ernährt, die aus dem Wasser herausgefiltert werden. Es gibt sie heute noch im Süßwasser (auch bei uns), vor allem aber im Meer, in besonders großer Vielfalt in den warmen Tropenmeeren der Südsee.

Zur Stabilisierung der Gestalt dient ein Skelett, das aus Horn, Kalk oder Kieselsäure bestehen kann. Hornschwämme sind fossil nicht überliefert, aber viele werden sich noch an die Badeschwämme erinnern; sie bestanden aus dem Hornskelett im Mittelmeer lebender Schwämme. Die von Schwammtauchern gesammelten Tiere ließ man zunächst einmal faulen, dadurch verschwand die Schicht lebender Zellen; nach oftmaligem Waschen blieb dann der »Badeschwamm« übrig.

Bei den Kieselschwämmen besteht das Skelett aus SiO2, Siliciumdioxid, der gleichen Substanz, die auch die Kieselsteine aufbaut. Glasschwämme aus der Südsee zeigen ein besonders filigran ausgebildetes Netzwerk. Sie können den schönsten Produkten der Glasbläser Konkurrenz machen!

Kalkschwämme sind wie die Kieselschwämme seit dem Kambrium überliefert, es gibt sie also seit fast 600 Millionen Jahren! Kalkschwämme leben heute in Flachmeeren, während Glasschwämme meist in Tiefen von mehreren hundert Metern leben.

Erstaunlich ist, wie unsere Schwämme von der Eßhalde Exemplaren ähneln, die heute noch im Pazifik leben. Es muß eine gut gelungene Konstruktion sein, daß sie so lange Bestand haben konnte. Wir können für die Jurazeit folgern, daß damals in unserem Raum Bedingungen geherrscht haben, wie wir sie heute in der Südsee finden. Nach dem gerade vergangenen Winter möchten wir uns durchaus die Südseetemperaturen zurückwünschen. Doch was täten wir dann hier - um uns herum nichts als Wasser, Wasser, Wasser!

Horst Riegel

 
 
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