Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 271
 

Das Kalkgebirge -
Zum Raum 1 des Heimatmuseums

Dadurch, daß Oberkochen nur Gesteinsschichten aus dem Weißen Jura besitzt, sind der Mannigfaltigkeit hier enge Grenzen gesetzt: Kalk und Kalkmergel (Kalk mit tonigen Beimengungen) und deren Verwitterungsprodukte.
Wir unterscheiden grundsätzlich drei Hauptgesteinstypen:

1. Magmagesteine oder Erstarrungsgesteine,
die aus dem schmelzflüssigen Magma erstarren. Erfolgt das Festwerden in der Tiefe, so entstehen Granite und verwandte sog. Tiefengesteine. Weil das Erstarren langsam erfolgte, konnten sich große Kristalle bilden, die einzelnen Mineralien sich trennen. So finden wir im Granit »Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess' ich nimmer!«. Dort, wo die darüberliegenden Schichten im Laufe der Jahrmillionen abgetragen wurden, treten die Tiefengesteine heute zutage. Das ist z.B. im Südschwarzwald, im Fichtelgebirge und Bayerischen Wald, aber auch in den Zentralalpen, den »Urgesteinsalpen«, der Fall.

Trat Magma an der Oberfläche (durch Vulkanismus) aus, dann kam es zu der Bildung von Basalten (wie in der Rhön oder am Vogelsberg) oder aber zur Ablagerung von Laven und vulkanischen Aschen (u. a. Bimsstein). Solche Auswurfgesteine finden wir z. B. am Kaiserstuhl und in der Eifel. Die Berge des Hegaus sind die basaltischen Schlote ehemaliger Vulkane.

2. Sedimentgesteine
Kommen Gesteine an die Oberfläche, setzt alsbald ihre Zerstörung ein. Durch die Einwirkung von Frost, Wasser und Wind werden die Felsen abgetragen (erodiert). Was an der einen Stelle entfernt wurde, ist an anderen Stellen wieder abgelagert worden. So entstanden aus den primären Gesteinen die sekundären.

Hier können wir wiederum drei Haupttypen unterscheiden: Sandsteine, die die aus verfestigten Sanden (also Quarz) entstanden sind. Die einzelnen Sandkörner sind durch kalkige, kieselige oder tonige Bindemittel miteinander verbacken. Sie können teils festländischer Entstehung sein (vgl. die Dünen der Sahara als evtl. Vorstufe) oder sie sind aus den Schwemmfächern früherer Flüsse hervorgegangen. Bei uns finden wir sie als »Buntsandstein« im Nordschwarzwald, aber auch als Keupersandsteine (= Stubensandstein) und als Eisensandstein im Braunen Jura. Ganz feine Gesteinsteilchen können vom Wind verfrachtet werden. Daraus entsteht der Löß (z. B. am Kaiserstuhl, im Ries). Ähnlich feine Ablagerungen, aber vom Wasser transportiert, können zu Lettenschichten werden, wie sie besonders aus dem Schwarzen Jura bekannt sind. Als Abscheidungen aus dem Wasser entstehen Gips- und Kalkschichten, unter besonderen Bedingungen auch Steinsalz und die Abraumsalze.

3. Metamorphe Gesteine
Kommen Sedimentgesteine unter hohen Druck und hohe Temperatur, so können sie sich umwandeln (metamorphosieren). Es entstehen so die kristallinen Schiefer oder Gneise. Ganz allgemein spricht man von metamorphen Gesteinen. Aus Kalkgestein kann so Marmor werden, aus Steinkohle Anthrazit.

zum Verständnis unserer Kalkgesteine. Kalk ist Baustein der Skelette vieler Tiere, von Korallen, Muscheln, Schnecken, Ammoniten, aber auch der Wirbeltiere. Diese Skelette blieben teilweise als Fossilien erhalten, zum allergrößten Teil aber wurden sie abgebaut, zerkleinert, aufgelöst. Aus dem Wasser schied sich unter CO2-Abgabe aus dem darin gelösten Calciumhydrogencarbonat Kalk als Calciumcarbonat ab, das für ein Verbacken der Fossilien sorgte, aber auch die Grundmasse unserer Kalkablagerungen bildete. Die Abgabe von CO2 und damit die Abscheidung von Kalk wurde durch den CO2-Verbrauch bei der Photosynthese der mit den Korallen zusammenlebenden einzelligen Algen gefördert (= Kalktuffe), die die kleinen Staustufen bilden, die den Unterkochener Kocherursprung erst zum »Weißen Kocher« machen! - Durch Auflösen von Kalk sind die bei uns so zahlreichen Karsterscheinungen (Spalten, Höhlen etc.) entstanden; wird das CO2 (z. B. bei einer großen Oberfläche) wieder ausgeschieden, kann sich der Kalk als Tropfstein (Stalaktiten. Stalagmiten) abscheiden. Zur Jurazeit befand sich bei uns ein tropisches Meer; höhere Temperaturen fördern aber die CO2-Abgabe und damit die Kalkabscheidung! Das bestätigt auch die Bildung von Kesselstein in Teekesseln und Wassertöpfen. Auch Kesselstein ist nichts anderes als Kalk!

Unter besonderen Umständen wird Calcium im Kalk z. T. durch Magnesium ersetzt, so entsteht der härtere Dolomit, im Idealfall mit der Zusammensetzung Ca,Mg(CO3)2. Der Name leitet sich von seinem Vorkommen in einem Teil der südlichen Kalkalpen, eben den Dolomiten, her.

Horst Riegel

 
 
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