Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 258
 

Heimatmuseum Raum 1 (4) - Das Nattheimer Korallenriff

Während der ganzen Juraperiode hatte ein Randmeer, ein Ausläufer des großen Mittelmeeres (Tethys), unser Gebiet bedeckt. Gegen Ende der Jurazeit (vor etwa 135 Mill. J.) zog sich das Meer nach Süden zurück; in der darauf folgenden Kreidezeit war unser Bereich Festland. In dieser Endphase des Jurameers bildete sich das Nattheimer Riff aus, das sich als Wallriff von Engen bis in unseren Raum über eine Länge von etwa 150 km nachweisen läßt. In geringerer Ausprägung erreichte die Riffbildung auch Oberkochen, jedenfalls lassen sich die Schwammfunde von der Eßhalde so deuten.

Die ersten Korallenfunde stammen aus Nattheim (daher »Nattheimer Korallenschichten«), später gab die Gegend um Gerstetten viele herrliche Jura-Korallen preis. Die hier ausgestellten Funde kamen zumeist bei Nattheim zutage, als beim Autobahnbau die korallenführende Schicht angeschnitten wurde.

Korallen bilden zwar Kalkskelette; doch wurde der Korallenkalk im Laufe der Zeit durch Kieselsäure ersetzt (Verkieselung).

Im Gegensatz zu Kalk werden die verkieselten Teile nicht von Salzsäure angegriffen. So kann man mit Salzsäure den Kalk herauslösen und die wunderschönen Korallenskelette mit den vielen enthaltenen Feinstrukturen herauspräparieren.

Korallenbauten sind heute auf eine Zone beschränkt, die sich zwischen den Wendekreisen durch alle Ozeane zieht. Die im Aufbau der Korallenriffe beteiligten Steinkorallenstöcke stellen eine Reihe besonderer Ansprüche: Die Mindestwassertemperatur muß 20° C betragen, die Temperatur darf aber auch nicht zu hoch sein; 28 ° C sind für längere Zeit schon zuviel. Nach unten ist die Vorbereitung lebender Steinkorallen ebenfalls beschränkt. Eine Meerestiefe von 40 m wird selten unterschritten.

Das Vorkommen der Steinkorallen wird im westlichen durch die Ansprüche der Zooxanthellen bestimmt, das sind einzellige Algen, die im Gewebe der Korallen (in Symbiose) leben und ihre Photosyntheseprodukte z.T. an die Koralle weiterreichen. Deshalb ist ausreichend Licht erforderlich.

Ähnliche Bedingungen müssen zu der Zeit bei uns geherrscht haben, als das Nattheimer Korallenriff entstand; Ein tropisches Randmeer, nicht tiefer als 40 m, mit ziemlich konstanten Temperaturen zwischen 20 und 30 ° C.

In den heutigen Korallenriffen leben noch ganz ähnliche Korallen, Schwämme, Armfüßer etc. Die Aufnahmen aus dem Great Barrier-Riff vor der Ostküste Australiens (von Frau Judith Pietschmann vom Tauchclub Aalen) können eine Vorstellung vermitteln, wie es damals bei uns ausgesehen haben mag.

Horst Riegel

 
 
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