Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 257
 

Heimatmuseum Raum 1 (3) - Ammoniten

Zwei Tiergruppen dominieren im Erdmittelalter: Die Saurier und die Ammoniten. Während die Saurier ihre Vertreter hauptsächlich auf dem Lande hatten und nur mit einigen Gruppen (z.B. Fisch- oder Ichthyosaurier und Schlangenhals- oder Plesiosaurier) ins Meer zurückkehrten, waren die Ammoniten Meeresbewohner geblieben.

Die Entwicklung beider Formen hatte schon im Erdaltertum begonnen, doch ihre volle Entfaltung fanden beide Tiergruppen erst im Erdmittelalter. Das Erdmittelalter wird in die drei Hauptabschnitte Trias (mit den Unterabteilungen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), Jura (mit Lias = Schwarzjura, Dogger = Braunjura und Malm = Weißjura) und Kreide gegliedert. Die Kreidezeit endet mit einer Katastrophe, in der eine Reihe von Tiergruppen ausstirbt. Sie wurde wahrscheinlich durch den Einschlag eines Riesenmeteoriten vor 65 Mill. Jahren in der Karibik (in der Nähe der Halbinsel Yucatan) ausgelöst. Auch für die Saurier und die Ammoniten war es das Aus.

Was wissen wir über die Ammoniten? Überliefert sind fast ausschließlich ihre Außenpanzer, die Schneckenschalen sehr ähnlich sind. Doch hat sich eine Schwestergruppe der Ammoniten, die Perlboote oder Nautilus-Arten bis heute in der Südsee erhalten. Warum die Perlboote die große Katastrophe überleben konnten, die Ammoniten aber nicht, ist unbekannt. Die Schalen der Perlboote unterscheiden sich nur wenig, aber doch deutlich von denen der Ammoniten. Es handelt sich dabei um einfach gebaute Tintenfische mit ca. 90 Fangarmen und 5 Herzen (eines für den Körper und je eines für jede der 4 Kiemen. Die anderen modernen Tintenfische haben entweder 10 Arme (wie die Sepien oder Kalmare) oder 8 (wie die Kraken) und nur noch 3 Herzen (es sind nur 2 Kiemen vorhanden!), außerdem keine äußere Kalkschale mehr. Mit der Annahme, daß die Ammoniten so ähnlich ausgesehen haben wie die heutigen Perlboote, können wir uns ein sehr gutes Bild von diesen Tieren machen. Während die Schneckenschale so getragen wird, daß die Öffnung nach unten zeigt, war die Öffnung der Ammonitenschale nach oben gerichtet. Im Gegensatz zur Schneckenschale war sie in einzelne Kammern gegliedert; in der äußersten steckte der Tierkörper, die restlichen waren z.T. mit Gas gefüllt, um durch den Auftrieb einen Ausgleich für das Schalengewicht zuliefern. Damit erreichte der gesamte Organismus die Dichte des Meerwassers, die Tiere konnten schwimmen.

Das Perlboot besitzt ein Kopfstück, das es als Klappe benutzt, um den in die Wohnkammer zurückgezogenen Tierkörper zu schützen. Eine ähnliche Aufgabe erfüllten wohl die zu den Ammoniten gehörenden Aptychen. Man kennt Ammoniten ganz unterschiedlicher Größe, manche hatten auch teilweise gestreckte oder verdrehte Gehäuse. Solche Formen traten vor allem in der Kreidezeit auf. Aus dieser Epoche stammen auch Ammoniten mit bis zu 2 m Gehäusedurchmesser!

Horst Riegel

 
 
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