Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 256
 

Heimatmuseum Raum 1 (2) - Wie entstehen Fossilien?

Die Abbildung zeigt einen Ammoniten als Positiv mit dem dazugehörigen Negativ im Stein. Wie konnte so etwas entstehen?

Ehe ein so schönes Schaustück ausgestellt werden kann, müssen eine Reihe von Zufällen passiert sein:

  1. Das Tier mußte so abgelagert werden, daß es erhalten werden konnte (Sauerstoffabschluß etc.) Denken Sie daran, wie schnell Schneckenschalen im Gartenboden »verspuren«!
  2. Die Gesteinsschicht mit dem Fossil mußte erhalten bleiben (nicht abgetragen werden)
  3. Diese Gesteinsschicht mußte in Oberflächennähe geraten, damit das Fossil freigelegt werden konnte (Schwarzjura-Fossilien muß es auch in Oberkochen geben, aber sie liegen in einigen hundert Meter Tiefe!)
  4. Das Fossil muß gefunden werden. Sobald es an der Oberfläche liegt, »verwittert« es, wird abgebaut, verschwindet
  5. Das Fossil muß in die Hände eines geschickten Präparators kommen, der es vom »Muttergestein« befreit. Viele Fossilien müssen konserviert werden, weil sie sonst an der Luft zu schnell zerfallen würden.

Welche Möglichkeiten der Fossilierung gibt es?

  1. Versteinerung: Die Substanz der Hartteile (z.B. Muschelschale) bleibt erhalten, ihr Feinbau wird verändert.
  2. Abdruck: Die Hartteile werden völlig aufgelöst. Ein Abdruck der Oberfläche bleibt erhalten. Gießt man den Hohlraum mit Gips aus, erhalt man einen Abguß.
  3. Steinkern. Ein natürlicher Abguß. Das Innere füllt sich mit Sediment, das erhärtet. Die ursprünglichen Hartteile werden langsam aufgelöst.
  4. Pseudomorphose. Die ursprüngliche Substanz der Hartteile wird durch andere Stoffe ausgetauscht.

Fossilien können später auch noch verändert werden. So wurden im Schwarzjura die Tierleichen in sehr wasserreichen Schlammschichten abgelagert. Mit zunehmendem Druck wurde das Wasser heraus- und die Schichten stark zusammengepreßt. Das geschah auch mit den darin eingelagerten Fossilien. An anderen Stellen kristallisierten an den Fossilien Mineralien aus; im Schwarzjura war es meist Schwefelkies oder Pyrit (»Katzengold«).

Zu jeder dieser Möglichkeiten können Sie in der Sammlung Beispiele finden. Die meisten Ammoniten sind echte Versteinerungen. Doch sind auch Kammerfüllungen als Steinkerne erhalten geblieben. Die Nattheimer Korallen sind Pseudomorphosen: Das Kalkgerüst verkieselte, Kalk wurde durch Kieselsäure ersetzt (das erleichtert dann die Präparation).

Sie können bei den Schwarzjurafossilien einmal Ammoniten sehen, die auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Schalenstärke zusammengepreßt worden sind, zum anderen Ammoniten mit daran haftenden großen Pyritkristallen.

Horst Riegel

 
 
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