Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 255
 

Heimatmuseum im Schillerhaus (1)

Wir haben mehrfach über die chronologische Abfolge in der Darstellung der Oberkochener Heimatgeschichte in den 8 Räumen des im Entstehen begriffenen Heimatmuseums im Schillerhaus berichtet. Mit diesem Bericht möchten wir eine Berichtserie zu den einzelnen Räumen in loser Folge beginnen.

Unser Dank gilt an erster Stelle den beiden Herren, die für diesen Raum verantwortlich zeichneten, und die ihn in monatelanger akribischer Arbeit bis zur musealen Reife gebracht haben: Herrn Paul Abele und Herrn StD i.R. Horst Riegel, aus dessen Feder der folgende Bericht stammt. Die Fotos hat Herr Rolf Stelzenmüller gefertigt.

Dietrich Bantel

Der Raum 1 im Heimatmuseum
Das Heimatmuseum nähert sich langsam einem Zustand, in dem man es dem Publikum präsentieren kann. Der endgültige Ausbau wird noch ein paar Jahre dauern, dafür sind noch viele Arbeitsstunden und natürlich auch das Geld für die Anschaffung weiterer Vitrinen etc. notwendig.

Der Raum 1, in dem die geologisch-päläontologische Sammlung untergebracht ist, ist in seiner Einrichtung am weitesten fortgeschritten. Hier fehlt nur noch die Raumdidaktik, die transparent vor dem Fenster angebracht werden soll, und die endgültige Beschriftung. Letztere soll - damit ein einheitlicher Eindruck entsteht - zusammen mit den Beschriftungen in anderen Räumen erfolgen. Die Raumdidaktik soll kurze Informationen geben, Zusammenhänge aufzeigen und verständlich machen, bezogen auf die Thematik des Raumes.

Dieser Raum führt uns am weitesten in die Geschichte unserer Gegend zurück. Oberkochen liegt auf der Schwäbischen Alb und damit vollständig in der geologischen Formation des Oberen oder Weißen Jura (Malm).

Die Erdepoche des Jura wird in drei Hauptabschnitte untergliedert, die neutral als Unterer, Mittlerer und Oberer Jura bezeichnet werden. In England kamen hierfür die Bezeichnungen Lias, Dogger und Malm auf, die heute weltweit verwendet werden. In Deutschland hat sich die Einteilung in Schwarzen, Braunen und Weißen Jura erhalten, die gerade die Situation auf der Schwäbischen Alb sehr schön widerspiegelt. Wir verwenden sie deshalb auf unseren »Namenstäfelchen«. In dieser süddeutschen Nomenklatur werden im Schwarzen, im Braunen und im Weißen Jura nochmals jeweils 6 Schichten unterschieden, die mit griechischen Buchstaben bezeichnet werden. Dabei bezeichnet Alpha die älteste, zeta die jüngste Schicht innerhalb jeder dieser Unterabteilungen (z.B. Weißjura alpha etc.). Auch hier bestehen noch andere, wissenschaftliche Bezeichnungen; so gilt Aalenium für Brauner Jura alpha + beta.

Der Kern unserer Ausstellung besteht aus Leihgaben des Oberkochener Hobby-Geologen Paul Abele. Die Mehrzahl seiner Funde stammen aus unserer Gemarkung, meist auf Baustellen entdeckt (z.B. beim Bau der Heidestraße). Andere kommen aus unserer Umgebung, besonders schöne vom Nattheimer Korallenriff.

In Oberkochen steht nur Weißjura an, d.h. Gesteine, die vor ca. 150 Mill. bis 135 Mill. J. entstanden sind. Dabei ist Weißjura alpha noch vom Talschutt verdeckt, Weißjura zeta zum allergrößten Teil bereits abgetragen. Die ältesten Juraschichten liegen bei uns einige hundert Meter unter der Erde, sie wurden durch Bohrungen im Wolfertstal nachgewiesen. Versteinerungen aus dieser Zeit kann man bei Wasseralfingen, Dewangen etc. finden. Wir können einige schöne Stücke zeigen, die zwei von der Stadt Oberkochen angekauften Sammlungen (Schneider - meist Braunjura - und Werner - meist Schwarzjura) entstammen. Die Steinheimer Fossilien sind eine Leihgabe von Herrn A. Langenbucher, Steinheim.

Im Talschutt wurden in Oberkochen auch Keuper-Fossilien (über 200 Mill. J. alt) gefunden; sie stammen aber aus der Gegend von Gaildorf oder Crailsheim. Sie wurden von der »Urbrenz«, die damals nördlich von Crailsheim entsprang und das obere Kochertal in umgekehrter Richtung durchfloß, als Flußgeröll bis zu uns transportiert. Ein Mammutzahn, den Herr Dr. Reif in Oberkochen fand, und der heute in der Biologiesammlung des Gymnasiums steht, kam vermutlich mit Donaukies an eine Oberkochener Baustelle!

Wir wollen in Raum 1 einen ersten Eindruck vermitteln von der Oberkochener Erdgeschichte, mit Seitenblicken auf unsere nähere Umgebung. Wir können leider nicht alle Schaustücke zeigen, dazu reicht einfach der Platz nicht. Wir haben uns bemüht, die schönsten und interessantesten Beispiele auszuwählen.

Überzeugen Sie sich an einem der nächsten »Offenen Tage«! Wir sind stets empfänglich für Anregungen, wie wir das eine oder andere noch besser präsentieren können!

Horst Riegel

 
 
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