Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 245
 

Kochen - Unterkochen - Oberkochen
Die vorgeschichtliche und die mittelalterliche Kocherburg

Der vorgeschichtliche Hauptwall der Kocherburg
Wenn der Besucher von Osten den »Wallenteich« zum Plateau des Schloßbaufeldes hinaufgeht, so erhebt sich oben der mächtige Hauptwall in beherrschender Lage auf der Geländekante der 630-Meter-Höhenlinie. Folgt man dem Waldweg, so durchschreitet der Besucher den antiken Zugang in den Innenraum der Anlage. Der Zugang wurde an einer günstigen Stelle gewählt, dort wo der Wall stumpfwinkelig einzieht und die ehemals hölzerne Toranlage geschützt am Ende des Trichters errichtet werden konnte. Hier haben keine Ausgrabungen stattgefunden, so daß keine Angaben zu der Toranlage gemacht werden können. Der 424 m lange Wall ist noch bis zu 2 bis 3 m hoch erhalten. Die Wallschnitte Hertleins (D und E) und Zürns (F) haben Aufschlüsse über die ehemaligen Mauerkonstruktionen ergeben. In der frühlatenezeitlichen Periode 2 wurde eine Holz-Erde-Stein-Mauer errichtet, wie sie von anderen Befestigungen bekannt ist.

Drei Bauphasen konnten am Hauptprofil bei den Ausgrabungen 1957/58 erkannt werden:

Periode 1:
Nur noch Reste einer Wallschüttung sind vorhanden. Starke Brandreste deuten auf ehemalige Holzeinbauten hin. In der Wallschüttung standen 3 vollständige frühbronzezeitliche Gefäße, die vielleicht als »Bauopfer« verstanden werden können.

Periode 2:
Wallaufschüttung aus gelbbraunem Lehm (Breite 6 m) mit Kulturschichtresten, die offenbar im Bereich der frühbronzezeitlichen Siedlungsfläche abgegraben wurden. Intensive Brandreste deuten auf umfangreiche Holzeinbauten hin. Vorder- und Hinterfront waren trocken gemauert. Keramikfunde datieren diese ehemalige Holz-Stein-Konstruktion in die frühe Laténezeit.

Periode 3:
Aufstockung der Wallruine und Errichtung einer etwa 1,4 m breiten Trockenmauer, die wahrscheinlich in das Mittelalter datiert und zu der befestigten Vorburg der Kocherburg gehörte.

Der antike Zugang
Der einzige Zugang in die Befestigung befand sich in dem stumpfwinkelig einbiegenden Wall (B) beim Standort der 2. Tafel. Das nördliche Wallende biegt leicht in den Innenraum der Anlage zurück, die südliche Seite ist durch den Wegebau zerstört. Dort wird man sich in prähistorischer Zeit eine Verriegelung oder eine Toranlage vorstellen müssen. Ein entsprechender Durchgang durch den äußeren Wall ist nicht bekannt, er könnte jedoch im Bereich des zerstörten Abschnittes in der Mitte gelegen haben. Der geschotterte Waldweg im Süden hat einen neuen künstlichen Durchbruch durch den Wall geschaffen.

Zur Wasserversorgung
Von entscheidender Bedeutung für die frühen Siedlungen war immer die Wasserversorgung. In der Fläche zwischen den beiden Wällen, insbesondere aber im Grabensbereich des inneren Walles und hier vor der Toranlage, befinden sich heute noch einige Hülen, die als Wasserspeicher gedient haben mögen.

Die erste sichere Erwähnung einer adeligen Familie, die sich nach »Kochen« bezeichnete, datiert von 1147, als die Bruder Rudolf und Rüdiger von Kochen eine Güterschenkung an das Kloster Ellwangen bezeugt haben. Die Herren von Kochen, die ursprünglich wohl Ministeriale dieses Klosters waren, sind noch bis in das 13. Jh. vereinzelt genannt. Ob aber die Gründung der Kochenburg auf dieses Geschlecht zurückgeht, muß offen bleiben.

Die Burg wird i. J. 1300 zum ersten Mal genannt (»castrum Kochenburch«); damals war sie offenbar dem Kloster Ellwangen entfremdet. Wenig später (1317) hat sie Abt Rudolf von dem Ritter Konrad von Ahelfingen im Tausch gegen anderen Besitz wieder für das Kloster erworben. Fortan blieb die »Kochenburg« in ellwangischen Händen und gab einem bis zum Ende des Alten Reiches bestehenden Klosteramt den Namen. Sie selbst wurde als administratives und militärisches Zentrum Sitz eines (adeligen) Obervogtes, der auch über eine kleine Mannschaft gebot. In der Folgezeit wird es immer wieder zu Baumaßnahmen gekommen sein, die sowohl die Wohngebäude und die Befestigungswerke, aber auch die vor allem zur Lagerung der Naturalabgaben dienenden Ökonomiebauten betrafen.

Im frühen 17. Jh. war die Kochenburg offenbar baufällig geworden. Der Ellwanger Fürstprobst ließ i. J. 1627 das alte Schloß abtragen und an gleicher Stelle einen Neubau errichten, der 1632 vollendet war. Aber schon i. J. 1645 ist das Schloß von den Schweden zerstört worden. Das Stift hat als Ersatz das Amtshaus in Unterkochen errichtet, für dessen Bau die Steine von der Ruine geholt wurden. Auch für andere Bauvorhaben im Tal hat man die Schloßruine als Steinbruch ausgebeutet.

Forstwirtschaftliche Nutzung seit 1813
Das Schloßbaufeld wurde in historischer Zeit als Ackerland genutzt. Davon haben sich im Gelände teilweise noch deutliche Ackerterrassen erhalten. Erst im Jahre 1813 wurde die Hochfläche aufgeforstet und ist heute Staatswald, der zum Staatlichen Forstamt in Aalen gehört.

Ein bedeutendes Kulturdenkmal
Die Hochfläche der Kocherburg stellt mit ihren Befestigungsanlagen ein wichtiges und bedeutendes Archäologisches Kulturdenkmal dar. Dieses gilt es, als Geschichtsquelle für zukünftige Generationen zu erhalten, unerlaubte Grabungen und Nachforschungen sind deshalb verboten.

Dietrich Bantel

 
 
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