Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 243
 

Der Gruppa Franzl (1863 -1925)

Im Heimatbuch berichtet Willibald Grupp auf Seite 377 über seinen Vater Franz Grupp - ». . . ein sangesfreudiger Mann, Komiker, Unterhalter, Entertainer b. Vereinsveranstaltungen. Von Wasseralfingen bis Giengen hinauf hatte er seine Komikerabende. Er sang seine einstudierten Lieder im Notenfrack, Notenhut, im Bauernhemd mit Zipfelmütze . . .«

Aus der Ehe des Franz Anton Grupp, verheiratet mit Magdalena Katharina, geb. Seitz (1865 -1901) und in 2. Ehe mit Maria Rosina, geb. Gold (1872 -1950) gingen 15 Kinder hervor.

Auf dem Grupp'schen Hof im Schreinergässle im Jahr der Französischen Revolution, 1789, von Joachim Scheerer erbaut, war Geld immer Mangelware, und die Kinder mußten früh schon zum Unterhalt beitragen.

». . . die Mädla hant gnäht ond gnäht, ond ällas Gääld dr Muadr gäba - ersch nochm Heiriga (nach der Hochzeit) hant se gfraugt, ob se s'Gääld jetz bhalta därfat . . .« Einige Kinder arbeiteten in der Fabrik. Von den Buben ist überliefert ». . . aber dia hant s'Gääld net so gära agliefert . . .«.

Vor allem während der zum Teil verregneten schlechten Ernten im und nach dem 1. Weltkrieg konnte man sich mit der Landwirtschaft kaum über Wasser halten.

So setzte der Familienvater Franz Grupp (1896 -1908 war er Real-Obmann, und außerdem war er ein wichtiger Mann im Gesangsvereins/Sängerbund) schon bald seine Talente zum Sänger und Komiker in bare Münze um. Allerdings kam das Geld nicht »zom Beenalaada rei«. Der Sohn Willibald Grupp erinnert sich noch, wie der Vater von einem seiner Komikerabende in Giengen ganze Sechzehnmarkfuffzich heimbrachte, und die Kinder »Beigle gmacht hant vom Kloigääld«.

Sein handgeschriebenes Liederbuch befindet sich in Grupp'schem Familienbesitz. Es besteht aus 46 Liedern zeitgenössischer und älterer Liedermacher. Besonders beliebt war sein Paradestück »Der Postillon von Longjumeau«. Die Juwele dieser Liedersammlung sind aber zweifelsohne 8 Lieder, die Franz Grupp selbst komponiert hat, samt dem Text dazu.

Die Titel der von ihm selbst komponierten Lieder lauten:

Aber sonst. S'Ganserl mit oam Fuß. Der neue Münchhausen. Der schlaue Hansel. Ich, ich spiel gern den Herrn. Mausefallenhändler. So war es früher und so ist es heut. Der Michel und der Bachfrieder.

Eines davon möchten wir heute veröffentlichen, und zwar ein so genanntes »Couplet«. (Duden Ursprünglich die Verbindung zweier rhythmischer Sätze zu einer Strophe. Heute scherzhaft-satirische Strophenlieder mit wiederkehrendem witzigem Kehrreim, z.B. in der komischen Oper und der Operette.). Dieses Couplet wurde von Franz Grupp vor nahezu 100 Jahren im Jahre 1898 verfaßt und hat den Titel:

Der neue Münchhausen.
Was Neues will ich Euch erzählen,
doch keine Lügen, glaubt es wohl.
In meiner Heimat sind die Linsen
so groß als hier der Blumenkohl;
die Spatzen sind, ihr dürft es glauben,
so groß als eine fette Gans,
und unsre Hasen haben sämtlich,
wie hier die Kühe einen Schwanz.

Am Klavier wurde der Gruppa Franzl zunächst von der Schwägerin vom »Kroanawirt«, später von Hermann Spranz, einem Neffen des Dirigenten Spranz, begleitet.

Es ist überliefert, daß am Tag des Todes vom Gruppa Franzl (29.4.1926) seine im Wohnzimmer an einem Nagel hängende Taschenuhr, die immer aufgezogen war, stehen blieb.

Der Heimatverein plant für 1996 einen Liederabend mit Liedern aus dem Liederbuch den Franz Grupp, und natürlich hauptsächlich seinen eigenen.

Informationen und Fotos verdanken wir:
Engelbert und Rita Grupp (Goldabauer)
Willibald und Rosa Grupp
Ida Trittler, geb. Grupp,
Suse Zweig, geb. Grupp
Repros: Rolf Stelzenmüller

Dietrich Bantel

 
 
Übersicht

[Home]