Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 239
 

Vor 100 Jahren: Oberkochener Brandserie 1895 - Teil 1

3. September 1895
Am 3. September 1895 feierte der auch für Oberkochen zuständige katholische Dekan Kollmann in Unterkochen sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum mit einem großen Fest, an dem auch Oberkochener teilnahmen. Die Harmonie des Festes wurde am Nachmittag gestört »durch eine in Oberkochen ausgebrochene Feuersbrunst, wozu die Unterkochener Feuerwehr zur Hilfeleistung requiriert wurde«.
Was war geschehen? Dazu sagt eine andere Zeitungsmeldung:

»In Oberkochen brach gestern ein Feuer aus, das mehrere Häuser, darunter das des Schultheißen, samt Hintergebäuden teils in Asche legte, teils schwer beschädigte. Die Ortsfeuerwehr setzte der Weiterverbreitung des Feuers mit anerkennenswerter Energie eine Grenze.

Auch die Feuerwehr von Unterkochen, die mit Extrazug nach Oberkochen beförderte Abteilung der Aalener Feuerwehr samt einer Spritze aus Königsbronn griffen mit Erfolg ein. Wie man hört, soll das Feuer von einer Dampfdreschmaschine ausgegangen sein«.

Schneckenpost-Telegramm
Die telegraphische Alarmierung der Aalener Feuerwehr veranlaßte die »Kocher-Zeitung« einige Tage später zu folgender Glosse:

»Es gibt dreierlei Telegramme: 1. Expreß-, 2. Einschreib- und 3. Normaltelegramme. Die ersteren bieten Garantie für unbedingt sofortige Beförderung, bei der zweiteren Sorte ist Beförderung sicher, aber sie läßt Raum für Verschleppungen, die dritte Art kann mit dem Zunamen »Schneckenpost Telegramm« belegt werden. Ist z. B. in Oberkochen ein Großfeuer ausgebrochen und die Aalener Feuerwehr soll zum Brandplatz gerufen werden, so genügt ein gewöhnliches Telegramm nicht, weil es erst nach einer Stunde ankommt«.

Dies wiederum ließen die »Schneckenpostzuständigen« nicht auf sich sitzen. Sie recherchierten eifrig und förderten das Telegramm als »corpus delicti« zutage. Auf dem stand »Aufgabezeit 4 Uhr 45, Ankunftszeit 5 Uhr 50«! Also doch, wie die Zeitung sagte!? Weit gefehlt! Noch gründlichere Nachforschungen ergaben dann einen Irrtum des Telegrammabsenders, er hatte in der Aufregung die Uhrzeit falsch angegeben: »Die Übermittlung des Telegramms nach Aalen hatte in Wirklichkeit nur 5 Minuten in Anspruch genommen«.

Wem der Irrtum unterlaufen war, konnte nicht festgestellt werden. Sicherlich war es nicht das gemäß § 1 der Feuerlöschordnung zuständige Oberkochener Ortsoberhaupt. Schultheiß Bezler nahm ja an der Feier für Dekan Kollmann in Unterkochen teil, und als er von dort nach Oberkochen zurückkehrte, fand er nur noch die eingeäscherten Reste seines Hauses vor.

21. September 1895
Brand des Zehntstadels
»In Oberkochen brannte in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag der mit Ernteergebnissen reich besetzte Zehentstadel vollständig aus. Der Ort hatte zu dieser Zeit Einquartierung mit Artillerie und so waren in dem Stadel auch mehrere Pferde untergebracht. Diese konnten jedoch bis auf zwei, welche Eigentum des Hauptmanns Lotterer waren und einen Wert von 3000 Mark repräsentieren, gerettet werden. Ein Soldat soll verdächtigt sein, das Feuer verursacht zu haben«, - soweit die kurze Zeitungsmeldung über das 2. Feuer in Oberkochen innerhalb kürzester Frist.

Da über den Oberkochener Zehntstadel schon ein ausführlicher Bericht vorliegt (BuG-Bericht Nr. 21 vom 10.6.1988) soll hier nicht mehr darauf eingegangen werden. Von der dritten Brandkatastrophe des Jahres 1895, die sich einige Tage später anbahnte, erzählt unser nächster Bericht.

Der Zeitungsbericht sagt, das Feuer vom 3. September 1895 sei durch eine Dreschmaschine hervorgerufen worden. Unser Foto aus der Sammlung Kuno Gold zeigt Elmers Dampfmobil und Dreschmaschine, wie sie in späteren Jahren in Oberkochen im Einsatz waren.

Volkmar Schrenk

 
 
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