Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 232
 

Rätsel vom Kirschentäle - Teil 2, Lösung

In Bericht 223 vom 12.8.94 haben wir über damals noch nicht näher bestimmbare Mineralien berichtet, die im Bereich des Hungerbrunnens im Kirschentäle (Quellaustritt und Acker) gefunden wurden. Zwar lag es nahe, daß die Mineralien aufgrund ihres großen Gewichts eisenhaltig waren, aber viel mehr konnte damals noch nicht gesagt werden.

Nun ist es ein treffliches Weihnachtsgeschenk, daß wir, nachdem uns bereits Prof. Keller vom Institut für Mineralogie und Kristallchemie der Universität Stuttgart freundlicherweise eine kostenlose röntgenographische Untersuchung von einigen Proben gefertigt und bestimmt hatte, nun auch die Ausführungen des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart vorliegen haben. Die Bestimmung seitens des Museums hat Dipl.- Min. Franz X. Schmidt vorgenommen, ebenfalls ohne uns seine Arbeit in Rechnung zu stellen.

Beiden Stellen sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön gesagt.

Beide Stellen schließen die »Schlackentheorie« aus, d. h., es handelt sich bei den Funden mit großer Wahrscheinlichkeit um lokale Vorkommen.

Mit Schreiben vom 7.11.94 teilt uns Professor Keller mit:
Die röntgenographische Untersuchung Ihrer Proben ist abgeschlossen. Die röntgenographisch nachweisbaren kristallinen Phasen sind:

Alle nachgewiesenen Eisenoxide können sowohl natürlicher Entstehung sein als auch, unter wechselnden Bedingungen, bei der Oxidation von Eisen und Stahl entstehen. Aufgrund des erkennbaren Gefüges der Probe 1 ist zumindest diese Probe und höchst wahrscheinlich auch die anderen ein Eisenerz (natürlicher Herkunft). Anschliffe können wir z. Z. nicht anfertigen. Sie sind meines Erachtens auch nicht notwendig.
Eine Berechnung der Unkosten erfolgt nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Keller

Mit Schreiben vom 12.12.94 teilt uns Dipl.-Min. F. X. Schmidt mit:
Nachdem nun Röntgenaufnahmen der besagten Proben vorliegen, möchte ich Ihre Fragen wie folgt beantworten:

Ich gehe davon aus, daß keine Schlacke, sondern eine natürliche Mineralbildung vorliegt: rundliche, auch nierenförmige Mineralbildungen sind im Mineralreich nicht selten und deuten meist auf Kristallisationen aus Gelen hin (die bekanntesten Beispiele sind schwarzer und brauner Glaskopf).

Ihre Proben spreche ich als Brauneisen (Bohnerz i. w. S.) an, gebildet aus Verwitterungslösungen in Karsthohlformen von Karbonatgesteinen. Bobnerze können dort als Knollen, Krusten oder Nester auftreten.

Gefüge und Ausbildung der Proben sprechen meiner Ansicht für ein natürliches Vorkommen. Einen Zusammenhang mit größeren Eisenerzlagerstätten nehme ich nicht an, eine Anreicherung im Oberflächenbereich durch Verwitterung der Kalke bzw. Tone ist wahrscheinlich.

Zur Frage, ob eine »Düngemittel-Schlacke« vorliegt, folgendes. Prof. Keller stellt keine kristallinen Phosphatphasen bei der Untersuchung fest. Es besteht die Möglichkeit, daß amorphe (nicht kristalline, also röntgenographisch nicht nachweisbare) Phosphate vorliegen. In diesem Zusammenhang liegt Ihnen die chemische Analyse von Prof. Weichbrot/Aalen vor, der sicherlich nicht nur den Eisengehalt bestimmt hat.

Bemerkung zum Eisengehalt der Proben: Bei der Bestimmung spielt es eine große Rolle, wieviel Probenmaterial verwendet wird, um einen guten Durchschnittsgehalt der Probe zu gewähren. Werden zu geringe Mengen verwendet, Erze sind ja nicht homogen, so kann es schon vorkommen, daß die Messung hauptsächlich in den reichen Brauneisenpartien oder gar im Hämatit erfolgt - somit wird ein hoher Eisengehalt vorgetäuscht, der in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist.

Zum Namen Goethit:
Die Namensgebung der Eisenhydroxide ist im Schrifttum einer Wandlung unterworfen. Ursprünglich wurde die rote y-FeOOH Modifikation (= Rubinglimmer oder Lepidokrokit) als Goethit bezeichnet. Durch genauere Untersuchungen konnten noch andere Modifikationen des FeOOH entdeckt werden.

Heute wird der Name Goethit (= Nadeleisenerz) für die braune a-FeOOH Modifikation verwendet (vgl.: Randohr, P. und Strunz, H.: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. - 16. Auflage, Stuttgart 1978/80).
Der Namensvorschlag geht auf den naturkundigen Pfarrer Heinrich Adolph Achenbach (1765 - 1819), Lehrer an der Siegener Bergschule, zurück.

Der Name Goethit wurde 1806 von Johann Georg Lenz in den »Tabellen über das gesamte Mineralreich« aufgenommen (vgl. Hans Lüschen: Die Namen der Steine. -Thun 1968).

Anmerkung:
Lenz, Johann Georg (1748 - 1832): Professor der Mineralogie und Bergrat in Jena, Gründer und Direktor der Sozietät für die gesamte Mineralogie.
Mit freundlichen Grüßen
Franz Xaver Schmidt

Ergänzend sei vermerkt, daß unser Mitglied, Dipl-Geologe H. J. Bayer aus Ettlingen auch in Betracht zieht, daß das Erz, da Braunjura bei uns so gut wie ausgeschlossen werden kann, im Zuge eines Erz-Transportweges durch Verlust an diesen Ort gelangt sein könne.

Dietrich Bantel

 
 
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