Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 226
 

Das 1. Telefon in Oberkochen: 1903

Anläßlich der Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten auf dem Postamt Oberkochen vor 3 Jahren überreichte mir der seinerzeitige Amtsleiter, Herr Erhard, eine Reihe von abgelichteten Unterlagen aus Dokumenten der kleinen Ausstellung, die damals gezeigt wurde. Teilweise sind sie nicht leicht zu lesen.

Besonders interessant sind die Unterlagen zur Einrichtung des Fernsprechdienstes, und hier wiederum die Errichtungsurkunde vom 8. Februar 1903. Dort heißt es:

Betreff die Einrichtung einer Fernsprechanstalt in Oberkochen.

Bericht an das K.Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Abtheilung für die Verkehrsanstalten . .

Auf Ansuchen des Gemeinderats in Oberkochen wurde die Fernsprechanstalt daselbst nicht im Rathaus, wie zuerst vorgesehen war, sondern im Gasthaus zum Hirsch (G. Nagel) eingerichtet. Referent Renner.

Die mit hoher Genehmigung vom 28. Mai vorigen Jahres in Oberkochen eingerichtete Fernsprechanstalt kann am 10. Februar d.J. in Betrieb genommen werden. An dieselbe sind 2 Theilnehmer angeschlossen. Hienach dürften entsprechende Bekanntmachungen durch das hohe Ministerium im Staatsanzeiger und im Amtsblatt der Verkehrsanstalten zu erlassen sein. Die Entwürfe hiezu legt die Generaldirektion vor.

Am 20. Februar d. Js. wird im Gasthaus zum Hirsch in Oberkochen eine Fernsprechanstalt mit öffentlicher Telephonstelle dem Betrieb übergeben. Sie ist durch die Verlängerung der Doppelleitung Aalen-Unterkochen bis Oberkochen mit dem Fernsprechnetz des Landes in Verbindung gesetzt.

Die Fernsprechdienstzeit dauert an Werktagen von 7/8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 7 Uhr nachmittags, an Sonn- und Festtagen von 11 - 12 1/2 Uhr.

Kopien dieses Schreibens gingen u.a. an die Generaldirektion der K. Bayerischen Posten und Telegraphen in München, die Kaiserliche Oberpostdirektion in Karlsruhe, die Kaiserliche Oberpostdirektion in Frankfurt, die Kaiserliche Oberpostdirektion in Straßburg die Schweizerische Telegraphendirektion in Bern und an das Reichspostamt in Berlin.

Zum Zeitpunkt der Einrichtung waren noch eine Reihe von Fragen ungeklärt. So heißt es z.B.: Wegen der Zulassung des Sprechverkehrs zwischen Oberkochen und Ludwigshafen (Rhein) (über Mannheim) hat sich die Gemeinde mit dem Reichspostamt ins Benehmen gesetzt, das ersucht wird, sich mit der Zulassung einverstanden erklären zu wollen.

Abschließend heißt es: Die Fernsprechanstalt liegt in der II. Zone. Zur Vermittlung ihres Verkehrs mit Basel sind 3 Umschaltungen auf deutschem Gebiet erforderlich.

Dietrich Bantel

Das Gasthaus Hirsch im Jahr 1902/3
Durch Zufall liegt mir eine lithographische Ansichtskarte vor, die exakt im Jahr 1902, dem Jahr der Genehmigung der Fernsprechanstalt im Gasthof Hirsch, in Oberkochen im Gasthaus Hirsch geschrieben und in Oberkochen aufgegeben worden ist.

Sie ist gerichtet an:
Ober-Matrose Wilhelm Häuserer
an Bord s.M.Sch. »Vineta«
durch Vermittlung des Kaiserl. Hofpostamts
Berlin
Der Text lautet: Sind heute bei Georgs Konfirmation in Oberkochen und senden Dir die besten Grüße. Herzliche Grüße sendet (Vorname unleserlich) Wiedenhöfer
Gruß Clara
Herzlichen Gruß, Dein Vetter G. Nagel.

Ergänzung zu Bericht 226
Das 1. Telefon in Oberkochen: 1903

In unserem Bericht 226 in BuG v. 23.9.94 heißt es: Die mit hoher Genehmigung vom 28. Mai 1902 in Oberkochen eingerichtete Fernsprechanstalt kann am 10. Februar 1903 in Betrieb genommen werden.

An dieselbe sind 2 Theilnehmer angeschlossen ...

Mittlerweile konnten wir im Adreß- und Geschäftshandbuch, das 1908 von der Stadt Aalen herausgegeben wurde, feststellen, daß es sich bei den beiden in obigem Text nicht namentlich genannten Teilnehmern um die Firmen Günther und Leitz gehandelt hat. Der Text lautet:

Oberkochen - Oeffentliche Telephon-Sprechstelle (damit ist die beschriebene Sprechstelle im Hirsch/Nagel gemeint). Dienststunden: Werktags im sommer von 7 Uhr, im winter von 8 - 12 Uhr und 2 - 7 Uhr. Sonntags 11 - 12.30 Uhr.

Darunter sind genannt:
1 Günther, G. Präzisionszieherei
2 Württ. Holzbohrerfabrik, A. Leitz

Volkmar Schrenk

 
 
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