Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 188
 

Kohlplatten an der Orthalde

Auf den Seiten 113 - 199 im Heimatbuch wird über das Köhlereiwesen in Oberkochen berichtet. Wie zu erwarten war, sind zu den 1983 bekannten 20 Kohlplatten in den letzten 10 Jahren weitere dazugekommen.

Heute soll von den Kohlplatten entlang der ORTHALDE am Fuße des Volkmarsbergs die Rede sein. Unsere Karte auf Seite 118 im Heimatbuch weist dort lediglich eine Kohlplatte aus. Inzwischen wissen wir, daß allein entlang des Waldrandwegs über dem Tal mindestens 5 Kohlplatten bestanden. Weitere sind zu vermuten. Teilweise fielen sie der Erbreiterung des Wegs zum Opfer und sind nur noch als Ausbuchtungen hangseits auf Höhe des Wegs erkennbar und schwer nachzuweisen. (No. 4 und 5). Zwei weitere Platten lagen zwischen 1 m und 3 m über dem Wegniveau und wurden ebenfalls beim Wegbau zerstört (No. 3 und 7).

Fast ganz erhalten und im hängigen Gelände gut erkennbar sind die Kohlplatten No. 2, 6, 8, 9 und 10.

Die Platte 1 ist als Kohlplatte nicht nachgewiesen. Dort stand früher eine große Ulme, die einging. In feuchten Jahren tritt dort Wasser aus. Alle Platten, bis auf die Kohlplatten 9 und 10, befinden sich talauswärts links des Wegs und haben gemeinsam, daß auf ihnen relativ wenig starke Buchen (bis 30 cm Durchmesser) stehen.

Die etwa 15 m im Durchmesser messenden Kohlplatten sind im hängigen Gelände gut nachzuweisen, da man, um eine ebene Arbeitsfläche (Schlaue) zu schaffen, hangseits Material aushob und es talseits anböschte. Unsere 3 Fotos zeigen die so entstandenen sich im Hang als Stufen abzeichnenden Platten hervorragend.

Als sichere Beweisstücke zum Nachweis einer Kohlplatte dienen Holzkohlestückchen, die in einer gewissen Tiefe unter dem Humus aus der Zeit der Holzkohleproduktion liegen. Ist die Platte gestört wie zum Beispiel die Platten 6, 8 und 9 durch Wegbau, findet sich Holzkohle auch in der angeschnittenen talseitigen Böschung.

Eine Blütezeit der Oberkochener Holzkohleproduktion war vor ca. 200 Jahren.

Auch zwischen 1825 und 1830 wurden erneut viele Kohlplatten angelegt. In dieser Zeit dürften die Platten entlang des Orthaldenwegs, der den Namen »Kohlplattenweg« verdient, entstanden sein - allerdings waren die meisten nicht allzulange in Betrieb, gerade eine Generation lang, da nach 1864 mit dem Anschluß Oberkochens ans Eisenbahnnetz hochwertige Steinkohle nach Oberkochen transportiert werden konnte.

Zusammen mit dem Hafnerhandwerk und dem Bohrermachergewerbe ist das Köhlereiwesen eines der 3 Oberkochener vorindustriellen Gewerbe, denen im Heimatmuseum in der Aalener Straße 19 breiter Raum zur Dokumentation gewidmet werden wird.

Beschreibung der Platten und Kohlplatten.

  1. Platte. Hier stand früher eine große Ulme. Feuchter Grund. Holzkohle nicht nachgewiesen.
  2. Kohlplatte. Im Wegdreieck des eigentlichen Wolfertstals, das vom Aussiedlerhof zum Volkmarsberg führt. Bergseits durch Wegbau leicht aufgefüllt sonst gut erhalten. Holzkohle nachweisbar.
  3. Platte. 2 m über dem Weg. Durch Wegbau Berg- und talseits zerstört. Holzkohle nicht nachgewiesen.
  4. Platte. Auf Höhe des Wegs. Beim Wegbau zerstört, bzw. zu einem Ausweich- und Holzlagerplatz umgewandelt. Holzkohle nicht nachgewiesen.
  5. Platte. Auf Höhe des Wegs. Beim Wegbau zerstört. Holzkohle nicht nachgewiesen.
  6. Kohlplatte. 2 1/2 m über dem Weg. Aufböschung talseits beim Wegbau leicht angeschnitten. Sonst sehr gut erhalten. Holzkohle nachweisbar.
  7. Platte. 1 m über dem Weg. Beim Wegbau zerstört. Holzkohle nicht nachweisbar.
  8. Kohlplatte. 2 1/2 m über dem Weg. Aufböschung talseits durch Wegbau leicht angeschnitten. Sonst sehr gut erhalten. Holzkohle nachweisbar.
  9. Kohlplatte. 2 m über dem Weg. Aufböschung durch Wegbau angeschnitten. Gut erhalten. Holzkohle nachweisbar.
  10. Kohlplatte. 2 m unterhalb des Wegs. Bergseits durch Wegbau leicht aufgefüllt. Sonst gut erhalten. Holzkohle nachweisbar. In dieser Kohlplatte steht eine Wildfütterungskrippe.

Der »Kohlplattenweg« ist im Zusammenhang mit der Einrichtung der Kohlplatten und der Holzkohleabfuhr entstanden und erst in unserer Zeit ausgebaut worden.

Dietrich Bantel

 
 
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