Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 174
 

Vom »Römerkeller« - Teil 2

Unter den Funden, die anläßlich der Ausgrabung des Römerkellers im Jahr 1971 geborgen wurden, befinden sich eine Reihe von Verputz-Bruchstücken, von denen wir heute ein Foto veröffentlichen, auf welchem 3 derselben abgebildet sind.

Die über dem Keller aufgehenden Mauern des Gebäudes bestanden aus Fachwerk, das Riegelwerk der Gefache aus mit Lehm verschmierten Holzgitter- und Flechtwerk. Die Unregelmäßigkeiten der Wandflächen glich eine in ihrer Stärke variierende Putzschicht aus fein zermahlenen Kalksteinsplittern, Sand und Mörtel aus. Darüber befand sich ein weißer Kalk-Glattstrich. Auf diesen wurden, noch während er feucht war, rotbraune bis schwarzbraune Zierstreifen aufgebracht, die in einer Breite zwischen 5 mm und mindestens 20 mm nachgewiesen werden konnten. Diese am Oberkochener »Römerkeller« belegte Maltechnik ist die damals schon längst bekannte »Fresko-Technik« (von »al fresco« = »ins Frische«, womit der noch frische Kalkverputz gemeint ist.) Beim Abbinden der farbigen Kalkfarbe im Putz entsteht eine absolut unempfindliche Oberfläche, die selbst die 1700 Jahre im feuchten Gebäudeschutt hervorragend überstanden hat.

Daß die Wände des über dem Römerkeller befindlichen Wohngebäudes verputzt und bemalt waren, belegt, daß es sich bei unserem römischen Gebäude »Römerkeller« sozusagen um ein besseres Haus gehandelt hat, - kein Wunder, daß Bürgermeister Bosch vor 20 Jahren aus Ulm einen Brief erhielt, in welchem er gebeten wurde, die Stadt wolle, da man einen Ausflug in die Gegend plane, die Speisekarte des Oberkochener »Römerkellers« übersenden.

Dietrich Bantel

 
 
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