Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 172
 

Vom »Holzahans« zur Skihütte

Anläßlich des 10. Geburtstags der Skihütte auf dem Volkmarsberg, der an diesem Wochenende gefeiert wird, möchten wir etwas in die um einiges längere Geschichte der Hütten an diesem Ort zurückblenden.

Sie begann um die Mitte der Fünfzigerjahre damit, daß einheimische und auswärtige Wanderer und Spaziergänger vermehrt bemängelten, daß man oben »auf dem Berg« weder ein Bier noch einen Landjäger bekomme, von einem richtigen Vesper ganz zu schweigen. Die Gipfelhütte des Schwäbischen Albvereins war nämlich noch fest eingezäunt in der Hand des »Amis«, und zwar exakt bis zum 24 8.1960.

Noch 1955 improvisierte Hans Holz, genannt »Holzahans«, mit ein paar Klapptischen und Bänken im Freien eine kleine »Zapfstelle« für die durstigen Kehlen, und zwar an der Stelle, wo der bereits in den Dreißigerjahren geschaffene Skiübungshang auf das Volkmarsbergsträßle stößt. Über 60 Jahre ist es her, daß die Schneise in das Waldstück zwischen Festwiese und Sträßchen geschlagen wurde. Die Wurzelstöcke wurden seinerzeit noch, wie Fritz Holz berichtete, mit Ochsen und Kühen herausgezogen.

Natürlich mußten die Getränke und andere feilgebotene Dinge mit dem »Handkärrele« auf den Berg gezogen werden, aber der Anfang war gemacht.

Im Amtsblatt vom 25.5.1956 lesen wir dann:
»Verkaufsstand auf dem Volkmarsberg. In der nächsten Gemeinderatssitzung wird der Verkauf von alkoholischen Getränken und Eßwaren im Naturschutzgebiet Volkmarsberg beraten werden. Es handelt sich zunächst um eine Vergebung für den Sommer 1956. Pachtangebote wollen umgehend beim Bürgermeisteramt abgegeben werden (verschlossen und mit der Aufschrift »Volkmarsberg«).« Im darauffolgenden Amtsblatt vom 1.6.1956 wird aus nichtöffentlicher Sitzung berichtet:

»Der Verkauf von Getränken und Eßwaren auf dem Volkmarsberggelände zunächst für die Zeit bis 31. März 1957 vergeben. Mit Stimmenmehrheit erhält der Bieter Hans Holz den Zuschlag bei einer Pachtsumme von 250,- DM.«

Von Bruder Fritz Holz erhielten wir ein Foto mit Seltenheitswert, das die Volkmarsbergschänke etwas nach dieser Zeit zeigt. Das rechte »Gebäude« ist das »Kioskle«, wie es zuerst errichtet wurde. Auf dem Foto sieht man links Herrn Holz sen., den »Ehle«, sagt man hierzulande für Großvater. Dann Helga und Heidi Holz, die Töchter des Ehepaars Holz, die immer fleißig mithalfen auf der Hütte. Der junge Mann vor dem Kioskle heißt Beißwanger.

Zu dieser Zeit war bereits ein »Kellerle« gegraben, daß man auch was oben lassen konnte.

Am 30.8.1957 lesen wir im Amtsblatt:
»Schankwirtschaftserlaubnis für die »Bergschenke« (Hans Holz). - Durch Erlaß vom 26. Aug. 1957 hat das Landratsamt den zeitlichen Umfang des Wirtshaftsbetriebs »Bergschenke« in stets widerruflicher Weise wie folgt festgesetzt: Vom 1. Mai bis 30. Sept. von 8.00 bis 22.00 Uhr, vom 1. Okt. bis 30. April von 8.00 bis 20.00 Uhr.«

Mittlerweile hatte Hans Holz über die Brauerei »Bürger und Engelbräu«, Memmingen, die das Bier lieferte, eine Baracke organisiert und die Genehmigung der Gemeinde eingeholt, dieselbe aufzustellen. Das »Kioskle« diente nunmehr als Geräteschuppen. Aus Ulm, von der Zweigniederlage der genannten Brauerei, kam bald ein weiterer Holzhüttenteil, so daß die Hütte vom »Holzahans« über lange Jahre so aussah wie auf unserem Foto, einer Postkarte, die noch viele Oberkochener besitzen.

Hans Holz sitzt übrigens als Siebenter von links mit dem Rücken zur Hütte auf der langen Bank. Ich erinnere mich an viele äußerst gemütliche Besuche beim Holzahannes und seiner Familie, hervorragend war die Küche.

Und es gab ein Gästebuch, um das man selten herumkam. Ungefähr 20 Jahre lang gab es den »Holzahans« auf dem Berg.

Gesundheitlich seit einem Skisturz, bei dem er eine Niere eingebüßt hatte, angeschlagen, belastete ihn der Betrieb immer stärker. Ausschlaggebend für die Aufgabe des Gastbetriebs (1976) waren dann vor allem auch die harten Auflagen des Landratsamts im sanitären Bereich, - Wasser, Abwasser, Toiletten betreffend. Nur 56-jährig starb der Holzahans anfangs 1977.

Das Foto zeigt ihn, der ein hervorragender Skifahrer und Langläufer war, in jüngeren Jahren an der Spitze einer trocken trainierenden Langläufergruppe.

Am Ende der »Ära Holzahans« interessierte sich die Skiabteilung des TVO für die leerstehende Hütte, erwarb sie und brachte sie in einen Zustand, der das Auge des Gesetzes befriedigte; nicht jedoch die Skiabteilung selbst, die sich nach einer Zeit des Planens 1981 entschloß, anstelle der Holzahanshütte einen Neubau zu erstellen. 1982 ging man an die Arbeit. Was von der alten Hütte nicht verwendet werden konnte, wurde warm entsorgt. Bereits nach einer Bauzeit von 9 Monaten konnte die neue Skihütte eingeweiht werden.

8 bis 9.000 Arbeitsstunden hat der Verein bis zur Fertigstellung alles in allem erbracht, um den Plan, der die Handschrift von Horst Eichentopf die des damaligen Abteilungsleiters Hans Düver trägt, die Architekten Schaupp und Roll im Hintergrund, zu realisieren.

Im Amtsblatt vom 10.12.1982 wird ausführlich berichtet. An Rednern werden der Reihe nach erwähnt: Hans Düver, Pfarrer Kurtz, Bürgermeister Gentsch, Paul Ott, Franz Schoen, Forstdirektor Schurr und Bauleiter Horst Eichentopf.

Zu erwähnen ist noch das auf Foto Nr. 4 rechts im Bild angeschnittene Lifthäusle, das den Wingert'schen Baukarren ersetzte, der bereits ab 1973, noch zur Zeit des Holzahans, die »Talstation« des Übungslifts der Skiabteilung darstellte.

»Streue a Saalz, daß die Leit bessr bremsa kennet«, hat der Holzahans zum Liftpersonal rübergerufen.

Dietrich Bantel

 
 
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