Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 158
 

Johann Konrad Balluff (1799-1859)

Die Lebensbilder ehemaliger Oberkochener Lehrer setzen wir fort mit Berichten über Johann Konrad Balluff, katholischer Schulmeister zu Oberkochen in den Jahren 1827-1851.

Teil I: Herkunft und Familie

»Schulmeister Balluff hat noch sechs Klafter Holz zu verkaufen; Liebhaber sind hierzu eingeladen«, so lautet ein Inserat im »Intelligenz- und Amtsblatt für das Oberamt Aalen« am 30. August 1844. War der Schulmeister im Nebenberuf Holzhändler? -, so mag man fragen. Sicherlich nicht, sondern es handelte sich um Holz, das ihm als Teil seines Lebensunterhalts zustand, das er aber offensichtlich entbehren konnte.

Als Lehrer für ca. 60 Schulkinder, als Organist und Kirchenchordirigent, als Mesner, der auch für das Aufziehen der Kirchenuhr und für Glockenläuten zuständig war, als Musik, der da und dort auftrat, und schließlich als Familienvater von 10 Kindern, hatte Johann Konrad Balluff sicherlich keine Zeit für weitere Nebentätigkeiten.

Herkunft
Mit Öl und Kerzenwachs handelnd war im Jahre 1683 der Stammvater des Balluff-Geschlechts von Immenstadt im Allgäu nach Neuhausen/F. zugewandert. Dieser Andreas Melchior Baltrauf (wie er sich damals schrieb) begründete die sich im Laufe der Jahrhunderte weitverzweigende Familie - es sind 504 Kinder in sieben Generationen zu verzeichnen - und Franz Balluff, der Vater des Oberkochener Lehrers, trug seinerzeit zur Vermehrung und Verzweigung der Äste des ohnedies schon sehr stattlichen Balluff-Stammbaums bei: Er blickte mit Stolz auf seine 23 Kinder aus zwei Ehen.

Franz Balluff war ein Mann besonderer Prägung. Er hatte Medizin studiert und war zunächst geprüfter und wohlbestallter Chirurg und Wundarzt in seiner Heimat Neuhausen/F. geworden. Als Mann von Bildung besaß er eine ansehnliche Hausbibliothek, war Hobby-Imker und wurde im Jahre 1812 Schultheiß seiner Gemeinde. Als er 1847 krankheitshalber aus dem Dienst schied, wurde ihm wegen seiner großen Verdienste eine lebenslängliche Jahresrente von 75 Gulden bewilligt.

Johann Konrad Balluff war der älteste Sohn von Franz Balluff. Nach dem Besuch der Volksschule kam er bei einem Neuhausener Schulmeister in die Lehre und bereitete sich so auf den Lehrerberuf vor. Er war an mehreren Orten als umständiger Lehrer tätig. Im Jahre 1827 erhielt er seine erste selbständige Stelle an der katholischen Schule in Oberkochen.

Die Lehrersfamilie
Johann Konrad Balluff kam zwar zunächst allein nach Oberkochen und man kann sich fragen, was ihn veranlaßte, eine Stelle auf der Ostalb anzutreten. Die Antwort ist nicht eindeutig zu geben. Aber es könnte ganz einfach die Nähe seiner in Dewangen beheimateten Braut gewesen sein: Maria Elisabeths Holl, siebzehnjährige Tochter des Schultheißen Michael Holl und seiner Frau Katharina geb. Mortes. Als nun Johann Konrad im Oberkochener Schulhaus eingezogen war, zögerte er nicht mehr lange und heiratete seine Elisabetha am 20. November 1827 in Dewangen.

Im Laufe der Jahre wurden dem Ehepaar 11 Kinder geboren, von denen 10 überlebten:
Franz Xaver (* 1828) erlernte das Buchbinderhandwerk, er ließ sich später in Heilbronn nieder. Er ist der Großvater von Otto Karl Balluff, der von 1947 bis zu seinem Tode 1950 Oberbürgermeister der Stadt Aalen war. Karl (* 1829) wanderte nach Amerika aus, ebenso sein Bruder Johann Babtist (* 1831). Anton (* 1833) starb zwölfjährig und Leopold (* 1834) wurde Flaschner und lebte später in Stuttgart. Nach fünf Söhnen wurde 1837 die erste Tochter Katharina geboren. Ihr folgte Joseph (* 1839), der nach einer zwölfjährigen Militärdienstzeit im Hüttenwerk Wasseralfingen arbeitete. Elisabetha Amalia (*1840), Maria Theresia (* 1842) und Karoline Helena (* 1845) waren drei weitere Töchter, von denen aber die im Jahre 1930 veröffentlichte Familiengeschichte der Balluffs nur sagt: »Von den Töchtern liegen keine weiteren Nachrichten vor«.

Jedoch: Nachkommen dieser leben heute noch in Oberkochen. Von Elisabetha Amalia (1917 in Oberkochen gestorben) geht die Oberkochener Sippe Schaupp-Gold-Hauber aus, und Karoline Helena lebte ebenfalls bis 1917 in Oberkochen.

Der berühmteste Sproß der Familie war der jüngste Sohn Anton Bruno Michael (* 1846), der als Lehramtskandidat zum Militär kam, wo seine großen musikalischen Fähigkeiten entdeckt und ausgebildet wurden. Später ging er als Chorsänger an die Stuttgarter Hofoper. Dort wurde er eines Tages als Solist entdeckt - er mußte für einen erkrankten Tenor einspringen -, und von da ab war er ein gefeierter Heldentenor, der sämtliche großen Opernrollen mit Bravour sang und mit dem Titel eines königlichen Hofopern- und Kammersängers geehrt wurde. Anton Balluff, der oft auch in Oberkochen weilte, da und auch in Aalen Konzerte gab, starb am 6. Dezember 1924 in Stuttgart. (Über das Konzert von Anton Balluff zugunsten des Neubaus der katholischen Kirche im Jahr 1898 erzählt der BuG-Bericht Nr. 139).

Im Jahre 1852 verließ Johann Konrad Balluff Oberkochen und wurde Lehrer in Ödheim bei Neckarsulm. Dort ist er am 4. Januar 1859 verstorben. Nach seinem Tode kehrte Frau Balluff mit den noch unmündigen Kindern wieder nach Oberkochen zurück. Im Jahre 1868 taucht der Name Elisabeth Balluff nochmals in den Protokollen des »Gemeinschaftlichen Stiftungs- und Schulrats« auf. Dieser hatte nämlich beschlossen, die sogenannte Industrieschule auch im Winter 1868/69 weiterzuführen und als Lehrerin die »Schullehrerswitwe Balluff« gegen Bezahlung von 18 Gulden im Winterhalbjahr anzustellen. Frau Balluff mußte dafür »am Mittwoch und Samstag je von 1 bis 3 1/2 Uhr Unterricht halten. Auch während der beiden folgenden Winter hat Frau Balluff den Unterricht versehen.

Im Jahre 1852 verließ Johann. Konrad Balluff Oberkochen und wurde Lehrer in ödheim bei Neckarsulm. Dort ist er am 4. Januar 1859 verstorben. Nach seinem Tode kehrte Frau Balluff mit den noch unmündigen Kindern wieder nach Oberkochen zurück. Im Jahre 1868 taucht der Name Elisabeth Balluff nochmals in den Protokollen des »Gemeinschaftlichen Stiftungs- und Schulrats« auf. Dieser hatte nämlich beschlossen, die sogenannte Industrieschule auch im Winter 1868/69 weiterzuführen und als Lehrerin die »Schullehrerswitwe Balluff« gegen Bezahlung von 18 Gulden im Winterhalbjahr anzustellen. Frau Balluff mußte dafür »am Mittwoch und Samstag je von 1 bis 31l2 Uhr Unterricht halten. Auch während der beiden folgenden Winter hat Frau Balluff den Unterricht versehen.

Frau Balluff lebte bis zu ihrem Tode im Jahre 1891 in Oberkochen. Am 6. Februar 1891 zeigte der »K. Kammersänger Balluff« in einer Anzeige in der Aalener Kocher-Zeitung den Tod seiner Mutter an, die »im Alter von 81 Jahren sanft entschlafen« war. Elisabetha Balluff hatte damit ihren Mann um 32 Jahre überlebt.

Die folgenden Berichte werden sich mit Johann Konrad Balluff als Musiker, Lehrer und Mensch beschäftigen.

Volkmar Schrenk

 
 
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