Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 138
 

Der Bilzhannes

Anläßlich des Jubiläums »125 Jahre Realgenossenschaft Oberkochen« wurde ein kleines Theaterstück aufgeführt, in welchem der sagenumwobene »Bilzhannes«, dargestellt von Hans Gold/Schmidjörgle, die Hauptrolle spielte. Am Schluß des Stücks trug der Bilzhannes ein seit Generationen in Oberkochen überliefertes Gedicht vor, das auch in der Schule gelernt wurde. Es soll von einem Paul Keller stammen. Gedruckt konnte es noch nicht wiederentdeckt werden - dagegen ist es mündlich in vielen Alt-Oberkochener Familien überliefert.

Das Foto, das uns Herr Alfred Edel freundlicherweise zur Verfügung stellte, zeigt Hans Gold/Schmidjörgle als »Bilzhannes«.

Dr Bilzhannes
Dr Bilzhanns isch a argr Fetz,
on wann der sauft isch bodalätz.
Nao haut'r s'Weib on d'Kender rom -
Des Weib des sprengt zom Pfarrer drom:
»Mei Lomp vrsauft voll Hab on Guat -
Herr Pfarrer sen se doch so guat,
on schwätzat Sie a Wörtle drei,
on zendat S'm ens Gwissa nei.
So kao's amaol net weitr gau,
der soll sei Saufa bleiba lau.«
Dr Pfarrer hot'n grad erwischt,
wian'r vom Wirtshaus komma ischt.
»Du, Hannes«, said'r, »descht a Schand, -
vrsaufscht jao vollends Dein Vrschtand,
guck no amaol den Ochsa a, -
der sauft, was'r vrtraga ka,
on wann'r gnuag hot, hört'r auf.«
Dr Bilzhanns said vrächtlich drauf:
»Herr Pfarrer - wann i Wasser sauf,
nao hör i au von selbr auf.«

Dietrich Bantel

 
 
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