Serie „Oberkochen - Geschichte, Landschaft, Alltag“

 

Bericht 126
 

Neues vom Bilzhaus:
Glashütte in der »Bilz«?

Am 3.12.90 fand nun endlich der lange angekündigte 2. Besuch des Landesdenkmalamts Stuttgart in der Oberkochener »Bilz« statt. Die zuständige Referatsleiterin, Frau Dr. Arnold (im Foto mit weißer Mütze) besichtigte in Anwesenheit von Herrn Bürgermeister Gentsch, Herrn Forstrat Reck, Herrn Oberförster Eberhardt (beide vom Staatlichen Forstamt Oberkochen), des Vorsitzenden des Heimatvereins, Dietrich Bantel, samt Stellvertreter Martin Gold/Bär, Herrn cand. ab. Lenz als Vertreter der Schüler des Gymnasiums und Frau Bantel, die in diesem Jahr weiter freigelegten Mauern des »Bilzhauses«.

Frau Dr. Arnold bestätigte unsere Vermutung, daß die beiden Gebäudeteile nicht etwa 2 getrennte kleinere Häuser, sondern ein zusammenhängendes sehr stattliches Steinhaus gebildet haben. Seine äußeren Abmessungen sind mittlerweile klar ablesbar. Sie betragen 17.30 m auf 12.40 m. Frau Dr. Arnold glaubt aus jetziger Sicht auch bestätigen zu können, daß der gut einen halben Meter höher gelegene größere südliche Hausteil (A) den Wohnteil, der niedriger gelegene Nordteil des Hauses (B) den Wirtschaftsteil darstellte. Der Eingang zum Wohnteil, im Osten gelegen, ist relativ klein, die ebenfalls in der Ostfront zum Tal hin gelegene Einfahrt zum Wirtschaftsteil ist immerhin 3.00 m breit. In der Südostecke liegt ein riesiger Findling als Eckstein, wie er früher üblich war, um zu verhindern, daß man beim Vorbeifahren mit Wagen die Radnabe am Hauseck beschädigte. Der Fußboden im Teil A ist mit kleinen, eng gesetzten Natursteinen gelegt, der in Teil B weniger sorgfältig mit etwas größeren Steinen. Der Boden im Eingangsbereich ist mit großen Steinplatten ausgelegt.

Vor ca. 18 - 20 Jahren war die gesamte von alters her in Stadtbesitz befindliche Fläche neu aufgeforstet worden. Die dichten Fichtenwurzeln haben dem aparten Fußboden schon ziemlich zugesetzt. Es steht fest, daß nach weiteren 15 - 20 Jahren die Fußböden total zerstört gewesen wären.

Gebäude wie Funde wurden von Frau Dr. Arnold durchweg als »neuzeitlich« eingestuft, d.h., nach 1500, - in unserem Fall zunächst wohl, soweit zumindest belegbar, in die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) eingestuft. Ende dieses 17. Jahrhunderts und vor allem zu Beginn des 18. Jahrhunderts sind in der »Bilz« zahlreiche Geburten nachweisbar. (Geburtenregister der kt. Kirchengemeinde). Es ist also bislang noch nicht gelungen, den Nachweis dafür zu erbringen, daß die »Bilz« schon früher als bisher angenommen, besiedelt war.

In der Vielzahl der Funde fielen auf: Die außergewöhnlich schönen Ofenkachelbruchstücke (ca. 20 auf 20 cm - siehe komplettierende Rekonstruktionszeichnung), und vor allem eine Reihe von verschieden großen Glasschlacketeilen. Frau Dr. Arnold vertrat die Ansicht, daß mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Nähe des Siedlungsplatzes eine Glashütte stand. (Die Unterkochener Glashütte wurde 1508 gegründet und nach 1660 aufgegeben). Dies ist immerhin ein bemerkenswertes Ergebnis der bisherigen Grabung in der Bilz.

Abschließend gab uns Frau Dr. Arnold erneut grünes Licht für die Fortsetzung der Grabung in der »Bilz« und Hinweise, wie sie durchzuführen seien. Sie werden auch weiterhin in einer gemeinsamen Aktion des Heimatvereins, des Staatlichen Forstamts, des Gymnasiums und der Stadt Oberkochen getätigt.

Der heute veröffentlichte Grundriß veranschaulicht das derzeitige Bild der freigelegten Mauern des Bilzhauses, die Rekonstruktionszeichnung vermittelt die Vorstellung einer möglichen Ansicht des Bilzhauses vor ungefähr 300 Jahren.

Dietrich Bantel

 
 
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