Abschied von einem einzigartig Schaffenden

Eine große Trauergemeinde verabschiedet auf dem städtischen Friedhof Dietrich „Titich“ Bantel.

„Ich will einmal eine fröhliche Beerdigung haben, weil ich mit meinem Leben rundum zufrieden bin.“ Diese Worte stammen von Dietrich Bantel, der völlig überraschend im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

„Ein einzigartiger Mensch mit einer beeindruckenden Lebensleistung ist nicht mehr unter uns“, sagte Pfarrer Ulrich Marstaller. Der Tod sei aber für Christen nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens. Marstaller attestierte dem Verstorbenen großes Wissen und Bildung sowie reiche Schaffenskraft. „150 Jahre reichten nicht aus, was Titich in 82 Jahren geleistet hat.“ Dies habe ihm seine Gattin Susi beim Trauergespräch gesagt. Überhaupt sei Dietrich Bantel ein Familienmensch gewesen, der – abseits all der vielen Tätigkeiten – seine geliebte Gattin, die Töchter und Enkel ins Zentrum seines Lebens gestellt habe. Nicht unerwähnt ließ Pfarrer Marstaller, dass Didi Bantel seiner Gattin nach einer lebensbedrohenden Krankheit ein halbes Jahr lang Tag und Nacht im Krankenhaus zur Seite gestanden habe.

Die neun Geistesworte aus dem Galaterbrief Liebe, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit waren Bantels Konfirmationsspruch und Inhalt der Predigt. Pfarrer Marstaller schilderte Bantels Menschennähe, aber auch den Frieden schaffenden Menschen, seine immense ehrenamtliche Tätigkeit in den Vereinen, allen voran seinem „Herzblut-Heimatverein.“ Zurück bleibe der Dank an Gott, „dass wir einen solchen Menschen geschenkt bekommen haben“, sagte der Geistliche.

Dietrich Bantel sei das personifizierte Geschichtswissen der Stadt gewesen“, sagte Bürgermeister Peter Traub. An der neuen Stadtchronik, die am 9. Juni anlässlich des 50-jährigen Stadtjubiläums vorgestellt wird, habe Bantel akribisch mitgearbeitet. Als Ehrenbürger sei er in vielfältiger Weise Motor gewesen. Traub bezeichnete den Verstorbenen als Freidenker, Querdenker, Vor- und Nachdenker.

Richard Burger laudierte „Titich“ als ehemaliger Schüler und Kollege am Gymnasium. „Er war omnipräsent; was er tat, war übergreifend und in Oberkochen überall zu spüren“, erklärte Burger. Seine Kunst als Lehrer sei gewesen, die eigene Begeisterung bei den Schülern zu multiplizieren. Ohne ihn wäre Oberkochen heute an ärmerer Ort.

Der Heimatverein-Vorsitzende Karl Elmer dankte „unserem Titich, der bis zu seinem Tod unser Spiritus Rector war.“ Das Heimatmuseum sei sein Werk.

Fraktionsvorsitzender Bernd Kresse (Freie Bürger) beschrieb Dietrich Bantel mit den Worten: „Kritisch und konstruktiv in seiner Haltung, in seinem Handeln solidarisch und hilfsbereit.“

In sehr persönlichen Worten verabschiedete sich der Ehrenpräsident der Narrenzunft Klaus Ziemons. Der Wappen-, Maskenzeichner und Maskenentwickler, Gestalter der Titelseite des Schlagga-Blättle über 42 Jahre hinweg und der angesehene Ehrenelferrat habe sich unermüdlich für die Zunft engagiert. „Wir sind ohne ihn ärmer geworden, er ist für uns unersetzlich“, sagte Ziemons und rief dem Verstorbenen ein letztes Schlagg-hoi zu.

Bevor die Urne beigesetzt wurde, wandte sich Dietrich Bantels Bruder Professor Dr. Martin Bantel an die Familie: „Die Familie und Oberkochen waren sein Leben, wir sollten dankbar sein, dass wir ihn so lange gehabt haben.“

Lothar Schell, Schwäbische Post

 
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